Tag des Schlafes

Der Tag, da die Sonne die Vorherrschaft hat, ist kurioserweise zugleich der Tag des Schlafes. Schlaf ist zwar lebenswichtig, Schlafentzug kann zu dauernder Geisteszerrüttung führen – aber die Wissenschaft weiß trotzdem recht wenig über den Schlaf; die Initiatoren wollen das Bewußtsein dafür schärfen.
Die Dichter sind da ganz anders; Schlaf ist für sie ein fast so großes Thema wie Liebe.

Manfred Kyber
Der Schlaf

Der Schlaf ist heilig.
Wenn die Nacht sich neigt
herab mit ihren
sterngeschmückten Schwingen,
löst sich der Geist vom Leib und steigt
empor zur Heimat, die er nie erreicht,
wenn ihn des Körpers Fesseln zwingen.

Der Schlaf ist heilig.
Sein umflorter Schleier
hüllt das vergängliche in seine Nacht.
Das Geistige in dir erwacht
und rührt die sieben Saiten seiner Leier
allabendlich zur Auferstehungsfeier.

Der Schlaf ist heilig. Heilig halte ihn
als deines Seins verhangne Tempeltüre,
daß er dein ewiges “Ich bin”
allnächtlich zu des Daseins Sinn
aus deiner Tage wirrer Wildnis führe.

Er trägt dich fern von Lust und Qualen,
die du in seinem Schoß vergißt,
in blaue Flammenfernen des Astralen,
in dem sich tausend lichte Farben malen,
in dessen Formen, Wesenheit und Zahlen
dein eigentliches Leben ist.

Er lehrt dich sterben, auferstehen,
im Tag den Trug, im Schlaf das Wachen sehen.
Der Schlaf ist heilig. Bette sanft und sacht
die Seele ein in seinen Engelsarmen
und denke: neben ihm im Allerbarmen
hält Nacht für Nacht
der Tod, sein Bruder, treue Tempelwacht.

Allen Lesern wünsche ich ausreichenden, erholsamen, ruhigen Schlaf mit guten Träumen.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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5 Antworten zu Tag des Schlafes

  1. Dulzian schreibt:

    Herzlichen, innigen Dank für dieses wundervolle Gedicht.
    Viele lb. Grüße ! In Gedanken und Gebet verbunden.
    Dulzian.

  2. Hase schreibt:

    Danke für Deinen Artikel und das schöne Gedicht !

  3. Claudia Sperlich schreibt:

    Dulzian, willkommen auf diesem Blog!
    Dank für die guten Worte.

  4. Frau Momo schreibt:

    Ich weiß vom Schlaf, das ich im Moment einfach zu wenig davon kriege…..

  5. Claudia Sperlich schreibt:

    Ich gäbe Dir gern ein bißchen ab – ich könnte zur Zeit fast nur schlafen.

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