Renatus Rapinus perfectus!

Schrecklich lange Zeit habe ich mich mit einer Übersetzung herumgeschlagen – und nun ist sie fertig!
Abbé René Rapin (latinisiert Renatus Rapinus) war ein glühender Verehrer Vergils – und ein Gartenliebhaber zur Blütezeit barocker Gartenkunst. Außerdem konnte er viel besser Latein als ich und dichtete gern. Rapin nahm sich die Georgica vor, Vergils Lehrgedicht über den Landbau, und schrieb in 3285 Hexametern ein Lehrgedicht über die Gartenkunst.
Darin beschreibt er nicht nur die Gartenkunst und -arbeit seiner Zeit, sondern erzählt auch immer wieder Sagen zu den einzelnen Themen. Viele dieser Sagen sind antik, einige aber sind seine eigene Erfindung – wenn er sie auch in ein antikes Gewand gekleidet hat. So beschreibt er die Entstehung der Gartenkunst:

Vormals standen fern der Kunst die Belange des Gartens:
Keine Zierlichkeit forderten sie und kein schmückendes Beiwerk.
Rosen hättest du oft zwischen Ackerkräutern gesehen,
Und die Wege waren nicht abschnittsweise geordnet
Auf dem Boden und abgetrennt durch den grünenden Buchsbaum.
Flora aber verlangte als erste die kunstvolle Pflege,
Als sie des efeutragenden Bacchus Gottheit gefeiert.
An diesem Festtag kamen zusammen benachbarten Landes
Götter, auf krummem Eselchen kam auch Silen mit den Satyrn,
Und den Geladenen schenkte selbst der Gott seinen Wein aus.
Da war auch Kybele, die weithin in phrygischen Städten
Ruhmreiche, und mit den andern Göttinnen Flora geladen.
Nachlässig war sie und hatte schmucklos ihr Haar gelassen,
Sei es aus Sprödigkeit, seis im Vertrauen auf ihre Schönheit.
Nicht verschonte die Jugend sie, allzu bereit zum Lachen,
Lachte die Lässige aus. Doch die berekynthische Mutter
Schmückte die abseits stehende Göttin (des Mädchens Bedrängnis
Hatte ihr Mitleid geweckt); sie brachte in rechte Ordnung
Ihr das Haar und bekränzte mit vielen Blumen und Buchsbaum
(Den nämlich trug überall das Feld) die Schläfen der Nymphe.
Ansehen gab ihr die Pflege, man merkte auf ihre Schönheit,
Und sie verdiente es; neuer Schmuck war zum Antlitz gegeben.
Seit nun die Pflege Flora geschmückt hat, wird jene Zierde
Kunstvoll mit Blumen erstrebt und mit Gärten; nicht jedoch kannten
Dies ausonische Gärtner, und auch nicht die Pelasger,
Die ihre Gärten ohne Regel mit Blumen bepflanzten,
Und den Beeten keine Gesetze zu geben wußten,
Nicht mit beschnittenem Buchsbaum zu sondern wußten die Wege.

© der Übersetzung: Claudia Sperlich

Eine zweisprachige Ausgabe mit dem Original und meiner Übersetzung wird 2012 als Jahresgabe der Pücklergesellschaft sowie bei der Bücherei des deutschen Gartenbaues erscheinen.

Ich hätte diese Mammutarbeit, die sich so oft verzögerte wegen privater kleiner und größerer Katastrophen, nie bewältigt ohne Hilfe und Zuspruch. Das heißt: Die metrische Fassung der Übersetzung ist ganz mein Werk. Jedoch haben bei der Rohübersetzung meine Mutter und ein lieber Freund geholfen, und immer wieder haben mir freudliche Menschen gesagt, daß ich das schaffen kann (woran ich zwischendurch schon mal sehr gezweifelt habe). Ihnen allen gilt mein Dank.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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9 Antworten zu Renatus Rapinus perfectus!

  1. Patricia schreibt:

    Sei stolz auf Dich! Ich gratuliere dir ganz herzlich. Nun gönn dir was Schönes, sowas muss belohnt werden!!! Ich freu mich mit dir.

  2. Claudia Sperlich schreibt:

    Ein edler Wein für heute Abend steht schon bereit.

  3. aebby schreibt:

    Glückwunsch zum großen Meilenstein 🙂

  4. Claudia Sperlich schreibt:

    Danke! Ich bin so richtig dauerhaft vergnügt, daß dies geschafft ist.

  5. Sylvia schreibt:

    Warum postet du das nicht auch im eigentliches.com blog ? 🙄

    4000 Verse sind nun übersetzt, stimmt’s ? Großartige Leistung.

    Gratuliere und was einkaufen geh‘ und dir was zuschick … 😉

  6. Claudia Sperlich schreibt:

    Liebe Sylvia, es sind „nur“ 3285 Hexameter. Und natürlich das Widmungsgedicht, und das Vorwort.
    Oh, ich freu mich auf Post von Dir. Und auf dem Eigentlichen schreib ich demnächst auch was zum Thema.

  7. Sylvia schreibt:

    Ich bin gespannt 😉

  8. Pingback: Barocke Gartenkunst in Hexametern

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