Mittwoch der ersten Fastenwoche

Andreas Gryphius
An den Heiligen Geist

Wie Angst wird mir/ O grosser Freuden-Geist/
Ich kan mich in mir selbst nicht mehr vor Kummer finden/
Mir wil die bange Seel in tieffsten Weh verschwinden/
Doch weiß ich nicht was mich so hefftig reisst.

Ach! Ach! die Sünd/ die Sünd ists die mich beist/
O Heiliger Gott komm an/ und laß durch dein Entzünden
Mich innre Wärm und Krafft/ und neue Freud empfinden.
Und schencke mir was Jesus hoffen heist.

Ich irr in Unverstand/ ich kan mich nicht entschliessen/
Komm und beherrsch/ O Herr! mein Wissen und Gewissen/
Mir graut ob rauher Noth/ gib du mir Muth ins Hertz/

Laß mich der Erden Lust nur Traurens würdig schätzen/
Verfolgung/ Schmach/ und Creutz sey einig mein Ergetzen/
Den du mein Trost erquickst/ dem ist die Qual ein Schertz.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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2 Antworten zu Mittwoch der ersten Fastenwoche

  1. Bettina schreibt:

    Barock ist ja nicht so meins, weder in der Musik noch in der Literatur, aber der Herr Gryphius kann mich immer erreichen

  2. Claudia Sperlich schreibt:

    Der ist ja auch der beste.

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