Halbwertszeiten

Die Halbwertszeit bezeichnet die Zeitspanne, nach der die Strahlung eines radioaktiven Elements noch halb so stark ist wie zu Beginn der Freisetzung. Ungefährlich ist die Strahlung dann noch nicht!
Die Halbwertszeit von Cäsium beträgt dreißig Jahre. Das heißt, wenn die heutigen Dozenten und Ingenieure in Japan alt oder tot sind, dann ist Cäsium immer noch tödlich.
Die Halbwertszeit von Plutonium beträgt etwa 24000 Jahre. Das bedeutet: Ende des 26. Jhs. n.Chr., wenn längst eiszeitliche Gletscher über Tschernobyl gewandert sind, die tektonischen Platten sich weiter verschoben haben, Japan zum großen Teil im Meer versunken und die Erinnerung an jene Katastrophen längst geschwunden ist, dann ist Plutonium noch immer tödlich.

Die Behauptung, Atomkraft sei sicher, zeugt von unfaßbarem, grenzenlosem Hochmut. Auszubaden haben diesen Hochmut Menschen, Tiere und Pflanzen bis in die ferne Zukunft.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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24 Antworten zu Halbwertszeiten

  1. Frau Momo schreibt:

    Ich krieg eine solche Wut, wenn ich Merkel und Westerwelle reden höre…. da fällt mir bald nix mehr zu ein.
    Ich hoffe die Quittung folgt an den nächsten Sonntagen und zwar ordentlich. Wir werden uns morgen an den bundesweiten Mahnwachen beteiligen. Ich platze sonst noch.

  2. Frau Sterntau schreibt:

    Ich kriege schon Blutdruck, wenn Frau M. immer von „Brückentechnologie“ redet 🙄
    Man könnte beinahe auf die Idee kommen, sie möchte sich für später einen guten Posten sichern…. Das wäre äußerst arm, würde mich aber überhaupt nicht wundern.

  3. alipius schreibt:

    Es geht ja auch nicht um sicher oder unsicher sondern um die Moneten und den Lebensstandard. Wenn irgendwo Geld zu holen ist und wenn es Milliarden von Leuten gibt, die Autos fahren, einmal im Jahr in Urlaub fliegen, beheizte Räume mit fließendem Wasser bewohnen, online shoppen, medizinisch gut versorgt undsoweiter sein wollen, dann bedeutet „sicher“ nichts weiter als „Wir machen das jetzt und hoffen, daß wir tot sind, bevor die Riesen-Katastrophe kommt“.

  4. Claudia Sperlich schreibt:

    Gestern morgen war ich bereit, Haus und Hof zu verwetten darauf, daß Merkel im Lauf des Tages sagt, deutsche Kernkraftwerke seien sicher. Schade, daß niemand ein Vermögen dagegengesetzt hat! Ich hätte gewonnen!

  5. Claudia Sperlich schreibt:

    @Alipius: Ich glaube wohl, daß ein gutes – nicht verschwenderisches! – Leben bei allgemeiner Gerechtigkeit und Vernunft möglich wäre. Aber ob wir das noch mal hinbekommen? Die Mittel sind vorhanden…

  6. bigi schreibt:

    Ich kann nichtmal mehr richtig wütend sein. Ich bin so fassungslos und unendlich traurig ob dem, was da passiert, dass mir komplett die Worte fehlen.
    Danke für die eindrücklichen Zeilen!
    Ganz lieben Gruß
    bigi

  7. Claudia Sperlich schreibt:

    Eigentlich sind meine Zeilen ja Schulstoff. Aber wenn selbst eine ausgelernte Physikerin das ignoriert, ist es an der Zeit, den Schulstoff mal gründlich zu wiederholen.
    Traurig ist angesichts des Unglücks in Japan wohl jeder, der empfinden kann.

  8. Liebe Claudia, HalbwertZeiten sind auch ein Phänomen der MedienWelt und auf den Effekt „HalbwertZeit“ hoffen die Damen und Herren der Politik im Berliner Reichstag. Erst wilder Aktionismus, sofortiges theatralisches Außerbetriebnehmen von alten KKWs in D-Land. – Dann gemütlich die Wahlen in Sachsen-Anhalt, BaWü und Rheinland-Pfalz abwettern und wenn sich – Halbwertzeit sei Dank- kein Aas mehr für Kernkraft interessiert, werden die alten Meiler stillschweigend wieder angefahren. Sonst wär die deutsche AtomLobby angesichts der dräuhenden MillionenVerluste doch schon hochgegangen wie die MaschinenHäuser in Fukushima. „Jedes Ding hat seine Halbwertzeit – immer nur so weit, bis kein Hahn mehr danach schreit“ hieß es mal in einem SongText Mitte der 80er, als Tschernobyl explodierte. Und das ist der Punkt: Wenn die Menschen sich jetzt wieder durch quietschebuntes RadauFernsehen und DödelFunk und populistische vierbuchstabige KrawallJournaille einlullen lassen(Brot und Spiele), dann wird es gelingen, die Leute geschickt auf NebenKriegsschauplätze zu führen, um wieder vollendete Tatsachen zu schaffen. Sie sind doch schon wieder dabei, die Wiederindienststellung der KKWs vorzubereiten, indem auf alle Nachbarn D-Lands gezeigt wird, wo neue KKWs errichtet werden. Angefangen beim größten KKW der Welt, das derzeit in Finnland(größtenteils von deutschen Firmen) gebaut wird über die Tatsache, daß die Zahl der KKWs weltweit von derzeit knapp 500 in naher Zukunft auf über 1000 steigen wird und D-Land Gefahr läuft, von der übrigen Welt in Sachen Technische Innovation abgehängt zu werden – so heute auf Phoenix. Ich bin gespannt und wir sollten wachsam und mißtrauisch sein gegenüber den Machenschaften derer, die da einen Eid geleistet haben, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden….
    Ein schönes WochenEnde wünscht der olle Wolf aus der schönsten Hansestadt am Ryck.

  9. Claudia Sperlich schreibt:

    Tja… aber Halbwertszeiten sind eine physikalische Tatsache, das sollte eine Physikerin eigentlich auch dann wissen, wenn sie regiert.

  10. LePenseur schreibt:

    Darf ich in diesem Blog ein wenig gegen den Stachel löcken? (nicht daß ich dächte, es hätte allzuviel Einfluß auf die anderen, aber immerhin — man versucht was man kann …). Da ich nicht alles abtippen bzw. durch copy/paste als meine Weisheit verkaufen will — heiße ja nicht »zu Gut …« 😉 — hier ein paar Links (hoffentlich schluckt das dann nicht der Spam-Filter):

    1. Mein Standpunkt zu der Sache hier

    2. »Zettels Raum« hat in all dem apokalyptischen Geschwurbel in dern Systemmedien der letzten Tage sich durch große Zurückhaltung und realistische Einschätzung der Lage ausgezeichnet. Wie realistisch, hat sich teilweise bereits durch das mittlerweilige Eintreten der von ihm geäußteren Vermutungen über die Entwicklung der Maßnahmen in Fukushima herausgestellt — darüberhinaus werden die nächsten Tage, Wochen und Monate darüber Auskunft geben.

    Er bot jedenfalls m.E. die beste Darstellung der getroffenen Maßnahmen, der realistischerweise zu befürchtenden wie auch (und dies wurde sonst überall fast systematisch unterschlagen!) zu erhoffenden, ja: zu erwartenden Entwicklungen. Und das in absolut verständlicher Sprache. Wofür Zettel ein Extra-Lob gebührt.
    Hier die Zusammenfassung des Standes Samstag 4:30 Uhr, mit Links zu älteren, inhaltlich für das Verständnis aber wichtigen Vor-Artikeln).

    Und dann noch ein Link zu Klaus Peter Krause, dem großen alten Mann der FAZ-Wirtschaftsredaktion, der in der Pension einen absolut erstklassigen, unprätentiösen Blog schreibt, den ich nur wärmstens empfehlen kann.

    P.S.: Angst ist ein schlechter Ratgeber. Daß Merkel & Co. jetzt eingeknickt sind, ist aufgrund des Medien-Hypes verständlich — Berufspolitiker prostituieren sich eben für ihre erhoffte Wiederwahl. Das macht aber die komplette Irrationalität dieser Entscheidung auch nicht besser. Oder, wie es MediaScan mit einem Beispiel perfekt illustriert:

    Man stelle sich folgende Analogie vor: Ihr Bekannter XY hat in Australien einen Autounfall. Ein anderer Verkehrsteilnehmer hat ein Stopp-Schild überfahren und ist in das Auto Ihres Bekannten gekracht. Frage: Würden Sie jetzt Ihr in Europa stehendes Auto in die Werkstatt bringen und die Bremsen überprüfen lassen? Oder noch krasser: Sie verkaufen Ihr Auto und gehen ab jetzt zu Fuß. Schließlich könnte auch jemand in Europa ein Stopp-Schild überfahren.

  11. Claudia Sperlich schreibt:

    Nochmals: Halbwertszeiten sind eine Tatsache, die niemand – auch nicht ein FAZ-Redakteur Ihres Vertrauens – ändern kann. Daß es in Fukushima leider zu erheblichen Strahlenbelastungen bereits gekommen ist, als Ihr Kommentar entstand, ist auch nicht zu ändern.
    Jeder seriöse Geologe wird Ihnen bestätigen, daß in den Zeiträumen, um die es bei Plutonium geht, eine große Eiszeit mehr als wahrscheinlich ist. Auch daß Japan in den nächsten 24000 Jahren vermutlich nicht mehr sein wird wegen steigenden Meeresspiegels, Eruptionen und Plattentektonik, ist beinahe sicher.

    Die Wahrscheinlichkeit, daß in einem deutschen AKW in unserer Lebenszeit ein GAU stattfindet, liegt lt. Risikostudie der Gesellschaft für Reaktorsicherheit im Auftrag der Bundesregierung bei 2%. Mal angenommen, auf einem Platz stehen 99 Menschen. Sie wollen diesen Platz unbedingt besichtigen. Da wird Ihnen von zuverlässiger Stelle mitgeteilt, sobald hundert Leute auf dem Platz stehen, werden wahllos zwei davon erschossen. Würden Sie hingehen?

  12. Maria Magdalena schreibt:

    Doch, natürlich kann man Halbwertszeiten ändern – bzw. dafür sorgen, dass Stoffe nicht nach dem Zerfallsgesetz zerfallen. Durch Neutroneneinfang beim Caesium entstehen andere Isotope mit erheblich kürzeren Halbwertszeiten. Außerdem ist Caesium nicht giftig – es wird in der Regel gar nicht vom Körper aufgenommen, sondern wieder ausgeschieden, bevor es überhaupt zerfallen ist. Benzin, Quecksilber oder Zigarettenrauch sind da viel gefährlicher.
    Gibt es einen Link für die Risikostudie der GRS? Wie alt ist die? Dein Vergleich ist allerdings falsch: Die 2 Leute werden nicht erschossen, sondern mit einer Wahrscheinlichkeit von geschätzen 0,5 % innerhalb ihrer Lebenszeit angeschossen. Und unter diesen Umständen gehe ich auf den Platz, denn bevor der erste Schuss losgeht, bin ich vermutlich vorher schon 3x oder 10x durch einen Verkehrsunfall, Passivrauchen oder einen Herzinfarkt gestorben.
    Diese deutsch-österreichische Radioaktivitäts-Hysterie ist völliger Unsinn (die Begründung dafür sehe ich im Wahlkampf) – und lenkt von den eigentlichen Problemen ab: Haiti liegt immer noch in Trümmern und leidet an den Folgen der Cholera-Epidemie; in Japan sind hunderttausende obdachlos …

  13. Claudia Sperlich schreibt:

    Ja, Maria Magdalena, und in Tschernobyl haben auch alle überlebt und freuen sich ihrer blendenden Gesundheit. Übrigens können Schweine fliegen.

  14. LePenseur schreibt:

    @Claudia Sperlich:

    Übrigens können Schweine fliegen.

    Schade, daß mir dieses wirklich überzeugende Argument gegen das Posting von Kollegin Maria Magdalena nicht eingefallen ist. Das hat was …

    Willkommen im Club der deutschen Presse! Die arbeiten recht oft mit solchen Argumenten. Nicht nur in Atomfragen. Klimawandel durch CO2, die Notwendigkeit des Zuzugs weiterer Kulturbereicherer, Weltwirtschaftskrise durch spekulierende Heuschrecken — Gegenargumente werden durch das Argument, daß Schweine nicht fliegen können, restlos entkräftet. Ist halt so — und wer’s nicht glaubt, ist ein Nazi …

    *Ironiemodus off*

    Wie wär’s denn damit, sich inhaltlich mit Argumenten auseinanderzusetzen? Geben Sie mir doch das überzeugende Argument gegen meine Befürchtung, daß durch die Verfemung der Atomenergienutzung auch die Forschungsaktivitäten auf diesem Gebiet zurückgehen werden (oder durch politisch erwünschte Ideologie ersetzt werden — wie derzeit auf dem Gebiet der Anthropologie und der Verhaltensforschung zu beobachten, die durch ideologische Prämissen der Gender»wissenschaft« marginalisiert wird, oder auf dem der Klima»wissenschaft«).

    Weisen Sie doch Kollegin Maria Magdalena nach, daß das mit dem Cäsium nicht stimmt.

    Und was die Studie der Gesellschaft für Reaktorsicherheit betrifft: statistisch verhält es sich tatsächlich so, wie Kollegin Maria Magdalena schreibt. Wobei noch zu sagen ist: ein GAU ist ex definitione ein »größter anzunehmender Unfall« — also ein Unfall, für den die Sicherheitskriterien als Grenzwert ausgelegt sind. Erst bei Überschreiten wird’s möglicherweise (!) wirklich gefährlich.

    Und gerade das wurde eigentlich durch Fukushima klar: selbst ein altes Kernkraftwerk, auch wenn es einer ca. 10-mal höheren Belastung durch Erdbeben ausgesetzt wird, als denen der seinerzeitigen Sicherheitsannahmen, wäre dadurch zwar abgeschaltet worden, aber sonst wäre nichts besonders gefährliches passiert. Nun kam aber noch ein gewaltiger Tsunami dazu — und auch der betraf nicht die eigentliche Reaktortechnik, sondern simple konventionelle technische Backup-Systeme wie Reservepumpen fürs Kühlwasser …

    Das kommt mir so vor, wie wenn man das Autofahren in Ägypten generell verbieten wollte, weil Autos bei plötzlichem Glatteis ins Schleudern kommen könnten, und sowas unlängst auf einer Autobahn bei Moskau zu einer Massenkarambolage mit Toten führte. Und Tsunamis in Neckarsulm sind vermutlich noch deutlich seltener als Glatteis in Ägypten …

    Nochmals: was Sie über die Endlagerungsproblematik schreiben, kann ich durchaus nachvollziehen. Warum sich das allerdings durch eine Sofortabschaltung deutscher Kernkraftwerke nennenswert ändern sollte, nicht.

  15. Claudia Sperlich schreibt:

    Wenn die Ironie eines Penseur nachweislich immer richtig ist, die Ironie einer Rezitatorin aber nachweislich immer falsch, dann sind AKWs sicher.
    Natürlich bleiben abgeschaltete AKWs noch lange gefährlich. Nicht abgeschaltet aber noch länger. Das ist so simpel, daß ich glaubte, es alphabetisierten Erwachsenen nicht erklären zu müssen.
    In Fukushima ist etwas geschehen, womit keiner gerechnet hat. In Deutschland können durchaus auch Dinge geschehen, mit denen keiner gerechnet hat. (Sogar im Guten! Es könnte passieren, daß Sie das, was ich schreibe, tatsächlich verstehen.)
    Ich habe weder Lust noch Zeit, sämtliche längst bekannten Argumente für und gegen Atomkraft wieder und wieder und wieder zu diskutieren. Es ist mir bekannt, daß AKWs eine Technik sind, die Menschen nicht beherrschen können. Es ist mir ferner bekannt, daß es immer wieder unvorhergesehene Unglücke gibt. Auch ist mir bekannt, daß die Gestalt der Erde sich in Zeiträumen, die für keinen von uns überschaubar, aber für die Strahlung von Plutonium unerheblich sind, erheblich verändert wird.
    Und noch ein Letztes. Wenn jetzt freigesetztes Plutonium in 48.000 Jahren nicht mehr strahlt, ist es immer noch so toxisch, daß man mit wenigen Gramm ganz Europa ausrotten kann.
    Aber das macht nichts. Denn bis dahin hat sich die Menschheit wahrscheinlich eh ausgerottet, und auf Tiere kommts ja nicht an.

  16. Maria Magdalena schreibt:

    Liebes Fräulein Sperlich,
    offensichtlich fehlen Ihnen die Argumente – und von den Dingen, über die Sie Panik verbreiten, haben Sie auch keine Ahnung. Auf den Schweine-können-fliegen- und Tchernobyl-ist-Fukushima- Level muss ich mich als Diplom-Physiker nicht begeben; meine 16-jährigen Zehntklässler argumentieren da erheblich intelligenter als Sie.

    Mit Bedauern,
    Mariechen, Dr. rer. nat. (Maschinenbau)

  17. Claudia Sperlich schreibt:

    Zunächst mal verbitte ich mir die Anrede als Fräulein. Ich nenne Sie ja auch nicht Mädel.
    Sodann habe ich nicht Tschernobyl mit Fukushima gleichgesetzt, sondern – für Deutschkundige verständlich – darauf hingewiesen, daß spätestens seit Tschernobyl (eigentlich schon sehr viel länger) die Folgen von schweren Unfällen in Kernkraftwerken bekannt sind. Auch habe ich etwas über die Unvorhersehbarkeit von Unfällen gesagt.
    Wenn tatsächlich Halbwertszeiten so verringert werden können, daß kein Schwein und kein Mensch mehr erheblich durch Strahlung in AKWs, Zwischen- und Endlagern beeinträchtigt werden kann – warum tut man es dann nicht? Zu teuer, zu aufwendig, gar nicht wirklich möglich? Sicher wissen Sie als Dr.rer.nat. (Maschinenbau) darauf eine befriedigende und sogar für solche Dolme wie mich verständliche Antwort.
    Aber ich vermute, es ist sinnvoller, wenn wir die Diskussion hier abbrechen. Wir halten voneinander zu wenig, um auf gedeihliche Weise zu kommunizieren.

  18. LePenseur schreibt:

    @Claudia Sperlich:

    1. sachliche Richtigstellung: Plutonium strahlt auch in 48.000 Jahren nicht „nicht mehr“, sondern eben „nur“ mehr ein Viertel von dem, was es jetzt strahlt. Was das ganze leider noch unerfreulicher macht. Von der Giftigkeit des Zeugs wollen wir dabei gar nicht reden …

    2. wie schon öfters muß ich feststellen, daß unsere prinzipiellen Annahmen durchaus nicht so weit voneinander entfernt sind, wie Sie zu glauben scheinen. Auch mich freut die Atomenergie nicht wirklich. Ich glaube nur nicht, daß es wesentlich darauf ankommt, ob mich oder Sie das freut (oder ängstigt). Und zwar aus folgendem Grund: da die Halbwertszeit von Plutonium nun einmal 24.000 Jahre beträgt Zeitspanne bis zum (praktisch — die restlichen ca. 0,1% von dem Zeug, die dann noch über sind, lassen wir mal dahingestellt) völligen Verschwinden das Zehnfache (!) der Halbwertszeit, also 240.000 Jahre. Nehmen wir 1% Rest zähneknirschend in Kauf, wären es noch immer ca. 170.000 Jahre. So gesehen wäre es natürlich sicherer, es hätte nie Plutonium gegeben. Das ist aber eine triviale Antwort, die uns nicht weiterhilft!

    Ich argumentiere daher von der anderen Seite her: wenn die endgültige Lösung des Problems rund 240.000 Jahre (d.h. zwei hoch zehn)vor uns liegt, eine auch noch irgendwie akzeptable (wir begnügen uns mit einem Abbau bis auf ca. 1% der strahlenden Substanz) wenigstens rund 170.000 (d.h. zwei hoch sieben), dann ist es unter dem Aspekt des Lagerungsrisikos wirklich fast egal, ob wir die Atomkraftwerke jetzt abschalten oder erst im Jahr 2036.

    Es muß nämlich (und das ist die — vielen höchst unerwünschte — Lehre aus Fukushima) verdammt viel auf einmal schiefgehen, daß »etwas« passiert! Erdbeben mit Richter 9 + Tsunami reichen noch nicht. Vielleicht, wenn jetzt auch noch ein Flugzeugabsturz über Fukushima passiert, oder ein zweites Mega-Erdbeben. Oder ein größerer Meteorit …

    All das sind jedoch Ereignisverkettungen, die so extrem unwahrscheinlich sind, daß niemand ernstlich vorhersagen kann, wie oft sie mit statistischer Wahrscheinlichkeit auftreten werden.

    Für mich stellt sich also die Alternative so dar:

    1. wir stoppen die zivile Atomenergienutzung. Dann haben wir sofort alle Nachteile dieser Entscheidung zu tragen, als das sind:
    – Energiepreise, die eine Menge industrieller Prozesse faktisch unmöglich machen
    – die auch unseren Lebensstandard unmittelbar und sehr empfindlich senken
    – die (via Rapsanbau/Biospritkulturen) die Lebenmittelpreise empfindlich hochtreiben
    – Umweltschäden durch zusätzlich nötige Bergwerke/Ölförderplattformen etc.
    – Risken durch Dammbrüche, Grubenbrände, Bohrlecks etc.

    Wir gewinnen dadurch (gegenüber einem Ausstieg, bspw. wie im Gesetz über die Laufzeitverlängerung festgelegt, spätestens im Jahr 2036) ca. 25 Jahre Entsorgungssicherheit, die wir von einem 240.000 bzw. 170.000 Jahre dauernden Risikozeitraum abbuchen dürfen. Das ist eine Verbesserung von ca. 1/10 Promille.

    2. wir stoppen die zivile Atomenergienutzung nicht. Dann besteht das Entsorgungs-Risiko eben um diese 25 Jahre länger (also das obige 1/10 Promille), und wir haben das zusätzliche Betriebsrisiko während der 25 Jahre zu tragen (wie groß immer diese Risikosteigerung gegenüber dem abgeschalteten Zustand nun sein mag — ich bin, wie gesagt, kein Kernenergie-Sicherheitstechniker …)

    Wir haben demgegenüber aber genau jene Vorteile zu verbuchen, die zu den oben aufgezählten Nachteilen komplementär sind. Und wir haben weiters den Vorteil, daß (schon durch ökonomische Interessen nahegelegt) auf diesem Gebiet weitergeforscht wird. Und nur durch weitere Forschung werden sich Wege finden lassen, die Endlagerproblematik zu lösen. Und diese weiteren Forschungen werden durch einen Stop der Kernenergienutzung wenn schon nicht komplett erliegen, so doch wesentlich reduziert werden. Auch der Wissenschaftsbetrieb hat seine Moden und Stimuli, und auf einem Gebiet, das anrüchig und absehbarerweise demnächst »tot« ist, prügeln sich erfahrungsgemäß nicht die besten Köpfe um die lukrativsten Stellen. Weil es letztere halt nicht mehr gibt.

    Nochmals: ich bin kein Atomphysiker. Ich kann daher nicht ermessen, ob die mir von einem Poster zugetragene Alternative von Thorium-Reaktoren ein solche ist, oder eben nur eine Hirnblähung. Aber wir werden jedenfalls ingeniöse Atomphysiker benötigen, um die Probleme zu lösen — und keine »Wir schalten ab«-Lichterketten und grüne Parteitagsbeschlüsse.

    Denn solche Beschlüsse können sich unsere Nachfahren im angenommenen Schadensfall des Jahres 122.386 n.Chr., wenn der große Meteorit genau auf ein tief verbuddeltes Endlager in Niedersachsen einschlägt und einen Krater produziert, bestenfalls rektal applizieren (um es einmal vornehm auszudrücken).

  19. LePenseur schreibt:

    Oops, da habe ich beim Formatieren in der Mittes des zweiten Absatzes ein paar Worte verschluckt:

    … da die Halbwertszeit von Plutonium nun einmal 24.000 Jahre beträgt, beträgt die Zeitspanne bis zum …

  20. Claudia Sperlich schreibt:

    Das ist das erste Mal, daß ich von Ihnen ein echtes und noch dazu vernünftiges Argument gegen eine meiner Äußerungen höre. Das freut mich schon.
    Danke auch für die Richtigstellung bezügl. Halbwertszeit von Plutonium.

    Allerdings glaube ich, es besteht eine unbedingte Pflicht, angerichteten Schaden selbst zu beheben, so gut es irgendwie geht (auch wenn es nicht besonders gut geht). Zudem befürchte ich, daß ohne einen völligen Ausstieg aus der Atomwirtschaft es genau so weitergeht wie bisher (ein AKW nach dem anderen wird gebaut). Schließlich könnte man auch mal riskieren, einen Blick auf den Sinn deutschen Abfallgesetzes zu werfen. Es ist grundsätzlich verboten, Müll zu produzieren, über dessen Entsorgung Unklarheit herrscht. Nur bei dem gefährlichsten Müll, den es überhaupt gibt, ist das anders. Das ist so zum Schreien unlogisch, daß ich schon um der reinen Vernunft willen (die mir so gern abgesprochen wird) in Abwehrhaltung gehe.
    Die Kosten für „Endlager“ sind unfaßbar hoch und werden umso mehr steigen, je länger Atomkraft genutzt wird. Das geht aus der Homepage des Bundesministeriums für Umweltschutz hervor. Mit einem Gutteil dieses Geldes könnte man weniger umweltschädliche Möglichkeiten zur Energiegewinnung fördern.
    Natürlich gibt es keine Methode zur Energiegewinnung, die absolut umweltverträglich ist. Wind- und Sonnenparks verschandeln die Landschaft, Wasserkraftwerke sind ein Problem für Dorfbewohner, deren Ländle geflutet wird, übrigens, soweit ich es beurteilen kann, auch für Fische. Aber keine dieser Kraftwerkarten macht das Leben potentiell auf viele Jahrtausende unmöglich.

  21. LePenseur schreibt:

    @Claudia Sperlich:

    Nun, es freut mich, daß ich Ihnen eine Freude bereiten konnte. Eine kleine zwar nur — aber immerhin 😀

    Zudem befürchte ich, daß ohne einen völligen Ausstieg aus der Atomwirtschaft es genau so weitergeht wie bisher (ein AKW nach dem anderen wird gebaut).

    Das ist nun nicht wirklich zu erwarten. Sie wissen sicher, wann das letzte AKW in Deutschland in Betrieb ging: 1989 (!). Also schon zwölf Jahre lang, bevor Rot/Grün 2001 den Ausstieg aus der Kernenergienutzung verkündeten, wurde kein AKW nach dem anderen gebaut — obwohl damals der »schwarze Riese« die Möglichkeit dazu gehabt hätte, denn es gab kein Gesetz, das es verboten hätte. Warum sollte also jetzt, obwohl ein Gesetz den Neubau verbietet, sowas passieren?

    Schließlich könnte man auch mal riskieren, einen Blick auf den Sinn deutschen Abfallgesetzes zu werfen.

    Nun, da fiele mir schon der eine oder andere Blick ein, der Ihnen vermutlich weniger gefiele — aber lassen wir das …

    Da das »KrW-/AbfG« keineswegs nur die Atommüllfrage, sondern ebenso eine Reihe anderer Bereiche nicht regelt (Bergbau, Tierkörperverwertung, Müllverbrennung, um nur einige zu nennen), ist es wohl nicht das geeignete Vehikel, sinnhafte Atommüllentsorgung darin zu finden. Brennstäbe sind halt keine Plastiksackerln (für Piefkes: »-tüten«) oder Pfandflaschen (und selbst über die ökonomisch-ökologische Sinnhaftigkeit z.B. des Altglasrecyclings habe ich von einem Fachmann höchst süffisante Bemerkungen gehört).

    Die Kosten für „Endlager“ sind unfaßbar hoch und werden umso mehr steigen, je länger Atomkraft genutzt wird.

    Ob die Endlagerung nun wirklich »unfaßbar« viel kostet, ist u.a. eine politische Frage — nämlich die, was aufgearbeitet werden kann bzw. soll, und was gelagert. Darüber habe ich von verschiedenen Seiten ganz unterschiedliche Ansichten gehört. wenn man jetzt vom Extrembeispiel der 170.000/240.000 Jahre für Plutonium ausgeht, dann ist eine Verlängerung der Lagerungsdauer um 25 Jahre, diskontiert auf den Gegenwartswert vermutlich unter dem einstelligen Cent-Bereich angesiedelt. Sorry, das klingt jetzt kaltschnäuzig, aber es ist so: selbst bei einer Minimalverzinsung ist alles, was über hundert Jahre in der Zukunft liegt, bei kaufmännischer Abzinsung faktisch wertlos. Und bei 240.000 Jahren werfe ich nicht mal meinen hp-Finanztaschenrechner an … soviel Nachkommastellen hat der gar nicht.

    Mit einem Gutteil dieses Geldes könnte man weniger umweltschädliche Möglichkeiten zur Energiegewinnung fördern.

    Genau eben deshalb nicht. Denn was ich jetzt zahle, zahle ich zum Gegenwartswert und aus meinem laufenden Sozialprodukt. Ersparte Lagerungskosten des (beispielsweise) 91. Jahrhunderts werden es mir nicht finanzieren! Wir können also nur durch Subventionen andere Formen der Energiegewinnung fördern. Und genau das geschieht bereits. Und genau das hat bereits jetzt gewaltige Kosten für Hirnlosigkeiten wie Windräder und Solarzellen verursacht. Mehr dazu finden Sie bei Dr. Krause. Auch wenn Sie ihn offenbar weniger mögen als ich, rate ich Ihnen dennoch, seine äußerst fundierten und — in Gegensatz zu meiner Art, ich weiß 😦 — recht unpolemisch vorgetragenenen Artikel zu dem Thema zu lesen. Man verliert manche Illusion und gewinnt manche Erkenntnis dabei …

    Aber keine dieser Kraftwerkarten macht das Leben potentiell auf viele Jahrtausende unmöglich.

    Für die Opfer ist das Leben freilich nicht potentiell auf viele Jahrtausende unmöglich, sondern real und sofort. Und Wasserkraft, Kohle- und Ölförderung haben bis dato nachweislich weitaus mehr Todesopfer gefordert als die Kernkraft (inkl. Tschernobyl).

    All das, was Sie sagen, sind natürlich Argumente, die legitimerweise ins Treffen geführt werden können und sollen (sic!). Aber es muß einem immer bewußt bleiben, daß die Schlüsse, die daraus zu ziehen sind, weitaus komplexer sein können, als man beim ersten Hinsehen vermuten möchte.

    P.S.: eine kleine Nachbemerkung noch zu Ihrer Polemik im vorherigen Posting an meine Adresse: »Es könnte passieren, daß Sie das, was ich schreibe, tatsächlich verstehen«

    Nun, ich denke, ich verstehe durchaus, was Sie schreiben und auch, warum Sie es tun. Sie sollten mir nur zugestehen, daß es nicht mangelndes »Verstehen-können« ist, wenn ich zu anderen Schlüssen komme als Sie. Es ist oft einfach mein Hang, Dinge skeptisch zu hinterfragen (»Ich Zweifler aber ziehe es in Zweifel, / dafür komme ich aus Europa, / das zweifelsüchtiger ist als alle Eheweibchen.«), oft ist es aber auch einfach mein (berufsbedingter) Hang, Plausibilitäten schnell und halbwegs sicher abzutesten — um dann nur zu oft festzustellen: so sind die Dinge ja garnicht, wie man sie uns verklickern möchte! Aber ich konzediere natürlich, daß das einen anderen durchaus auf die sprichwörtliche Palme treiben kann. Und, soweit mich daran Schuld trifft, ersuche ich Sie, es mir nicht zu sehr nachzutragen …

  22. Claudia Sperlich schreibt:

    Komisch… zwei Zweifler und keine Einigkeit möglich.
    Denn im Zweifeln bin ich auch ganz gut. Nur zweifle ich an anderen Dingen als Sie.
    Lassen wir es damit gut sein?
    Ist zwîfel herzen nâchgebûr, daz muoz der sêle werden sûr.

  23. LePenseur schreibt:

    Noch ein Link als Nachtrag zur Endlagerungs-/Recycling-Frage. Nochmals: ich bin kein Kernphysiker — aber ich nehme prima facie nicht an, daß all diese Argumente nur aus dem kleinen Finger gesaugt sind …

  24. LePenseur schreibt:

    Sorry, unsere letzten Postings kreuzten einander: lassen wir’s gut sein!

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