Platanengold

Platanen werden zwar in ihrer mediterranen Heimat noch weit mächtiger als im kalten Deutschland. Aber auch hier sind sie eindrucksvoll, zumal wenn der Altweibersommer bis in den November anhält.




Paul Boldt
Novemberabend

Es weht. Das Abendgold ist eine Fahne,
Die von den Winden schon erbeutet wird.
Ein etwas Herbst in der Platane,
Ein gelles Chrom verweht, verwird.

In Wolken gleich verkohlten Stämmen
Riecht man die tote Sonne noch;
Dann das Einatmen, Drängen, Dämmen —
Einsamkeiten kommen hoch.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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9 Antworten zu Platanengold

  1. derbaum schreibt:

    platanen sind mächtige, stolze bäume! sie lassen sich nicht so schnell unterkriegen. in dresden stehen ein paar wunderbare exemplare die sogar die bomben 1945 mittendrin überlebt haben! ich mag sie sehr – vor allem wenn dann im frühjahr immer noch die „bommeln“ dran hängen 🙂

  2. Claudia Sperlich schreibt:

    Die Bommeln finde ich auch immer besonders gut. 🙂

  3. erinnye schreibt:

    Jetzt habe ich wieder etwas gelernt. Ich wusste nicht, dass sie hier eigentlich gar nicht heimisch sind. Wobei man es sich denken könnte, denn man sieht sie ja nur als Park- und Straßenbäume.
    Für mich haben Platanen immer etwas leicht Künstliches. Hingesetztes eben. Eine Linde oder Buche ist mir lieber. Das Gedicht finde ich sehr schön. Ich finde, das Platanige kommt da durch. Platanen sind eben meinem Gefühl nach keine anheimelnden Bäume.

  4. Claudia Sperlich schreibt:

    Ich liebe Platanen sehr, sie haben auch einen wunderbaren Schatten – eigentlich Halbschatten, unter einer Platane ist es nie zu dunkel. Aber das Wort „anheimelnd“ wäre auch mir bei einer Platane niemals eingefallen – seltsam.

  5. erinnye schreibt:

    Die Schattenqualität von Platanen ist mir noch nie aufgefallen. Muss ich mal drauf achten. Sie zeichnen sich eben durch einen sehr gerade Wuchs aus. Fast starr.

  6. Aurélie Sterntau schreibt:

    Ich habe zuerst „Planetengold“ gelesen….. 😳

    Platanen sind toll, leider hausen in meiner Lieblingsplatane alljährlich Krähen und veranstalten einen Mordsradau. Schrecklich.

  7. Claudia Sperlich schreibt:

    Das ist doch ein ganz entzückender Lesefehler!
    Mir passieren vergleichbare Lesefehler ständig. Bei Zeitungsaufstellern, Reklametafeln und dergleichen entstehen in meinem Kopf oft ganz poetische Überschriften, bis mir klar wird, was da eigentlich Langweiliges oder Entsetzliches steht.

  8. Wolfram schreibt:

    SO sehen die also aus, wenn man sie nicht zu Pinseln zurückschneidet, wie hier in Frankreich (leider nicht nur mit Platanen) üblich…

  9. Claudia Sperlich schreibt:

    Wolfram, das ist ja gemein. Dabei werden sie in Frankreich viel mächtiger als im kalten Deutschland.

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