Sinnreicher Unsinn

Vor 140 Jahren wurde Christian Morgenstern geboren, der auf diesen Seiten gern zitierte Großmeister der deutschsprachigen Nonsense-Lyrik. Fröhlich und spielerisch ist sein Umgang mit der Sprache, dabei formal meisterlich, originell und hintersinnig.
Morgensterns eigener Denkmalswunsch wurde, soweit ich weiß, nie verwirklicht. Dabei ist er ökologisch wohl unbedenklich und mit weit weniger Kosten verbunden als ein Denkmal aus herkömmlichen Materialien. Vielleicht gelingt es mir eines Tages, zu einem würdigen Morgenstern-Denkmal beizutragen.

Denkmalswunsch

Setze mir ein Denkmal, cher,
ganz aus Zucker, tief im Meer.

Ein Süßwassersee, zwar kurz,
werd ich dann nach meinem Sturz;

doch so lang, daß Fische, hundert,
nehmen einen Schluck verwundert. –

Diese ißt in Hamburg und
Bremen dann des Menschen Mund. –

Wiederum in eure Kreise
komm ich so auf gute Weise,

während, werd ich Stein und Erz,
nur ein Vogel seinen Sterz

oder gar ein Mensch von Wert
seinen Witz auf mich entleert.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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5 Antworten zu Sinnreicher Unsinn

  1. piri schreibt:

    Morgenstern passt so gut zu meiner Stimmung. Meine ältere Freundin war ein regelrechter Morgenstern-Fan!

  2. Pingback: Heute « ich & du

  3. theomix schreibt:

    Danke für die Erinnerung! Ich hätte überhaupt nicht daran gedacht.

  4. learsander schreibt:

    Christian Morgenstern war mein allererster Gedichtband und ich liebe ihn nach wie vor!

  5. Sylvia schreibt:

    Eigentlich ein sehr attraktiver Mann.

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