Pracht und Hilfe

Wir tun heute gerne so, als müsse Hilfeleistung unbedingt im schlichtesten Sackleinen daherkommen, um überzeugend zu wirken. Gebäude, deren ursprünglicher Sinn ist, Menschen zu helfen (gleich ob dieser Sinn gut, mäßig oder gar nicht erfüllt wird), also Krankenhäuser, Schulen, Sozialämter und andere mehr, werden meist vollkommen reizlos gebaut.
Ich liebe Bauhaus-Architektur, form follows function ist ein gutes Motto. Nüchternheit kann sich, wie zahlreiche Siedlungen im Bauhausstil zeigen, durchaus anmutig zeigen. Ich renne also keineswegs gegen gute und zugleich schlichte Architektur an.
Aber warum müssen Gebäude mit helfender Funktion unbedingt häßlich und kahl sein? Warum kann man nicht Menschen, die aus dem ein oder anderen Grund Hilfe benötigen, womöglich für längere Zeit, schon durch die Architektur sagen: „Wir helfen gern, und wir wollen, daß es euch so gut wie möglich geht“?
Das 1899 bis 1906 gebaute städtische Rudolf Virchow-Krankenhaus sagt dies gleich am Eingang. (Die zum nämlichen Krankenhaus gehörenden Neubauten sagen es nicht mehr. Sie sind stumm.)







Das letzte Photo zeigt deutlich einen lorbeerumwundenen Rinderschädel, darunter einen Spatz. Das ist keine Anspielung auf den Sperlich Verlag Berlin, wirklich nicht.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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3 Antworten zu Pracht und Hilfe

  1. Karl Eduard schreibt:

    Das ist doch was. Fürs Auge des Betrachters.

  2. Zia schreibt:

    Oft ist die Begründung für das unschöne Äußere ja der allgegenwärtige Geldmangel.
    Bei Prestigeobjekten wie der Hamburger Elbphilharmonie oder Stuttgart21 scheinen solche Argumente dann allerdings außer Kraft gesetzt zu sein.
    Und manche öffentliche Gebäude scheinen einfach ein Produkt von Geschmacksverirrung zu sein.
    Eine logische Gesetzmäßigkeit ist für mich da auch nicht erkennbar.

  3. Claudia Sperlich schreibt:

    Einerseits sind die sozialen Siedlungen aus Bauhauszeiten ein Beweis, daß mit geringen Mitteln gute, d.h. auch schöne Architektur möglich ist. Andererseits gibt es auch heute eine Menge Künstler, die händeringend Aufträge suchen, und deren Kreativität gerade bei notwendigen Bauten zum allgemeinen Nutzen eine gute Anwendung fände – wenn der Bauherr (oftmals das Land Berlin) darauf käme.

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