Die fünfzehnte Tür

Gustav Schüler
Ans Werk

Ich will nicht länger träumen, ich will gehen,
Und klaglos meine armen Werke tun.
Der Morgen blüht, und seine Worte wehen:
Die Sonne kommt, nun sollst du nicht mehr ruhn.

Leg deine Hände, die der Gram verschlungen,
An dein Beginnen, ob es noch so klein.
Hast du dir nicht den höchsten Stern errungen,
So laß die Tiefe deine Höhe sein.

Sei stolz und fremd und schweig dem Schwarm der Toren.
Schließ zu den Schrein, wo deine Kronen sind.
Meinst du, dein großes Hoffen sei verloren,
Weil’s ohne Ernte, trübes Menschenkind?

Nein, laß sie schlafen, all die tausend Keime.
Der Atem Gottes hält sie in der Hut,
Der ungebornen Seelen leise Träume,
Drauf noch die Trübung erster Früchte ruht.

Es kommt dein Tag, der wird dich siegen sehen.
Die Ernte schimmert, die du heiß geträumt.
Dann wirst du groß durch deine Felder gehen,
Die dein sind, dein! Ist denn ein Korn versäumt?

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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2 Antworten zu Die fünfzehnte Tür

  1. Agnes schreibt:

    Du hast einen sehr schönen Blog!
    Wie bist Du eigentlich zu mir gekommen?
    Denn ohne Deinen Besuch bei mir, wäre ich jetzt nicht hier.
    LG
    Agnes

  2. Claudia Sperlich schreibt:

    Agnes, ich lese viel bei Petra, wo Du ja auch kommentierst.
    Freut mich, daß es Dir hier gefällt!

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