Disteln für Schiller

Der Schillerplatz in Friedenau ist nicht immer freundlich zu dem großen Dichter. So spendiert er ihm nicht etwa Rosen, sondern Disteln, zur Zeit auf gedörrtem Gras.
Aber andererseits blühen Disteln sehr schön lila, und diese Pompons aus zarten Flugsamen, Weide für Marienkäfer und Ameisen, sind hübsch anzuschauen.

Distel 1
Distel 3
Distel 2

Friedrich Schiller
Hoffnung

Es reden und träumen die Menschen viel
Von bessern künftigen Tagen;
Nach einem glücklichen, goldenen Ziel
Sieht man sie rennen und jagen.
Die Welt wird alt und wird wieder jung,
Doch der Mensch hofft immer Verbesserung.

Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein,
Sie umflattert den fröhlichen Knaben,
Den Jüngling locket ihr Zauberschein,
Sie wird mit dem Greis nicht begraben;
Denn beschließt er im Grabe den müden Lauf,
Noch am Grabe pflanzt er – die Hoffnung auf.

Es ist kein leerer, schmeichelnder Wahn,
Erzeugt im Gehirne des Thoren.
Im Herzen kündet es laut sich an:
Zu was Besserm sind wir geboren;
Und was die innere Stimme spricht,
Das täuscht die hoffende Seele nicht.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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7 Antworten zu Disteln für Schiller

  1. Karl Eduard schreibt:

    Offenbar wird da nicht gemäht und das Gras sieht ziemlich tot aus.

  2. Bettina schreibt:

    Disteln scheinen mir die modische Bepflanzung öffentlicher Berliner Gartenanlagen geworden zu sein, so sie keinem Schloss oder anderem repräsentativen Gebäude anliegen.
    Da bleibt nur übrig, nach dem Schönen daran zu suchen, so wie hier…

  3. Claudia schreibt:

    … oder, angesichts der Krise, wieder Esel zu halten (statt Autos). Die freuen sich über Disteln.

  4. Frau Sterntau schreibt:

    Disteln sind völlig unterbewertet, finde ich.
    Ich mag sie jedenfalls, vor allem, weil sie vielen tollen Tieren Anlaufpunkt sind.

  5. Claudia schreibt:

    Und immerhin sind die leckeren Artischocken auch Disteln. Man muß durchaus kein Esel sein, um die zu mögen. 😉

  6. Frau Sterntau schreibt:

    Ich muss gestehen, ich habe noch nie nie nie Artischocken gegessen.

  7. Claudia schreibt:

    Solltest Du mal zu einer Zeit nach Berlin kommen, in der es Artischocken gibt, bewirte ich Dich damit. (Sonst mit was anderem Leckerem.)

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