Zwei Taschen voll Musik

Meine Mutter hatte verfügt, ihre Blockflöten sollten an eine Musikstiftung gehen. Nun ist es gar nicht so einfach, in Berlin eine Stiftung zu finden, die an Instrumentenspenden interessiert ist, und hat man sie endlich gefunden, gemailt und telephoniert, kann es immer noch geschehen, daß überhaupt kein Interesse besteht. Endlich hatte ich mich aufgerafft und eine Musikschule angerufen, und dort war ich richtig. Heute habe ich fünf Flöten, einen Notenständer und einen Stapel Noten dort hingeschleppt, und der nette Herr, der sie angenommen hat, war wirklich glücklich.
Besonders freut mich, daß er sofort an die Kinder von Hartz-IV-Empfängern dachte, die auch Musikunterricht brauchen, oft nur Plastikflöten haben und kein Geld für Noten; die Noten möchte er an solche Schüler verschenken.

Das ist ganz im Sinne meiner Mutter, und ich bin froh, daß die schönen Instrumente nun bald wieder gespielt werden. Und in meinem Schrank ist auch wieder etwas Platz.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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8 Antworten zu Zwei Taschen voll Musik

  1. erinnye schreibt:

    Eine schöner Gedanke, dass die Instrumente jetzt wieder Töne und vielleicht sogar Musik hervorbringen.

  2. Claudia Sperlich schreibt:

    Bei der größten Flöte bin ich mir ganz sicher, daß sie Musik vorbringen wird – da es eine Tenorflöte ist und lustlose Anfänger so was nicht in die Hand bekommen.
    Und bei allen anderen denke ich, auch Leute, die nur eine Weile spielen und nur ganz einfache Lieder, tun damit für sich etwas Sinnvolles.

  3. bigi schreibt:

    Eine tolle Idee und schön, dass es doch noch geklappt hat. Manchmal ist der Weg Gutes zu tun schon sehr steinig. Aber so wie es sich hier liest, blieb wenigstens die Bürokratie dabei auf der Strecke.
    Liebe Grüße nach Berlin
    bigi

  4. Frau Momo schreibt:

    Wir hatten hier auch mal so unsere liebe Not, als wir Möbel, Hausrat und anderes spenden wollten. Manchmal ist es gar nicht so einfach, wenn man Gutes tun will.

  5. haushundhirschblog schreibt:

    Eine wunderbare Idee, und es ist ein Glück, dass Du einen langen Atem hattest. Dass einiges von Deinen Spenden auch an die Kinder von Hartz-IV-Empfängern geht, freut uns vor allem. Da stimmt ja dieser Satz auch wieder, den man immer liest, wenn es um die Musik geht: Musik verbindet! 😉

  6. Claudia Sperlich schreibt:

    Mir ist es auch ein guter Gedanke, daß die Freundlichkeit meiner Mutter über ihren Tod hinaus Kreise zieht.

  7. Aurélie Sterntau schreibt:

    Bravo, Claudia! Das finde ich grandios. Deine Mutter kann stolz auf dich sein 🙂

  8. Aurélie Sterntau schreibt:

    Ach ja, Frau Momo, hier bei uns wird man gebrauchte Möbel usw. prima in einem sozialen Möbelmarkt los. Die holen gut erhaltene Dinge, auch Kühlschränke u.ä. sogar von Zuhause ab, man muss sich um nix kümmern.

    Gebrauchte Bücher, Spielzeug, Kleidung bringe ich immer zu einer ebenso sozialen Kleiderkammer, die, anders als die Kleidercontainer, die Sachen an wirklich arme Leute für einen Mini-Betrag verkauft. Dort habe ich bereits Unmengen an o.g. Sachen von meinem Kind hingegeben, die er nicht mehr brauchte oder aus denen er rausgewachsen ist. Die nahmen auch den Buggy vor Jahren, einen Fahrradhelm, als der Kopf wuchs und die Zuckertüte, die nach einmaliger Benutzung wie neu war.

    Ich war sehr glücklich, als ich einmal einen Jungen mit einer abgelegten Jacke meines Sohnes auf der Straße sah…

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