Privatisiertes Wasser

Zwar war der Wasserpreis in Berlin auch vor der Teilprivatisierung recht hoch im Vergleich zu anderen Bundesländern (vgl. Tagesspiegel vom 31.3.1998); bezahlbar war es aber noch, und der Preis stieg über viele Jahre nur sehr schwach an.
Im gesamtdeutschen Durchschnitt waren die Wasserpreise noch vor drei Jahren stabil, lt. agrarheute.com (Meldung vom 31.12.2007) sogar rückläufig:

Im europäischen Wasserpreisvergleich liegen die Trinkwasserpreise in Deutschland insgesamt geringfügig höher als etwa in Großbritannien, Frankreich oder Belgien. Als einziges europäisches Land weist Deutschland aber langfristig sinkende Wasserpreise auf, während in anderen Ländern kontinuierliche Gebührensteigerungen zu verzeichnen sind.

Bei der Teilprivatisierung der Berliner Wasserbetriebe – 49,9% der Anteile wurden 1999 an RWE und Veolia verhökert – wurde die Stabilität des Wasserpreises vereinbart. Anfang 2004 wurde der Wasserpreis um 15% erhöht, Anfang 2005 um weitere 5,4% (Quelle: Berliner Zeitung vom 7.10.2004). Insgesamt ist der Berliner Wasserpreis seit jenem Ausverkauf um 35% gestiegen.

Solange die Wasserversorgung Berlins ausschließlich Sache des Staates war, wurde ohne Aufpreis für den Grundwasserausgleich gesorgt. Dadurch wurde verhindert, daß der hölzerne Unterbau alter Gebäude trockengelegt wurde (was ihn zerstört hätte) und daß Häuser absackten.

Diese Arbeit wird seit der Teilprivatisierung entweder gar nicht oder für viel Geld getan. Was von beidem der Fall ist, weiß ich nicht, da die Verträge über den Verkauf geheimgehalten werden. Spätestens wenn das Pergamonmuseum zusammenkracht, wissen wir, daß der Grundwasserausgleich den Herren des Wassers nicht wichtig genug war.

Die Veolia geriert sich gerne als Retter der geschundenen Menschheit, der überall für sauberes Wasser sorgt. Auf ihren Internetseiten behauptet sie:

Wasser ist ein öffentliches Gut. Es gehört allen, ist damit kein beliebiges Wirtschaftsgut und kann auch nicht privatisiert werden. Veolia hat kein Interesse daran, sich Wasserressourcen oder -rechte anzueignen. Wir sehen Wasserversorgung und Abwasserentsorgung als zentrale Aufgaben der Daseinsvorsorge, die die Kontrolle und Einbindung der öffentlichen Hand erfordern.
Veolia Wasser bietet Dienstleistungen wie die Aufbereitung und Bereitstellung von Trinkwasser und die umweltgerechte Reinigung des Abwassers an – als Kooperationspartner der Kommunen. Mit einer Privatisierung der Ressource Wasser hat das nichts zu tun.

Auch die RWE (Eigentümerin der Kernkraftwerke Biblis, Emsland, Lingen, Mühlheim-Kärlich sowie Haupteigentümerin des Kernkraftwerks Gundremmingen) ist nach eigener Aussage die Redlichkeit in Person:

Die ständige Kontrolle gehört auch bei RWE zum Arbeitsalltag. Die Ingenieure werden dabei von modernen Managementsystemen unterstützt. Um die hohe Zuverlässigkeit des Verteilnetzes langfristig sicherzustellen, entwickelt und erprobt RWE neue Technologien und Materialien, mit denen Schäden am Leitungsnetz frühzeitig erkannt und beseitigt oder aber gleich vermieden werden können. Diese Investitionen in Forschung und Entwicklung und in die konkrete und kontinuierliche Sanierung sind weit mehr als eine Pflichtaufgabe – denn das Verteilnetz ist ein wichtiges Kapital.

Wasser ist eine Handelsware; Preis und Nachfrage beeinflussen sich gegenseitig. Daher führt gerade der sparsame Umgang mit diesem Gut zur Teuerung. Weil viele Menschen in Berlin gelernt haben, trotz guter Ressourcen Wasser zu sparen, wird weniger Wasser als früher gefördert; das läßt den Preis steigen, weil die Wasserverkäufer sonst durch die allgemeine Sparsamkeit weniger Profit machen. Wenn also die Berliner Bevölkerung verantwortungsvoll mit dem Wasser umgeht, müssen die Stammesfürsten von Veolia und RWE, wenn sie auch künftig ihre Sippe durchbringen wollen, ein wenig aufschlagen – so schmerzlich ihnen das ist. Das muß jeder verstehen.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Privatisiertes Wasser

  1. Sylvia schreibt:

    Bei uns ist das mit dem Strom ähnlich gelagert.

    Verbrauchen die Menschen weniger, zaubern sie eben Leitungsinstanhaltungsgebühren oder andere Begrifflichkeiten hervor, um dann in einem Tortendiagramm die verrechneten Gebühren glaubhaft darstellen zu können.

    Als ich meine letzte Abrechnung so studiert habe, bin ich zu dem Schluß gekommen, dass die verbrauchten Stromeinheiten am wenigsten ins Gewicht fallen, die machen weit weniger aus als die Fixkosten, sodaß es dem Verbraucher unattraktiv erscheint, auf den Stromverbauch zu achten, weil es eben die Grundkosten unverhältnismäßig hoch sind.

    Die Stromabrechnungen sind mittlerweile dermaßen unübersichtlich, dass extra 2 – 4 seitige Musterabrechnungen beigelegt werden, zur Orientierung. Man kann dann mit Hilfe einer mehrstündigen Ähnlichkeitstransformation *Was hat die allgemeine Rechnung mit meiner zu tun ?* die Kosten ganz klar nachvollziehen.
    Es ist allerdings von Vorteil, wenn man den ersten Studienabschnitt in Mathematik erfolgreich abgeschlossen hat.

  2. Claudia Sperlich schreibt:

    Am Ende wird uns als Moral verkauft: Lebt luxuriös – Verantwortung im Umgang mit Ressourcen lohnt nicht!

  3. Sylvia schreibt:

    Sie wollen, dass wir weniger verbrauchen
    – bei gleichbleibenden Einnahmen.

  4. Karl Eduard schreibt:

    Nun. Und wie kommt das, mit der Privatisierung? Weil Kommunen ihr Geld für andere Dinge ausgeben und den größten Teil machen die Sozialausgaben aus. Eines geht eben nur.

  5. aebby schreibt:

    In dem Satz steckt das Grundübel drin

    > Wasser ist eine Handelsware

    das ist m.E. das Grundübel, dass alles zur Handelsware verkommt.

    @Karl Eduard, den unmittelbaren Zusammenhang bzw. diese Reihenfolge mit den Sozialausgaben sehe ich nicht. In meiner Heimatstadt wurde schon privatisiert, lange bevor das Thema Sozialausgaben überhaupt relevant war. Der private Betreiber der Einrichtungen (Müllentsorgung, gegründet 1989) hat keinerlei Interesse an Müllvermeidung und Gesamtkostensenkung, er interessiert sich nur für Betriebskostensenkung, Umsatzsteigerung und Gewinnmaximierung. Der Gewinn fließt jetzt in private Taschen und steht der öffentlichen Hand nicht mehr zur Verfügung. Wenn nicht privatisiert worden wäre hätte die Stadt immer noch den Spielraum durch Effizienzsteigerung an der einen Stelle Ausgabenlöcher an der anderen Stelle auszugleichen. Genau dieser Spielraum fehlt der Kommune heute.

Kommentare sind geschlossen.