Ein Architekt und eine Apotheke

Über den Architekten Alfred Breslauer, der vor 144 Jahren in Berlin geboren wurde, finde ich im Netz nur sehr wenige Daten. Die Akademie der Künste schreibt kurz und knapp:

Alfred Breslauer
Architekt, Baumeister, Professor

Am 23. Juni 1866 in Berlin geboren, gestorben am 19. März 1954.
Von 1921 bis 1933 Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, Berlin, Sektion für die Bildenden Künste.

Biographie

Am 9. Dezember 1933 aus der Akademie ausgeschieden. (Ausgeschieden auf Grund des Paragr. 3 BBG. zufolge Erlass vom 9. 12. 1933 – U I 76186.) Seit November 1945 wieder Mitglied der Akademie der Künste.
(Auszug aus der Matrikel der Akademie der Künste)

Quelle

Lehramt, Beruf, Geld und Gut und Menschenrecht wurden ihm von den Nazis genommen. Man sollte sich seiner mit größerer Ausführlichkeit erinnern.

Nach seinem Studium war Breslauer im Preußischen Ministerium für öffentliche Arbeiten tätig. Danach wurde er Mitarbeiter des auf Warenhäuser spezialisierten Architekten Alfred Messel.

Von 1901 an arbeitete er gemeinsam mit seinem Schwager, dem Architekten Paul Salinger. Zu den wenigen erhaltenen Häusern aus dieser Zeit gehört der Palazzo Paicos (Haus Andreae) in Berlin-Grunewald.

In der Friedrichstraße steht vermutlich die schönste Apotheke Berlins – auch wenn sie lange nicht mehr als Apotheke dient. Gebaut wurde sie 1898-1900 anstelle des bescheideneren Vorgängerbaus (an den eine Gedenktafel erinnert, weil er einst Fontane ein Arbeitszimmer bot). Sie ist das Werk des heutigen Jubilars, und ich sehe sie oft und gerne an.

Die Schnörkel und Putten waren schon damals altmodisch. Aber die riesigen Fenster, die ersten und zweiten Stock verbinden, sind typisch für das Fin de Siècle. Die Fenster im Erdgeschoß sind nicht unterteilt – was ich hier für den Originalzustand halte, nicht für eine spätere Änderung. (Die industrielle Herstellung großer Scheiben aus gewalztem – nicht geblasenem – Glas war gegen Ende des 19. Jhs. hochmodern.)

Polnische Apotheke 1
Polnische Apotheke 2Polnische Apotheke 3
Polnische Apotheke 4Polnische Apotheke 5
Polnische Apotheke 6Polnische Apotheke 7
Polnische Apotheke 8Polnische Apotheke 9

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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Eine Antwort zu Ein Architekt und eine Apotheke

  1. Sylvia schreibt:

    Ich glaub, da bin ich sogar schon vorbeigegangen.

    Das einzige, was ein bisserl fremdelt, sind die Dachgaupen.
    Bei uns in Wien werden die Grüderzeithäuser teilweise nach Strich und Faden mit teils superäßlichen Dachausbauten verschandelt; zusammenhanglose Dachterrassen, Dacheinschnitte etc.

    Ewig schade.

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