Im Schatten des Vaters

Franz Xaver Wolfgang Mozart war vom Ruhm seines Vaters so überschattet, daß er selbst unter dem wie ein Pseudonym gebrauchten Namen Mozarts Sohn auftrat.
Soweit ich das herausfinden konnte, muß sein ganzes Leben und Arbeiten geprägt gewesen sein von dem Gedanken, Papa könne das besser – eine schreckliche Vorstellung!
Heute ist dieser Musiker fast völlig vergessen. Zu Unrecht, wie ich meine. Eine anrührende Würdigung verfaßte

Franz Grillparzer
Am Grabe Mozart des Sohnes

So bist du endlich hingegangen,
Wohin der Geist dich ewig zog,
Und hältst den Großen dort umfangen,
Der adlergleich zur Sonne flog.

Daß keiner doch dein Wirken messe,
Der nicht der Sehnsucht Stachel kennt,
Du warst die trauernde Zypresse
An deines Vaters Monument.

Wovon so viele einzig leben,
Was Stolz und Wahn so gerne hört,
Des Vaters Name war es eben,
Was deiner Tatkraft Keim gestört.

Begabt, um höher aufzuragen,
Hielt ein Gedanke deinen Flug;
»Was würde wohl mein Vater sagen?«
War dich zu hemmen schon genug.

Und wars zu schaffen dir gelungen,
Was manchen andern hoch geehrt,
Du selbst verwarfst es, kaum gesungen,
Als nicht des Namens Mozart wert.

Nun öffnen sich dem guten Sohne
Des großen Vaters Arme weit,
Er gibt, der Kindestreu zum Lohne,
Ein Teilchen dir Unsterblichkeit.

Der Name, dir ein Schmerzgenosse,
Er wandelt sich von heut in Glück;
Tönt doch von Salzburgs Erzkolosse
Ein Echo auch für dich zurück.

Wenn dort die Menge sich versammelt,
Ehrfürchtig Schweigen alle bannt,
Wer dann den Namen Mozart stammelt,
Hat ja den deinen auch genannt.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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2 Antworten zu Im Schatten des Vaters

  1. Bettina schreibt:

    An einem „großen“ Vater hat man schwer zu tragen und das Publikum lässt nur gelten, wer den dann noch überflügelt.
    Mir gefiel das Stück auch – davon eine CD, hat man was Klassisches und doch etwas frisches, Ungehörtes – Danke für den Hinweis!

    NS
    also – sind ja „nur“ Portraits, aber findest Du nicht auch, die Augen hat er vom Vater?

  2. Claudia schreibt:

    Tja, der Vater kann seine Vaterschaft kaum leugnen. 😉

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