Haupt der Kürbishütte

Simon Dach

Vor 405 Jahren wurde Simon Dach geboren.
Der schier unglaublich produktive Dichter wurde zur treibenden Kraft der Kürbishütte, jener Gartenlaube, die im Dreißigjährigen Krieg einer Gruppe von Dichtern zum Rückzugsgebiet und zur Stätte friedfertigen schriftstellerischen und musikalischen Beisammenseins diente. Leider fiel dieser Ort schon bald der Stadtplanung zum Opfer – die Verbauung kultureller Orte hat Geschichte.
Bis heute bekannt – wenn auch in Johann Gottfried Herders hochdeutscher Übersetzung und unter Auslassung einiger dem emanzipatorischen Gedanken etwas abträglicher Strophen – ist sein Liebeslied an Anna Neander, das Anke van Tharaw.
In diesen Tagen darf ich mich viel mehr als sonst seiner in so schöner Sprache betitelten Lieblingsbeschäftigung hingeben:

Horto recreamur amœno

Der habe Lust zu Würffeln vnd zu Karten,
Der zu dem Tantz, vnd der zum kühlen Wein,
Ich liebe nichts, als was in diesem Garten
Mein Drangsals-trost vnd Kranckheit Artzt kan seyn,
Jhr grünen Bäume,
Du Blumen Zier,
Jhr Hauß der Reyme,
Jhr zwinget mir
Dieß Lied herfür.

Mir mangelt nur mein Spiel, die süsse Geige,
Die würdig ist, daß sie mit Macht erschall‘,
Hie, wo das Laub vnd die begrünten Zweige
Am Graben mich vmbschatten überal,
Hie wo von weiten
Die Gegend lacht,
Wo an der Seiten
Der Wiesen Pracht
Mich frölich macht.

Was mir gebricht an Geld vnd grossen Schätzen,
Muß mein Gemüht vnd dessen güldne Ruh
Durch freyes Thun vnd Frölichkeit ersetzen,
Die schleusst vor mir das Hauß der Sorgen zu;
Ich wil es geben
Vmb keine Welt,
Daß sich mein Leben
Oft ohne Geld
So frewdig hält.

Gesetzt, daß ich den Erdenkreiß besesse,
Vnd hätte nichts mit guter Lust gemein,
Wann ich der Zeit in Angst vnd Furcht genösse,
Was würd‘ es mir doch für ein Vortheil seyn?
Weg mit dem allen,
Was Vnmuht bringt!
Mir sol gefallen
Was lacht vnd singt
Vnd Frewd‘ erzwingt.

Jhr alten Bäum‘, vnd jhr noch junge Pflantzen,
Rings vmb verwahrt vor aller Winde Stoß,
Wo vmb vnd vmb sich Frewd‘ vnd Ruh verschantzen,
Senckt alle Lust herab in meinen Schoß,
Jhr solt imgleichen
Durch dieß mein Lied
Auch nicht verbleichen,
So lang man Blüht
Auf Erden sieht.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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Eine Antwort zu Haupt der Kürbishütte

  1. Bettina schreibt:

    Was für ein schönes Gedicht, so mag ich auch barockes. Und die Freude am Garten ist so ein universelles Thema, passend auf alle Epochen, irgendwie verbindend.
    Kürzlich erst hatte ich Rainer Brambach mit seiner „Heiterkeit im Garten“ erwähnt, zitiert im Rahmen des gesetzlich möglichen, eine moderne Adaption des Themas.

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