Die sechste Tür

Nikolaos bittet

An dürren Halmen hingen leere Spelzen.
Die Speicher standen leer. Die Rinder starben.
Man band die karge Ernte nicht zu Garben,
Den Wintervorrat ließ der Herbst zerschmelzen.

Er sah auf Kinderwangen Hungerfarben,
Und sah die Schiffer das Getreide wälzen
Ins kaiserliche Schiff, nebst Gold und Pelzen.
„Laßt etwas hier, daß nicht die Kinder darben.“

„Es ist nicht unsers, ist des Kaisers Eigen.
Wenn wir nicht liefern, hat er kein Erbarmen.“
„Ein größrer Fürst wird einen Ausweg zeigen.“

Der Bischof bat, da halfen sie den Armen.
Ein zweites Wunder hat das Korn vermehrt.
Die Fracht gelangt zum Kaiser unversehrt.

© Claudia Sperlich

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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8 Antworten zu Die sechste Tür

  1. erinnye schreibt:

    Toll. Die erste Strophe hat einen richtigen Sog. Vielen Dank für dieses schöne Nikolaus-Gedicht.

  2. theomix schreibt:

    Ich bin hin und weg. Sehr schön!

  3. Hase schreibt:

    Sehr schön, vielen Dank Claudia !

  4. Hase schreibt:

    das ist ja sogar ein Sonett !

  5. Claudia Sperlich schreibt:

    Freut mich, daß es ankommt! Sonette schreibe ich je mehr, je lieber.

  6. Pingback: Nikolaus von Myra « Aus dem Hollerbusch

  7. bachmichels schreibt:

    Das ist von dir? Großartig!

Kommentare sind geschlossen.