sor aqua, frate focu

Franziskus

Über den liebenswürdigen Heiligen, Bruder des Wassers und des Feuers, der vor 794 Jahren starb, ist viel gesagt und geschrieben worden. Ich reihe mich in die unüberschaubare Zahl der Schreiber ein und hoffe, wenigstens manchmal in franziskanischer Geradheit auf das Wesentliche zu schauen.

Francesco

Herr Bernadone stellt den Sohn zur Rede
vor einer prominenten Gaffermenge,
mit Zorn, Besitzerstolz und Vaterstrenge,
voll ungestandner Angst vor einer Fehde.

„Von mir bekamst du alles!“ „Alle Zwänge.“
Der Sohn entkleidet sich ganz ruhig, jedwede
der Gaben zieht er aus, legt eine jede
zu Boden, steht befreit von seidner Enge.

Entblößt von allem Mächtigen und Kalten,
spürt auf der Haut er sommerliches Wehen
und will durch die erstarrte Menge gehen.

Da fühlt er sich vom Bischof festgehalten –
der ihn, von Ehrfurcht und von Scham erfüllt,
in seiner Capa Purpurseide hüllt.

© Claudia Sperlich

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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