Der Vater der Paläographie

Vor 378 Jahren wurde der Bauernsohn Jean Mabillon geboren. Sein Onkel war Gemeindepfarrer; er unterrichtete den klugen Jungen und sorgte für seine weitere Ausbildung. Mabillon trat in den Orden der Benediktiner ein.
In der Bibliothek von Saint-Germain-des-Prés fand er, zunächst als Assistent, aber bald wegen seiner hervorragenden Arbeitsweise als alleiniger Herausgeber, ein noch neues Betätigungsfeld. Bei der Herausgabe der Acta sanctorum ordinis Sancti Benedicti, der Viten Heiliger des Benediktinerordens, prüfte alte Schriften auf ihre Echtheit und konnte so historisch-kritische Ausgaben theologischer Schriften anfertigen. Die Paläographie und Diplomatik, ohne die moderne Philologie nicht bestehen kann, wurden so entwickelt.
Auf zahlreichen Reisen sammelte Mabillon Dokumente. Immer wieder setzte er sich mit dem Problem von Echtheit und Fälschung auseinander und schrieb als Leitfaden für die historisch-kritische Arbeit De re diplomatica.
Bei all seiner Klugheit und Bildung und bei seiner so bedeutenden Arbeit blieb er immer ein äußert bescheidener Mensch. Hochmut lag ihm fern – auch das ein Zeichen für intellektuelle Redlichkeit.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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