Zurück aus Göttingen

Am Samstag und Sonntag war ich in Göttingen zum Nachtreffen der Amöneburger Lateinwoche – ein gutes Dutzend der Lateinfreunde, die dort regelmäßig zusammenkommen, traf sich hier wieder.
Eine schöne alte Stadt ist es, und ich bin auch vor und nach dem Treffen mit den Freunden ausgiebig photographierend und staunend herumgestrolcht. Am Sonnabend trafen wir uns zum Essen und zur anschließenden Stadtführung in lateinischer Sprache mit unserer höchst sachkundigen Organisatorin Dorothea.

In diesem schönen Haus trafen wir uns – und behütet wird es, in Göttingen, von Göttern.

Der alte Stadtwall ist heute ein breiter, von makellosen Buchen gesäumter Spazierweg, von dem aus man die Häuser und Gärten am Stadtrand überblicken kann.

Karl Gundelach schuf diesen Brunnen mit Mann und Schäferhund.

In der Jacobikirche läuft eine Ausstellung mit Skulpturen von Ernst Barlach sowie Graphiken, Zeichnungen und Skulpturen von Käthe Kollwitz. Ich habe lange dort verbracht, gestaunt, auch photographiert, nur sind die Bilder leider nichts geworden. Leider ist die Jacobikirche zur Zeit eingerüstet, so daß man ihre Schönheit von außen nur schwer erkennen kann. Eine der Figuren ist darob recht genervt. Aber hinter der Kirche sitzt in vollkommener Ruhe der heilige Jacobus von Bernd Löning.

Sankt-Albani-Kirche

Das Rathaus wird von einem sehr stupide aussehenden Löwen bewacht.

Der kluge Georg Christoph Lichtenberg sitzt hier, von Volker Neuhoff in Bronze haltbar gemacht, in seiner zierlichen Lebensgröße; in dem aufgeschlagenen Buch steht: Das viele Lesen hat uns eine gelehrte Barbarei zugezogen.

Vor einer Schule ist eine Galerie fröhlicher Chimären zu bestaunen.


Besonders gefällt mir Der Tanz von Bernd Altenstein. Ein Mann und eine Frau tanzen und reißen sich dabei gegenseitig die Masken vom Gesicht; ein Kind tanzt um die Beine beider herum.

Wolf Bröll schuf die Skulptur Mensch und Wissenschaft – ein unvollkommener, gebrochener Mensch ist zu sehen, und doch ist er schön und kraftvoll.


Ein Haus aus der ersten Hälfte des 19. Jhs. ist mit besonders schönen Sandstein-Pilastern geschmückt.

Fachwerk, Klassizismus, Jugendstil – Göttingens Häuser bilden ein lustiges Durcheinander von Stilrichtungen, die alle auf ihre Weise schön sind.

Für den Sonntag hatte Dorothea eine Führung durch das Römerlager Hedemünden gebucht. Ein Archäologe erklärte uns hier, wo ein Laie nichts als einen wundervollen Buchenwald sieht, die Grabungsarbeiten.
Zum Abschluß hatte Dorotheas Mutter für Suppe, Kuchen und Kaffee (in höchster Qualität) gesorgt, die wir unter dem Römerlager im Freien, bei herrlichem Wetter mit Blick über die herbstliche Landschaft, einnahmen. Es war ein rundum gelungenes Treffen, und ich freue mich schon auf die nächste Lateinwoche.

Es war eine weise Idee, nach Göttingen zu fahren.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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4 Antworten zu Zurück aus Göttingen

  1. Patricia schreibt:

    Danke für die vielseitige, bildgewaltige Führung! Ich freue mich, dass Du eine so schöne Zeit hattest.

  2. theomix schreibt:

    So viele beeindruckende Bilder. Ein bisschen erschlagend, wo alle auf ein Mal hierher wollen. Ich war noch nie dort und denke mit Hilfe der Fotos, es muss eine sehr erholsame Stadt sein.

  3. Claudia Sperlich schreibt:

    Patricia: Gern geschehen!
    Theomix: Göttingen ist zugleich studentisch lustig und ruhig, weil in der Innenstadt kaum Autos fahren.

  4. Karl Eduard schreibt:

    Schöne, schöne Bilder. Mensch und Wissenschaft. Ich glaube, der Bildhauer hatte einfach keine Lust mehr und hat seinem Unvollendeten einen wichtigen Namen gegeben. „Keine Lust mehr“ hätte nicht so bedeutungsvoll geklungen.

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