Ein gutes Leben

Vergangenen Dienstag haben wir meine Mutter begraben.
Nicht nur meinen Brüdern und mir, auch zahlreichen Freunden und Verwandten fehlt sie. Aber die Liebe und Dankbarkeit überwiegt die Trauer.
Auf dem Friedhof sang das Rotkehlchen, ihr Liebling unter den Singvögeln.

ὁ δ‘ ὄλβιος, ὅστις εὔφρων
ἁμέραν διαπλέκει
ἄκλαυτος·

Glücklich, wer wohlgemut
Den Tag zu Ende flicht
ohne Tränen.

Alkman

Ich hatte diese Verse auf die Todesanzeige geschrieben und arbeitete am Layout derselben, als mir sekundenlang durch den Kopf schoß: Ich muß Cornelia fragen, ob sie Alkman kennt.

Hinter dem Sarg gehend, dachte ich noch: Diesen oder jenen Grabstein hätte sie auch komisch gefunden. Und über die Schilder an der Friedhofskapelle hätte sie mit uns gelacht.

Hier noch ein Blick auf ihren geliebten Garten.


hortus conclusus

in einem Garten, umfriedet
von überschaubaren Ziegeln,
lagert sie ungezwungen
mit einem Buch, im Sessel,
lächelnd, und schaut zuweilen
über die Seiten ins Grüne.
Rotkehlchen und Akeleien
leisten ihr freundlich Gesellschaft,
ungestört blühend und singend.

© Claudia Sperlich

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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18 Antworten zu Ein gutes Leben

  1. derbaum schreibt:

    was soll ich sagen – mein beileid! und schön wie du die erinnerung beschreibst und zeigst….

  2. Liisa schreibt:

    oh (((Claudia))). Es tut mir leid, dass Du Deine Mutter verloren hast. Ich wünsche Dir, dass Dein Glaube Dir hilft, den Verlust zu verarbeiten und dass Du Trost findest. Wie schön, dass Du viele positive Erinnerungen an Deine Mutter hast und das als Trost empfindest. Mein Beileid!

  3. Violine schreibt:

    Mein Beileid, Claudia.

  4. Patricia schreibt:

    Ich denke an Dich.
    In diesem Garten und der Erinnerung daran wird sie wohl immer zu finden sein…

  5. Claudia Sperlich schreibt:

    Dank Euch allen für Eure lieben Worte.

  6. theomix schreibt:

    Liebe Claudia,
    mein herzliches Beileid! Dein Beitrag klingt leicht wie ein Frühjahrsspaziergang. Die paar Tage Abstand waren wohl dafür nötig.
    Wenn beide Eltern gestorben sind, dann – so ging es mir – umweht einen ein kalter Hauch: Nun sind wir die nächsten… Und zugleich, das passt zu heute, ist dieser Hauch das erste Wehen eines frischen Lüftchens von Ostern her…
    Ich wünsche dir Zeit für Trauer und Abschied, und ich weiß ja von dir, Hoffnung trägt dich schon jetzt,
    herzlich
    Jörg

  7. Claudia Sperlich schreibt:

    Lieber Theomix,
    Dank auch Dir für diese guten Worte. Die Osternacht mit ihrer teils feierlichen und teils geradezu ausgelassenen Fröhlichkeit (in meiner Gemeinde wird die Tradition des risus paschalis gepflegt) war für mich ein klares Zeichen, daß Tod und Trauer nicht das letzte Wort haben.

  8. Frau Momo schreibt:

    Auch von mir mein aufrichtiges Beileid. Schön, das Du nicht alleine bist. So lese ich es jedenfalls.
    Ihr Garten ist ein wunderschöner Platz. Bleibt er Dir erhalten?

  9. Claudia Sperlich schreibt:

    Der Garten gehört jetzt meinem Bruder, ich werde aber zumindest vorerst weiter für die Gartenpflege zuständig sein. Wie lange noch, kann ich nicht wissen.

  10. Hase schreibt:

    Liebe Claudia,
    auch ich möchte Dir mein Beileid aussprechen. Ja, ich weiß es , wie es ist, die eigene Mutter auf den Friedhof zu begleiten. Dankbare Erinnerungen begleiten mich täglich und vieles wird noch mehr geschätzt. Am Elterngrab zu stehen und auf die Namen zu blicken , den Vögeln zu lauschen und die Blumen blühen zu sehen, gibt mir Kraft und Hoffnung, immer wieder. Ich wünsche Dir dies auch von ganzem Herzen.
    liebe Grüße, Erika

  11. Claudia Sperlich schreibt:

    Dank für die guten Wünsche.

  12. Anna-Lena schreibt:

    Mein aufrichtiges Beileid, liebe Claudia.

    Stille Grüße
    Anna-Lena

  13. Claudia Sperlich schreibt:

    Dank auch Dir für die lieben Worte.
    Eben vom Gottesdienst kommend, habe ich seit Samstag Nacht so oft Halleluja gesungen, daß ich gar nicht anders kann als mich freuen – auch darüber, daß ich so eine wundervolle Mutter hatte.

  14. aebby schreibt:

    Liebe Claudia,

    ich habe es erst jetzt gelesen sonst hätte ich schon früher etwas geschrieben. Ich fühle mit Dir. Es ist schön zu lesen wie Du das Positive sehen kannst. Um ehrlich zu sein, ich musste trotz des traurigen Anlasses ein wenig schmunzeln, als ich las, dass Deine Mutter über die Schilder gelacht hätte, ich musste dann spontan an den Kommentar Deiner Mutter über die Skulpturen von Kolbe denken. In einem ganz naiven Sinne lebt sei in Erinnerungen weiter – auch das ist vielleicht ein Teil Ostern

    liebe Grüße Aebby

  15. Claudia Sperlich schreibt:

    Lieber Aebby, auch Dir Dank für diese Worte.
    Witz und Lebensfreude waren so sehr Teil meiner Mutter, daß die Erinnerung gar nicht bestehen kann, ohne auch dies zu denken.

  16. loreley schreibt:

    Mein Beileid. Schön, dass es ein gutes Leben war.

  17. Claudia Sperlich schreibt:

    Dank auch Dir, Loreley. Ja, ein gutes Leben war es – und die dankbare Erinnerung ist viel viel wichtiger als das Gefühl von Trauer und Verlust.

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