Harte Worte

… habe ich für Nazis gefunden, nachdem ein besonders widerwärtiges Nerv-Exemplar dieser Sorte in mehreren Spamordnern ausdrücklichen Jubel über den Mord an Kindern geäußert hatte, und auch, weil ich der Ansicht war, der Täter sei ein Neonazi. Mittlerweile weiß man, daß er Moslem ist – die Geschichte zeigt allerdings, daß das eine das andere nicht notwendig ausschließt. Antisemit der wildesten Art ist er jedenfalls.

Allen Nazis wünsche ich einen raschen Tod.

So steht es da und wurde prompt von einem Blogger, der hier schon seit längerer Zeit aufgrund meiner Blogregeln nicht mehr kommentieren darf, verwurstet zu einem putzigen Geschichtlein und einem weiteren Titel, die beide mit mir nichts zu tun haben (wie jeder, der meinen Artikel ganz liest, erkennen kann).

In der Tat glaube ich, die Welt wäre ohne Nazis und andere wildgewordene Antisemiten besser dran. Auch glaubte ich, den Unterschied zwischen „ich wünsche“ und „ich weiß, daß es notwendig ist, dies gesetzlich zu verankern“ nicht erklären zu müssen. Das war eine Fehleinschätzung.

Um weiteren Mißverständnissen vorzubeugen, hole ich meinen Kommentar zu dem betreffenden Artikel herauf.

Ich habe oben geschrieben, daß ich Nazis den Tod wünsche. Das ist in der Tat wahr, und ob dieser Wunsch nun moralisch richtig ist oder nicht, ändert nicht, daß ich ihn habe.
Allerdings ist mir sehr klar, daß Todesstrafe keine Lösung ist und nicht sein kann. Mal angenommen, ein durch und durch boshafter, kaltherziger und grausamer Mensch wird getötet – ich hoffe, ich würde nicht laut jubeln, nicht einmal dann, wenn ich im Stillen erleichtert wäre.
Aber viel mehr als Rachegedanken bewegt mich der Gedanke an die armen Menschen, die unter diesem Massaker leiden. Man stelle sich vor, man bringt an einem normalen Tag sein Kind zur Schule und muß dann mit ansehen, wie Kinder erschossen werden!

Ich halte es nicht für völlig ausgeschlossen, daß Karl Eduard solche Feinheiten versteht. Es könnte sogar geschehen, daß er seine eigenen Äußerungen eine halbe Minute oder länger in Frage stellt. Aber ich kann mich auch hier irren.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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23 Antworten zu Harte Worte

  1. Frau Momo schreibt:

    Es wäre alles so einfach, wenn man sich mal die Mühe machen würde, richtig zu lesen, Kontexte zu begreifen und nicht einfach wahllos zu zitieren und dann falsche Schlüsse zu ziehen. Das allerdings erfordert, sich auseinanderzusetzen, über den Tellerrand zu gucken und wahrzunehmen, statt einfach draufloszuschreiben.
    Ich hätte Dich auch richtig verstanden, wenn ich nicht schon dankenswerterweise bei Dir zu Gast hätte sein dürfen. Die Dinge erklären sich einfach auch, wenn man hier liest.

  2. Claudia Sperlich schreibt:

    Danke, Frau Momo!
    Ich gestehe, ich war ein wenig unsicher, ob ich mich nicht doch zu unklar ausgedrückt hätte. Da freut mich dieser Kommentar besonders.

  3. Karl Eduard schreibt:

    Ja, ja. So etwas kann mal passieren. So etwas und auch das Verwursten. Es sind ja zum Glück die Zeiten vorüber, wo Wünschen noch geholfen hat. Sollte die Hausherrin Unannehmlichkeiten gehabt haben, was nicht beabsichtigt war, tut es dem Kommentator leid. Er schätzt die Geschichtchen der Hausherrin und will ihr gewiß nichts Böses. Nur, den Grad zwischen Nazi und Nichtnazi, den legen andere Leute fest. Letztens zitterte sie noch mit einem Iran zum Tode verurteilten Christen und im nächsten Moment da schleudert sie Bannflüche? Das hat ihn schon sehr verwundert. Also, nichts für ungut.

  4. Claudia Sperlich schreibt:

    Akzeptiert.
    Ich zittere auch weiterhin um Nadarkhani – und ich zittere weit weniger um einen zur Stunde in einer leerstehenden Wohnung verschanzten Terroristen, auch wenn der strenggenommen ebenso Mensch ist wie ein friedfertiger Pastor.
    Nur ist mir in dem einen Fall Nadarkhani wichtig und im anderen die Hinterbliebenen der Opfer eines Mörders und auch die Übrlebenden. Mir ist sogar das kaputtgeschossene Knie des französischen Polizisten wichtiger als der ganze Terrorist samt Geist und Seele, der das angerichtet hat.

  5. erinnye schreibt:

    Nachdem ich ja auch solche widerwärtigen Attacken auf meinem Blog hatte, und zwei davon wegen nicht eingebauter Spamschutzwörter auch noch nachts öffentlich wurden, die dritte Spamwelle, u. a. bestehend aus einem serientäterhaft pathologischen Gedicht, kann ich ein wenig krassere Reaktionen schon nachvollziehen.
    Ich bin nicht sicher, wofür das verlinkte Blog steht, möglicherweise Islamhass?
    Ich glaube einfach, dass Hass, egal in welche Richtung, wenig effektiv ist und dass es Vorkommnisse gibt, die sich schlecht für Satire eignen, wenn aber doch Satire, dann wenigstens gute!

  6. Claudia Sperlich schreibt:

    Du kannst das Problem ziemlich sicher lösen, indem Du Erstkommentierer nicht automatisch freischalten läßt. Dann bleibt der Betreffende für immer „nicht zugelassener Erstkommentierer“.
    Ich habe das so geregelt und zusätzlich – für den Fall, daß er über einen fremden Namen diese Sperre überwindet – einen Spamfilter mit einer ganzen Latte von Reizworten aus seinem Vokabular. Da können dann zwar gelegentlich auch die Guten landen (wie Du mit Deinem letzten Kommentar), aber die hole ich wieder heraus.
    Dem zweiten Absatz Deines Kommentars stimme ich vollkommen zu.

  7. Lies von Lott schreibt:

    Mein alter Deutschlehrer schlug just vor, dass man die Rechts- und Linksradikalen einfach mal alle nach Helgoland schickt und die Helgoländer in einen Südseeurlaub und sich das Problem dann binnen kürzester Zeit von selbst erledige. Ich finde das ist mal ein kreativer Vorschlag.

  8. Claudia Sperlich schreibt:

    Dein alter Deutschlehrer war für Lynchjustiz.

  9. stefanolix schreibt:

    Selbstverständlich muss eine solche Lösung in einem Rechtsstaat tabu sein. Aber: Die beiden oben genannten Gruppen betreiben heute Selbstjustiz in Wohngebieten unserer Städte. Und ich würde mir sehr wünschen, dass der Rechtsstaat beim Unterbinden solcher Zustände erfolgreicher wäre und entschiedener vorginge …

  10. Wolfram schreibt:

    Nein, ich wünsche keinem Menschen den Tod. Auch nicht denen, die mich tödlich verletzt haben. Und ich bin traurig, daß ein Land, das sich die Menschenrechte auf die Fahnen schreibt, eine Gesellschaft, die offen sein will, es nicht geschafft hat, einem Jungen, der seinen Vater nicht kannte, wenigstens ein wenig Halt zu geben. Daß er sich besser aufgehoben fühlte bei Kämpfern im afghanischen Grenzgebiet als in seiner eigenen Heimatstadt, wo er aufgewachsen war. Daß er den Kontakt zu seiner Mutter abgebrochen hat. Daß er meinte, das einzige, was er Nützliches (sic) tun könne, wäre morden und sich schließlich selbst zu Tode bringen. Dabei bedaure ich es auch, daß er zu feige war, zu seinen Taten zu stehen, Verantwortung zu tragen.

    Ich glaube, wir müssen viel tun, an uns selbst arbeiten, daß wir alle Menschen als Menschen sehen. Nicht mehr und nicht weniger meint meinem Verständnis Jesus mit „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Und wir haben noch viel zu lernen von dem, der über die, die ihn ans Kreuz schlugen, betete: „Vater, vergib ihnen“, und zum Verbrecher neben sich sagte, „heute wirst du mit mir im Paradiese sein“.
    Und zu Petrus, der des Hohenpriesters Knecht ein Ohr abhieb: „Stecke dein Schwert in die Scheide; wer zum Schwert greift, wird durchs Schwert umkommen.“

  11. Claudia Sperlich schreibt:

    Stefanolix: Das ist wirklich wichtig. Da tut Aufklärung und Bildung not, und zugleich auch kompetente Strafverfolgung. Leider werden für beides immer wieder Mittel gekürzt und Stellen gestrichen.

  12. Claudia Sperlich schreibt:

    Wolfram, ja – ich stimme Dir von Herzen zu. Nur kann ich so nicht sein.
    Ich bin auf den vulgären Hetzer, der hier über diese Bluttat gejubelt hat, zu wütend, um ihm noch irgendetwas vergeben zu können.
    Was den Täter angeht, so finde ich zur Zeit keine Möglichkeit zum Mitleid, zumindest keine, die über ein vages Gefühl des Bedauerns über so viel vertane Energie hinausgeht.
    Und schließlich: Vergebung muß schon auch erbeten werden. Weder der Mörder noch der Spammer haben das getan.

    • Wolfram schreibt:

      Könnte ich vergeben? Ich weiß es nicht, aber der Mörder hat nicht gegen mich persönlich gesündigt… und ich las erst gestern in der Bibelstunde Lk.17,1-4. Wer daran schuld ist, daß ein anderer fällt, dem wäre es besser, er hätte einen Mühlstein um den Hals und wäre im Meer versenkt…
      Nein, Mitleid mit ihm persönlich habe ich nicht. Mitleid auch nicht mit dem verblendeten Spammer. Aber ich habe im Ohr, was eben der Sekretär der hiesigen jüdischen Gemeinde sagte: „mit seinem Freitod hat er uns jede Möglichkeit genommen, eines Tages wirklich zu verstehen, was ihn bewegte.“ Und damit bleiben diese Tode in gewisser Weise sinnlos.
      Und ich sehe, was Jesus von uns erwartet…

  13. stefanolix schreibt:

    Vergeben können doch nur diejenigen, denen durch die Verbrechen dieses Täters unmittelbar oder mittelbar Schaden zugefügt wurde. Alle anderen können (aus meiner Sicht) dem Täter nicht vergeben, sondern allenfalls darüber philosophieren. Insofern ist das vielleicht der falsche Ort und die falsche Zeit, um über Vergebung für diesen Täter nachzudenken.

    Ich gebe jetzt einmal sinngemäß wieder, was Wolfram zitiert, weil ich es — in diesen Zusammenhang — gestellt ungeheuerlich finde: Für die Menschen, die den Täter womöglich soweit gebracht haben, wäre es besser, mit einem Mühlstein am Hals im Meer zu versinken.

    Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich das Zitat in diesem Zusammenhang zynisch finde. Wie soll denn der Mühlstein an den Hals derjenigen kommen, die den jungen Mann vermutlich radikalisiert haben? Wer sind wir, dass wir urteilen dürfen, was für sie besser wäre?

    Wir sind ja alle gegen die Todesstrafe. Also darf niemand aktiv einen Mühlstein nehmen, ihn um den Hals des Ausbilders im Terroristen-Lager legen und ihn samt Stein ins Wasser stoßen.

    Sollen die Mitschuldigen sich den Mühlstein also selbst um den Hals legen? Aber dann hätten sie uns ja (anderes Zitat) »jede Möglichkeit genommen, eines Tages wirklich zu verstehen, was sie bewegte«.

    Ich fürchte, Wolframs Ausführungen sind sehr weit weg von der Realität des Terrorismus. Denn in dem Kontext seines Bibelzitats geht es um etwas völlig anderes. Am Ende des vorhergehenden Kapitels (Lukas 16) steht:

    (Luther 1912): Er sprach zu ihm: Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie auch nicht glauben, wenn jemand von den Toten aufstünde.

    (Elberfelder): Er sprach aber zu ihm: Wenn sie Moses und die Propheten nicht hören, so werden sie auch nicht überzeugt werden, wenn jemand aus den Toten aufersteht.

    Es geht also um die Überzeugung zum Glauben. Und nun der Beginn von Lukas 17:

    Er sprach aber zu seinen Jüngern: Es ist unmöglich, daß nicht Ärgernisse kommen; weh aber dem, durch welchen sie kommen! Es wäre ihm besser, daß man einen Mühlstein an seinen Hals hängte und würfe ihm ins Meer, denn daß er dieser Kleinen einen ärgert.

    Es geht in diesem Zusammenhang ganz eindeutig um ein Gleichnis, das nicht 1:1 auf beliebige andere Fälle anzuwenden ist. Jesus meint: Wer den Glauben der Gemeinschaft und insbesondere den Glauben der einfachen Gläubigen durch Ärgernisse stört, der sei ausgestoßen und gleichsam ins Meer des ewigen Schweigens geworfen.

    Es gibt andere Zitate, in denen Jesus den Glauben mit solch drastischen Worten verteidigt, ich will sie jetzt nicht alle heraussuchen. Immer geht es darum, dass der Glaube an erster Stelle stehen soll. Aber diese Glaubensgleichnisse taugen nicht für Anwendungsfälle des täglichen Lebens und speziell nicht für die Diskussion über Serienmorde.

  14. Claudia Sperlich schreibt:

    Dank für diese Ausführung, Stefanolix!
    Ich glaube vor allem, Vergebung der Bluttat kann hier gar nicht meine Sache sein – denn nicht mein Kind, nicht mein Mann wurde massakriert.
    Und Vergebung der Spamattacken, so läppisch sie neben einem Kapitalverbrechen sind – bringe ich auch nicht fertig, wenn ich nicht ehrlich, aufrichtig, handschriftlich und mit Klarnamen darum gebeten werde. Dann vielleicht.

  15. stefanolix schreibt:

    Vielleicht war ich gerade so offen für das Thema, weil ich in diesen Tagen dieses kleine Büchlein von Martin Walser gelesen habe. Kennst Du es schon? Ich habe mich dann sogar an das dort oft zitierte Buch von Karl Barth über den Römerbrief gewagt (allerdings vor allem, um den Zusammenhang zu ergründen, aus dem die Zitate stammen). Karl Barth hat in manchen Passagen einen wunderbar präzisen Stil, aber er verlangt dem Leser auch alles ab.

    Was ich über das Gleichnis mit dem Mühlstein geschrieben habe, ist natürlich meine ganz private Meinung. Aber um ehrlich zu sein: ich kann es in dem Zusammenhang nicht anders sehen.

  16. stefanolix schreibt:

    PS: Woher kommt eigentlich die doppelte Verneinung in »Es ist unmöglich, daß nicht Ärgernisse kommen«? Warum nicht:

    Es ist gewiss: Es werden Ärgernisse über Euch kommen; wehe aber dem, durch welchen sie kommen! Es wäre ihm besser, daß man einen Mühlstein an seinen Hals hängte und würfe ihm ins Meer, denn daß er dieser Kleinen einen ärgert.

    Wenn ich von den »Kleinen« lese, denke ich unwillkürlich auch an die Kinder, deren Seele gepeinigt wurde, als sie unter dem Dach der Kirchen missbraucht wurden. Hätte da die Peitsche gereicht, um die Täter aus der Kirche zu vertreiben, so wie die Händler und Wechsler aus dem Tempel?

    Heute denke ich besser nicht mehr darüber nach, morgen früh um fünf Uhr ist die Nacht zu Ende …

  17. Claudia Sperlich schreibt:

    Das sind zwei interessante Buchtipps, vielen Dank! Mich interessiert dabei Karl Barth noch mehr.
    Zu der doppelten Verneinung: Im Griechischen ist das eine gut formulierte Stelle, in der wörtlichen Übersetzung klingt es hölzern, und in der Tat klingt die Formulierung „Es ist gewiss…“ besser, ohne den Sinn zu verändern.

  18. stefanolix schreibt:

    Das Buch von Karl Barth habe ich via ZVAB bestellt und schon bei der Bestellung den Hinweis bekommen, dass es neu sei. Es war dann auch noch eingeschweißt. Es ist allerdings ein Reprint, bei dem die Schrift nicht besonders gut ist. Der Nachdruck ist nicht mehr in Fraktur (wie die Nachdrucke bis Anfang der 1980er Jahre), sondern in Antiqua, aber das Druckbild macht den Eindruck, als sei die Schrift willkürlich verkleinert worden.

  19. stefanolix schreibt:

    PS: Es kostete 18 Euro.

  20. stefanolix schreibt:

    Die Diskussion ist zwar schon eine Woche her — aber soll ich Dir das Buch von Martin Walser mal ausleihen? Per Fernleihe sozusagen? 😉

  21. Claudia Sperlich schreibt:

    Das wäre nett, gerne!

  22. stefanolix schreibt:

    Dann schreib mir mal eine E-Mail mit Deiner Adresse. Anfang der kommenden Woche muss ich wieder ein Manuskript zur Post bringen, da würde es passen …

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