Filmkunst und geistige Freiheit

Vor 121 Jahren wurde Fritz Lang geboren. Seine Werke – erst Stumm-, später Tonfilme, beide Genres mit intelligenter Experimentierfreude gedreht – sind Kulturgeschichte geworden.
In der Nazizeit hätte er durchaus Chancen gehabt, in Deutschland weiterzuarbeiten; die Diktatur war ja an Filmen durchaus interessiert! Aber er weigerte sich, für dies Gesindel zu arbeiten, und emigrierte nach Amerika. Daß diese Emigration in weniger dramatischer Hast vor sich ging als er selbst es gerne behauptete, macht sie in meinen Augen nicht weniger redlich.

Ein großes Thema war für ihn immer wieder die finstere Beeinflussung von Menschen. Die undurchschaubare und diktatorische Organisation des Moloch Metropolis, der intelligente Schurke Mabuse, der die Fäden einer mafiosen Organisation in der Hand hält, und der wildgewordene Mob in M – Eine Stadt sucht einen Mörder sowie in seinem ersten im Exil gedrehten Film FuryBlinde Wut zeigen Langs hohe Kunst ebenso wie seine Moral. You Only Live Once (1937) erzählt die Geschichte eines entlassenen Ex-Kriminellen, dem jede Möglichkeit zu einem redlichen Neuanfang genommen wird und der gemeinsam mit seiner Frau hierdurch immer tiefer in Schuld gerät. (Die fett angezeigten Links führen direkt zu den Filmen.)
Das Testament des Dr. Mabuse wurde vom Reichspropagandaminister verboten, nach dessen Worten als mögliche Anleitung zum Verbrechen – in Wahrheit wohl eher, weil es verbrecherische Methoden beschrieb, die besagtem Minister durchaus geläufig waren.

Mich beeindruckt besonders die in Fury gezeigte Darstellung des Menschen, der vom Opfer um ein Haar zum Täter wird, und die sehr differenzierte Auseinandersetzung mit verschiedenen Vorstellungen von Gerechtigkeit. Immer wieder sehenswert!

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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2 Antworten zu Filmkunst und geistige Freiheit

  1. rosix1955 schreibt:

    Dein Film Metropolis von Fritz Lang kenne ich. Den habe ich mal im TV gesehen. Die anderen Filme kannte ich noch nicht, doch ich habe mir mal die Google Seite in die Favoritenliste gesetzt, um den Film mal in Ruhe anzuschauen. Er gibt neben der Geschichte von der Mördersuche auch ein recht authentisches Bild vom Leben der Menschen zu dieser Zeit wieder. Das finde ich sehr interessant. Ich habe nämlich schon mal reingeschaut. Doch so eine Mittagspause ist einfach zu kurz für den ganzen Film. Danke, dass Du mich und andere auf diesen großen Filmemacher wieder aufmerksam gemacht hast.
    Liebe Grüße Rosi

  2. Claudia Sperlich schreibt:

    Gern geschehen. Es lohnt wirklich sehr, sich Zeit zu nehmen für diese Kunstwerke.

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