Barocke Epigramme

Logau

Vor 355 Jahren starb Friedrich von Logau (Künstlername: Salomon von Golaw), dem wir gute dreitausend Epigramme zu verdanken haben.
Sie zeigen ihn als einen freien Geist, einen scharfen Denker und zugleich einen frommen Menschen, der aber Religion nie diktatorisch, immer befreiend verstand. Als ein barocker Martial schrieb er bissige Verse zu den Borniertheiten sämtlicher Konfessionen, zu allen Formen menschlicher Unzulänglichkeit; zugleich schuf er in ihrer Spiritualität an Angelus Silesius erinnernde Gedichte.

Übrigens las er viel und gern und hatte ein Faible für tote Autoren, das ihn mir besonders sympathisch macht.

Bücher=lesen.

Wie die Honigmacherinnen
Auß viel Blumen saugen künnen
Jhren süssen Nectar=Safft:
So auch vnsre Wissenschafft/
Wächst durch vnverseumtes lesen
Jn ein gleichsam Göttlich Wesen.

Bücher

Es ist mir meine Lust bei Todten stets zu leben,
Mit denen um und um, die nicht seyn, seyn gegeben,
Zu fragen, die sind taub, zu hören, die nichts sagen,
Und die, die haben nichts, sehr viel hingegen tragen,
Zu halten lieb und werth. Ich bin auff die beflissen,
Die mir viel gutes thun und doch von mir nichts wissen;
Ich halte diese hoch, die mich nur an nicht sehen;
Die manchmal mich mit Ernst verhöhnen, schelten, schmähen,
Sind meine beste Freund. Und solt ich die begeben,
Eh geb ich alle Welt, eh geb ich auch das Leben.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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