Dienstag der ersten Fastenwoche

Mein Fasten

Mein Fasten wird die Hungersnot nicht lindern,
wird keine Wüste feucht und fruchtbar machen,
und sollte betend ich die Nacht durchwachen,
wird das die Bitterkeit der Welt nicht mindern.

Mein Fasten bringt nicht Trauernde zum Lachen,
läßt keinen Forscher Heilungswege finden,
wird keines Kriegsgewinnlers Hände binden
und im Verzagten keinen Mut entfachen.

Nur etwas klarer wird das eigne Denken,
nur etwas freier wird die eigne Seele,
der eigne Leib wird weniger belastet.

Und wenn ich dann nicht Mut und Lust verfehle,
Gedanken, Kraft und Liebe zu verschenken,
hab ich nicht nur aus Eigennutz gefastet.

© Claudia Sperlich

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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11 Antworten zu Dienstag der ersten Fastenwoche

  1. Frau Momo schreibt:

    Aber gerade klares Denken ist angesichts dessen, was so los ist in der Welt, so wichtig. Insofern hilft es vielleicht ja doch zu fasten. Uns geht es jedenfalls ausgesprochen gut damit und wenn es für die eigene Befindlichkeit taugt, dann ist es ja auch nicht ganz verkehrt.

  2. piri ulbrich schreibt:

    Hast du nicht heute Geburtstag? Ich hoffe, ich liege nicht völlig falsch. Ich gratuliere dir sehr herzlich!

    …und wenn ich mich getäuscht habe, so nimm es als ganz lieben Gruß.
    Petra

  3. Hase schreibt:

    Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, liebe Claudia
    alles Liebe und Gute ♥

  4. Claudia Sperlich schreibt:

    Frau Momo: Eben darum geht es mir – Klarheit ist ja immer nötig. Nur sollte man eben Fasten nicht als Wundermittel für oder gegen irgendetwas ansehen.
    Piri, Hase: Dank für die guten Wünsche!

  5. haushundhirschblog schreibt:

    Mir hat einmal die Frau eines Pfarrers, auf die Frage, ob sie zur Passionszeit fasten würde, gesagt: „Nein, das mache ich nicht. Ich verzichte das ganze Jahr auf so vieles.“.
    Das fand ich allerdings erfrischend.
    Herzlichen Glückwunsch auch von uns, liebe Claudia!

  6. Claudia Sperlich schreibt:

    Das ist eine von den Aussagen, über die ich spontan lache, aber beim genaueren Nachdenken ist es doch ziemlich gruselig. Es gibt so eine besondere Art der professionellen Leidensmiene, die finde ich schlimmer als offene Wehleidigkeit.
    Dank für gute Wünsche!

  7. Wolfram schreibt:

    Die Reformation hat bewußt das Fastengebot aufgehoben. Zwar gibt es seit einigen Jahren die Aktion der EKD-Kirchen „Sieben Wochen ohne“, aber ein Fastengebot gibt es nicht. Wohl die Bußzeit violetter Farbe mit den entsprechenden Texten (das Weinberglied Jesaja 5 für nächsten Sonntag) – aber kein Fastengebot. Kollektivfasten hat im Evangelium auch nicht unbedingt einen guten Stand; da heißt es, wer fasten wolle, könne das gern tun, aber bitte nicht zu dem Zweck, sich vor den anderen als besonders fromm darzustellen. Und an anderer Stelle, fasten könne man noch lang genug, wenn Jesus nicht mehr da wäre; solange man aber mit ihm zusammen sei, solle man sich doch daran freuen.
    Den Spruch der Pfarrersfrau finde ich grenzwertig. Er trifft neben das Ziel, was die evangelische Sicht zum Fasten angeht (wobei das katholische Fasten ja nichts mit dem zu tun hat, was Juden als Fasten leben, oder auch mit dem Fasten der Moslems im Ramadan. Es geht darum, bestimmte Lebensmittel zu meiden, vor allem Fleisch und Ei, die im Mittelalter als Genußmittel galten.), aber es mag sich darin ein echtes Leid ausdrücken. Ich habe mal formuliert, der Pfarrer habe das Amt, und die Familie bringe das Opfer; so sieht es leider oft aus, weil der Pfarrer ständig mit seiner Familie auf dem Präsentierteller lebt, weil er keine festen Arbeitszeiten hat und deshalb auch keine festen Freizeiten, weil er dann arbeiten geht, wenn andere frei haben… es muß also keine „professionelle Leidensmiene“ sein, sondern vielleicht tatsächlich der Ausdruck eines Leidens an einem Amt, das sie nicht gewählt hat.

  8. Claudia Sperlich schreibt:

    Das ist sicher auch wahr – allerdings gibt es wohl viele Berufe, in denen es so aussieht. Mein Vater war als Museumsdirektor auch oft zu ziemlich ungewöhnlichen Zeiten bei der Arbeit.

  9. haushundhirschblog schreibt:

    „… weil der Pfarrer ständig mit seiner Familie auf dem Präsentierteller lebt, weil er keine festen Arbeitszeiten hat und deshalb auch keine festen Freizeiten, weil er dann arbeiten geht, wenn andere frei haben… es muß also keine “professionelle Leidensmiene” sein, sondern vielleicht tatsächlich der Ausdruck eines Leidens an einem Amt, das sie nicht gewählt hat.“ So hatte ich es auch verstanden!

  10. Wolfram schreibt:

    Ich mag mich täuschen, aber ich glaube nicht, daß so viele Leute meinen, der Familie eines Museumsdirektors sagen zu dürfen wie sie sich zu verhalten habe, nur weil der Mann und Vater Museumsdirektor ist.
    Ich erinnere mich, wie in der Gemeinde, wo ich früher Organist war, die halbe Gemeinde sonntagmorgens durch den Pfarrgarten gepilgert ist, um zu sehen, wie der neue Pfarrer jetzt den Garten angelegt hätte, wo der Vorgänger seine Gänse hielt. Daß sie nicht seine Bettwäsche begutachteten, war alles.
    Mir wollte jemand mal sagen, ich sollte doch nicht die Gemeinderäume heizen, sondern Kinderstunde in meinem Wohnzimmer abhalten.
    Und eine Ex-Pfarrfrau sagte im Radio vor Jahren ziemlich treffend: „Sie haben vielleicht eine Schwiegermutter. Ich hatte hunderte.“

  11. Claudia Sperlich schreibt:

    Das ist sicher wahr. Ungebetene Ratschläge und Einmischungen aller möglichen Leute kenne ich zwar auch aus meinem Elternhaus – aber bestimmt nicht mal annähernd in dem Ausmaß.

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