Ein Anwalt braucht Hilfe

Mohammad Ali Dadkah, der Sprecher für ein Kommittee zum Schutz der Menschenrechte im Iran, der neben vielen anderen politischen Verfolgten im Iran zuletzt Pastor Youcef Nadarkhani verteidigte, ist nun aufgrund seiner Arbeit selbst gefangen. Er wurde zu neun Jahren Haft und Peitschenhieben verurteilt und mit einem zehnjährigen Berufsverbot belegt, weil er sich für Gerechtigkeit einsetzt. (Man beachte, daß der Iran Folter als Strafmaßnahme legalisiert hat.) Seinen Angaben zufolge erhielt er acht Jahre Haft für die Planung einer friedlichen Revolution und ein Jahr für regimefeindliche Propaganda (Quelle).

Bericht der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte
Auszug:

Ganz gewiss können wir erwarten, dass jeder Anwalt, der zuviel sagt oder unerwünschte Klienten annimmt, am Morgen aufwachen und herausfinden wird, dass seine Lizenz eingezogen wurde. Intellektuelle werden für ihre Gedanken bestraft, und es wird ihnen nicht möglich sein, eine angemessene Strafverteidigung zu erhalten, da alle Anwälte, die mutig genug sind, ihre Fälle zu bearbeiten, die Lizenz verlieren werden.

Mohammed Ali Dadkah am 4. Juli 2009 in der reformorientierten Tageszeitung Etemaad

Eine englischsprachige Petition an die Menschenrechtsbeauftragten der UN kann hier unterzeichnet werden. Die Übersetzung der Petition lautet:

Wir, die Unterzeichner, fordern, daß die internationale Gemeinschaft allen in ihrer Macht stehenden Druck auf die Islamische Republik Iran ausübt, die neunjährige Freiheitsstrafe gegen den Menschenrechtsanwalt Mohammad Ali Dadkah zu annullieren und ihn von allen Vorwürfen freizusprechen.

Er wurde angeklagt und verurteilt einzig für die friedliche Verfolgung seiner Berufspflichten, und also sind sowohl die Vorwürfe als auch das Urteil nach internationalem Recht und nach Vereinbarungen über Menschenrechte, die der Iran unterzeichnet hat, illegal.
Die harten Gefängnisstrafen, denen Nassrin Sotoudeh und nun auch Mohammad Ali Dadkah unterworfen wurden, weisen auf einen höchst alarmierenden Trend im Iran, Menschenrechtsanwälte ins Visier zu nehmen mit dem Ziel, sie zum Schweigen zu bringen und die politisch Verfolgten eines wirkungsvollen Rechtsbeistandes zu berauben.
Die internationale Gemeinschaft kann – gerade in den mit Menschenrechten und Jurisprudenz betrauten Gremien – diese Farce nicht unbeantwortet lassen.

Ich werde auch über diesen Fall nach Kräften auf dem Laufenden halten.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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Eine Antwort zu Ein Anwalt braucht Hilfe

  1. rote Gräfin schreibt:

    Vielen Dank für die Information und Dein Engagement. Es tut gut zu wissen, dass auch Du Dich genau wie ich, für mehr Gerechtigkeit einsetzt.

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