Dieser Dichter taugt was!

Vor 153 Jahren starb Joseph Freiherr von Eichendorff, dessen entzückende Novelle Aus dem Leben eines Taugenichts mir umso mehr am Herzen liegt, je öfter ich mich über die Verzweckung und Vermarktung jedweder schönen Fähigkeit ärgere.

In lauen Sommernächten soll man den Taugenichts lesen und die zahlreichen Wanderlieder. Aber auch für graue Novembertage steht Passendes bei Eichendorff.

Abschied

Laß, Leben, nicht so wild die Locken wehen
Es will so rascher Ritt mir nicht mehr glücken,
Hoch überm Land von diamantnen Brücken:
Mir schwindelt, in den Glanz hinabzusehen.

„Vom Rosse spielend meine Blicke gehen
Nach jüngern Augen, die mein Herz berücken,
Horch, wie der Frühling aufjauchzt vor Entzücken,
Kannst du nicht mit hinab, laß ich dich stehen.“

Kaum noch herzinnig mein, wendst du dich wieder,
Ist das der Lohn für deine treusten Söhne?
Dein trunkner Blick, fast möcht er mich erschrecken.

„Wer sagt‘ dir, daß ich treu, weil ich so schöne?
Leb wohl, und streckst du müde einst die Glieder,
Will ich mit Blumen dir den Rasen decken.“

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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2 Antworten zu Dieser Dichter taugt was!

  1. Frau Sterntau schreibt:

    In der Tat, ein wunderbarer Mann!
    Mein Lieblingsgedicht von ihm:

    Mondnacht

    Es war als hätt der Himmel
    Die Erde still geküßt,
    Daß sie im Blütenschimmer
    Von ihm nur träumen müßt.

    Die Luft ging durch die Felder,
    Die Ähren wogten sacht,
    Es raunten leis die Wälder,
    So sternklar war die Nacht.

    Und meine Seele spannte
    Weit ihre Flügel aus,
    Flog durch die stillen Lande,
    Als flöge sie nach Haus.

  2. Claudia Sperlich schreibt:

    Oh ja, das liebe ich auch sehr!

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