Würden Sie das kaufen?

Der Wagen ist todschick, fährt sehr leise, verbraucht eine überschaubare Menge Benzin. Er ist das Neueste vom Neuen der Technik. Beim Crashtest schneidet er sehr gut ab. Er ist schnell und wendig. Der Preis ist unglaublich niedrig.
Eine Garantie gibt es zwar nicht, und Bremsen hat er auch nicht, der neue Wagen.
Aber was die Bremsen angeht, wird intensiv geforscht, und in ein paar Jahren rechnet man mit ganz neuartigen, hervorragenden Bremsen.

Was, Sie wollen den Wagen nicht? Aber er ist doch wirklich phantastisch. Und das mit den Bremsen kriegen wir auch noch hin.

Sofern nichts Schlimmes passiert und niemand Fehler macht, sind deutsche Atomkraftwerke sicher. Das Entsorgungsproblem wird übrigens intensiv erforscht, und irgendwann wird man wahrscheinlich nicht nur die drastische Verringerung der Halbwertszeiten überall sehr günstig haben können, sondern auch das Endlagerproblem lösen. Bis dahin wird schon nichts passieren.

Wie jetzt, sie wollen trotzdem keine Atomkraftwerke? Sie verstehen wohl nicht so viel von Physik, was?

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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8 Antworten zu Würden Sie das kaufen?

  1. Gudrun schreibt:

    Ich hatte neulich einen Bericht über einen deutschen Atomphysiker gesehen. Eigentlich war er mal ein Verfechter der Atomkraft, denn sie sollte unabhängig machen von fossilen Brennstoffen. Weil aber nie geklärt werden konnte, wie der anfallende Atommüll zu beseitigen ist, wandte er sich ab und zählt jetzt zu den Kernkraftgegnern. Er ist keiner von den notorischen „Nein-sagern“. Er weiß sehr genau, wovon er redet, und weshalb man „Nein“ sagen sollte.
    Du hast das gut formuliert, liebe Claudia. Danke.

    Herzliche Grüße aus dem Spinnstübchen

  2. Claudia Sperlich schreibt:

    Naturgemäß wissen Physiker von allen Bevölkerungsgruppen am genauesten und längsten Bescheid über die Gefahren der Kernkraft und auch über die der anderen Formen von Energiegewinnung. Sie können abwägen, und sie haben gelernt, Statistiken zu verstehen.
    Die Mutigen und Ehrlichen unter den Physikern haben sehr klare Worte gegen Kernkraft – aber Mut und Ehrlichkeit sind selten, nicht nur bei Physikern.

  3. Karl Eduard schreibt:

    Erinnert sich die Autorin noch an die stromlose Zeit? Was es da alles nicht gab? Elektrische Zahnarztbohrer zum Beispiel. Röntgen. Kardiogramme. Elektronische Verwaltung. Häuser wurden maximal 5 Stockwerke groß. Radio gab es gar nicht und Verständigung durch Telegrafie usw.. Nachrichten kamen per Semaphor oder per Reiter. Und Eis wurde im Winter abgebaut, in Eiskellern gelagert und im Sommer verkauft. Heute hängt unsere ganze Gesellschaft an der Elektrizität und bliebe sie plötzlich aus, wäre das ein SUPER – DUPER – GAU, denn nicht mal das Geld würde mehr aus dem Bankautomaten kommen. Dann könnte die Autorin herumreisen und Lesungen anbieten, zum Trost, denn die Leute hätten zwar nichts mehr zu essen aber genug Zeit zum hinhören.

    Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man über die Michel lachen. Windparks leisten nichts, jedenfalls nichts, wenn der Wind nicht weht, Kohlekraftwerke wollen sie nicht, Kernkraftwerke auch nicht, was sie aber wollen ist, den Strom aus Atom oder Kohle aus dem Ausland kaufen und dann soll er extra billig sein. Das Land der Dichter und Denker? Schon lange nicht mehr. Erstaunlich, daß wir es bis hierher geschafft haben und nicht ums Feuer der Höhle hocken geblieben sind, uns gegenseitig lausend.

  4. Claudia Sperlich schreibt:

    Ja klar – wer gegen Atomkraft ist, will die Steinzeit wiederhaben.
    Das Argument ist schon in meiner Grundschulzeit ein dummer Witz gewesen, aber mit Logik hatte es noch nie ernstlich zu tun.
    Sollte der Kommentator gelegentlich entweder etwas anderes wollen als nörgeln oder echte Argumente für irgendetwas haben, ist er herzlich willkommen.

  5. Sylvia schreibt:

    Liebe Caudia !

    Ich hab was für dich …

    http://www.eigentliches.com/2011/03/claudia-da-ist-ja-noch-jemand-in-deinem-garten/

    *Kaffee rüberschieb*

  6. Claudia Sperlich schreibt:

    Besten Dank, Sylvia!

  7. Aurélie Sterntau schreibt:

    Toller Artikel, sehr gut geschrieben!

    Ich frage mich, warum immer wirklich immer erst etwas passieren muss, bevor sich die Entscheider einen Kopf machen. Ich bin ja mehr so der Laie, obwohl ich durch die neuesten Entwicklungen schon enorm viel dazugelernt habe. Deshalb stellt sich mir noch brennender die Frage, wie all diese Befürworter nach Japan und vor allem Tschernobyl, dem weder Erdbeben noch Tsunami vorausgegangen sind, auch nur ansatzweise an Kernkraft festhalten können. Tagtäglich bekommen wir auf dem Silbertablett präsentiert, wie unbeherrschbar Kernkraft ist. Die Menschen in Japan haben mein volles Mitgefühl, es ist so furchtbar, sein Zuhause zu verlieren. Erst durch den Tsunami, dessen Folgen beseitigt und neu errichtet werden könnten, aber die Verstrahlung macht eine Rückkehr für viele auf Dauer unmöglich. Ist das nicht traurig und grausam?

  8. Claudia Sperlich schreibt:

    Es ist furchtbar – und fast noch furchtbarer durch die Unbelehrbarkeit vieler. Aber zum Glück gibt es mittlerweile auch in Japan Proteste gegen Tepco und Konsorten.

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