Auf Flügelfüßen

Max Dauthendey

Vor 143 Jahren wurde Max Dauthendey geboren.
Sein Vater war Daguerrotypist und Photograph, und gern hätte er seine Begeisterung dem kleinen Max vermittelt, der aber hatte durchaus kein Interesse für Technik. Auch waren die höchst autoritären Erziehungsmethoden des Vaters kaum geeignet, Begeisterung zu erwecken. Dennoch hatte Max – vielleicht durch die Arbeit seines Vaters gefördert – eine scharfe Beobachtungsgabe, die ihn erst zur Malerei, später zur Dichtung zog.
Seine virtuose und bildreiche Sprache machte ihn bald berühmt. Geld brachte sie ihm selten ein, und mit Geld umgehen konnte er auch nicht recht; Leben und Reisen war ihm meist nur auf Kredit und durch Geschenke möglich. Zahlreiche Freunde schätzten seine Arbeit hoch und halfen ihm nach Kräften.

Bali-Tempel

Im alten Tempelhof, der grau ist und verlassen,
Da blühn allein vielarmig Frangipanibäume
Und halten ihre Blüten hoch, die weltentrückten, blassen,
Und opfern ihre scharfen Düfte, ihre ganz verzückten,
Den grimmen Götterbildern, die da, Stein bei Stein, sich selbst besehen,
Im alten leeren Hofe dort im Schatten stehen und verwildern.

Auf seiner zweiten Weltreise brach der erste Weltkrieg aus; er geriet in Java in holländische Kriegsgefangenschaft und starb daselbst an Malaria (wobei sein schlimmes Heimweh an der Zerrüttung seiner Gesundheit mitgewirkt haben mag).

In der Nazizeit war sein Werk als ungermanisch geächtet. Die lustvollen Sprachbilder und der häufige Bezug des Reiselustigen auf Kulturen außerhalb Europas waren der Räuberbande suspekt. Daß Dauthendey heute ein gern gelesener Dichter ist, werte ich als gutes Zeichen.

Meine Haare fliegen,
Bin auf hellen Winden,
Bin auf Flügelfüßen
In die Lüfte gestiegen.

Und mein Haupt steht golden
In den Abendwolken,
Purpurn wanken die Dolden
Meiner Liebesgedanken.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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