Warum ich keine Organe spende

Es gilt weithin als wichtig und menschenfreundlich, Organe zu spenden, und als unverständlich und egoistisch, es nicht zu tun. Im Zuge der Debatte zum Organspendegesetz wurde zwar sehr deutlich gesagt, daß man frei entscheiden kann, nicht entscheiden muß und die Entscheidung jederzeit revidieren kann. Das ist gut, aber dennoch bleibt ein Grundtenor, der mir Unbehagen bereitet:

Wer keine Organe spenden will, muß sich rechtfertigen. (Zwar nicht vor dem Gesetz – aber vor den meisten Menschen, wenn die Rede darauf kommt.) Meiner Erfahrung nach wird gern unterstellt, Menschen, die selbst keine Organe spenden wollen, wären am ehesten geneigt, selbst Organspenden anzunehmen. Für diese Unterstellung gibt es keine logische oder empirische Basis. Zudem wird Menschen, die nicht spenden wollen, nachgesagt, eine aus mangelnder Information geborene Angst halte sie vom Spenden ab.

Wenn ein Mensch einem Unfall oder einem Verbrechen zum Opfer fällt und sofort tot ist, können seine Organe nicht verwendet werden. Stirbt er aber im Krankenhaus, kann man die Organe verwenden, sofern man sie unmittelbar nach dem Tod entnimmt.

Wer die Nachricht bekommt, daß ein Freund oder Angehöriger mit einer tödlichen Verletzung ins Krankenhaus eingeliefert wurde, hat vielleicht noch die Möglichkeit, hinzufahren und den Sterbenden im Arm zu halten – wenn der kein Organspender ist.
Ist der Sterbende Organspender, so wird er vor seinem Tod in den Vorraum zum Operationssaal gebracht, man bereitet ihn vor für die Operation, sorgt maschinell dafür, daß der Herzschlag nicht aufhört, und entnimmt die Organe unmittelbar nach Eintritt des Hirntodes.

Handelt es sich um ein sterbendes Kind, wird den Eltern klargemacht, daß die kleinen Organe ein anderes Kind retten können. Die Eltern müssen dann, während ihr Kind im Sterben liegt, entscheiden, ob es in ihren Armen sterben darf – dann gelten sie als unsozial – oder ob sie von ihrem noch lebenden Kind an der Stahltür eines Operationssaales Abschied nehmen (und dafür als „gute Menschen“ gelten).

Organspender leben damit, daß tausende von Menschen auf ihren tragischen Tod hoffen. Zwar nicht persönlich, nur so allgemein: Wenn endlich wieder einer verunglückt, werde ich vielleicht gesund – wenn mein Körper das Fremdorgan nicht abstößt, wenn die Medikamente, die mein Immunsystem zu diesem Zweck außer Kraft setzen, mich nicht umbringen.

Ich will auch keine Organspende empfangen. Ich will nicht in die Lage kommen, auf den vorzeitigen Tod eines anderen Menschen zu hoffen, nur damit mein eigener Tod möglicherweise noch eine Weile wartet.

Der März ist, wie ich von einer Ärztin weiß, der Hoffnungsmonat der Dialysepatienten. Denn im März fängt die Motorradsaison an; nach dem Winter noch ungeübte junge Leute fahren zu Scharen schnell über Land. Im April sind es schon einige weniger. Will ich dazu jemals sagen „Ein Glück!“?

Gregor Gysi behauptete in der Debatte um die Gesetzesnovelle, die Verdrängung der Sterblichkeit sei der Hauptgrund für die mangelnde Spendenbereitschaft. Für mich ist der Grund gerade die Auseinandersetzung mit der Sterblichkeit.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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31 Antworten zu Warum ich keine Organe spende

  1. Frau Momo schreibt:

    Ich habe schon seit Jahren einen Organspendeausweis in der Tasche und fühle mich nicht so, als würden Menschen auf meinen Tod warten. Aber wenn er dann eintritt, dann kann ich vielleicht noch mit meinen Organen einem todkranken helfen.
    Ich denke, das ist eine höchstpersönliche Entscheidung, die jeder für sich selber treffen muß und die sollte frei sein von moralischem Druck.
    Allerdings denke ich schon, das viele Menschen keinen Ausweis haben, weil sie sich mit dem Thema nicht auseinandersetzen mögen, weil sie diffuse Ängste haben, dann zu früh für tot erklärt zu werden.
    Ich finde, es ist zu respektieren, wenn jemand das nicht möchte, aber eben auch nur dann, wenn man sich, so wie Du, damit auseinandergesetzt hat.

    • Chris Lex schreibt:

      Nun, es ist Ihr freier Wille. Dieser muß unantastbar sein.
      Selbst spende ich auch aus ethischen keine Organe.
      Habe eine Patientenverfügung und einen Nichtspendeausweis.
      Komme aus einem medizinischen Beruf und habe es an einer Patientin
      miterlebt.
      Katastrophal.
      Kann es nur jedem Menschen abraten.

      http://www.theologe.de/theologe17.htm#Organspender

    • Petra Augustin schreibt:

      Ich habe mich sehr wohl und sehr intensiv mit dieser Sache auseinandergesetzt, und genau darum kommt eine Organspende für mich absolut nicht in Frage. Und jeder der glaubt, das er mit dem ausfüllen des Ausweises Leben rettet, irrt noch mehr.
      Ich kann der Autorin nur 100% Recht geben.

  2. Claudia Sperlich schreibt:

    Auch Ängste sind ja eine zu respektierende Sache, und auch ein nicht ganz begründetes „Will ich nicht“. Niemand ist gezwungen, sich für seinen freien Willen zu rechtfertigen. Deshalb meine ich, daß man den Willen, Organe zu spenden, und den, es nicht zu tun, gleichberechtigt ansehen muß.

  3. Huppicke schreibt:

    Mein Onkel hatte eine Herztransplantation und mein Vater war lange Kandidat bis er dann letztendlich sich von der Warteliste nehmen lies, weil er lieber sterben wollte. Für die schönen geschenkten Jahre war mein Onkel immer dankbar. Es ist auch nicht so, dass er gefiebert hat, wann stirbt den endlich der passende. Es war nur ein kleiner Funken Hoffnung der über dem schweren Alltag glühte. Es heißt ja auch Organspende. Sie wurde ihm als gespendet, als Geschenk gegeben. ich bin also auch potentieller Organspender.

    Ich finde es aber unmöglich, Menschen die nicht spenden wollen die Dinge zu unterstellen, wie du sie beschreibst. Und du hast recht, genauso wird es betrachtet. Als ob ihr nicht richtig gescheit wäret. Diese Einstellung ist von den Medien übernommen und nicht selbst gefunden. Traurig.

    ABER. Der Gedanke, dass meine Tochter nicht in meinen Armen sterben könnte… unvorstellbar. Niemals! möchte ich da aufschreien. Ich wünsche mir von Herzen, dass das irgendwie nicht sein kann, wie du es schilderst, dass da andere Wege gefunden werden und ich seh mich da im OP-Kittel hocken und auf die piepsenden Apparaturen starren. Möge es nie so kommen. Aber wenn ich im Unglück das Glück habe sie in den Armen zu halten, dann auch bis ganz zum Schluss. Tut mir leid.

    Es gibt halt nicht die einfache Lösung, die einfache Unterschrift und alles geritzt, wie die Medien das suggerieren. Es ist halt eine Spende die über ein paar Mark überweisen weit hinausgeht.

    Grüße von Huppicke

  4. Huppicke schreibt:

    Ah. Bitte um Verzeihung für die vielen Rechtschreib- und Tippfehler. Bin in Eile. Nehme mir beim nächsten Mal mehr Zeit. Peinlich.

  5. Claudia Sperlich schreibt:

    Dank für diesen differenzierten Kommentar!
    Ich kann selbst natürlich nur sagen, was ich jetzt empfinde, da ich recht gesund bin. Wie ich entscheiden würde, wenn ich vor der Wahl stünde „Wöchentliche Dialyse, trotzdem baldiger Tod – oder Nierentransplantation“ kann ich also nur vermuten, nicht mit letzter Sicherheit wissen. Auch das sollte man sich in der Diskussion klarmachen.

  6. synchronuniversum schreibt:

    Die Entscheidung hat mir mein eigenes Leben abgenommen. Dank der vielfältigen Krankheitsbilder, Therapien wie Chemo & Co, komme ich als OrganSpender kaum noch in Frage. So habe ich mich, und auch dafür muss ich mich rechtfertigen und erklären, als KörperSpender zur Verfügung gestellt. Nach dem Motto: Wenn man zu nixx mehr taugt, dann wengistens noch als schlechtes Beispiel – können sich MedizinStudenten an mir, mit mir weiterbilden oder Herr vom Hagen hält mich (in Teilen) für ein würdiges Ausstellungsstück, wie das klingt. Ansonsten teile ich selbstverständlich die Meinung, dass gerade dies eine ganz persönliche, wenn nicht sogar eine der persönlichsten Entscheidungen ist, die ein Mensch treffen kann und mit der Mensch bis in letzter Konsequenz dann auch leben muss. Daran herumzukritteln hat niemand das Recht. Eine Entscheidung, egal welcher Art zu kritisieren schon gar nicht. Ob man die Frage für sich aus einenm Glauben heraus trifft, rein emotional, oder anhand von Selbsterlebtem – darüber zu richten hat niemand sonst.

  7. synchronuniversum schreibt:

    ähm… die Frage für sich aus eineM Glauben heraus beantwortet, nicht trifft. Sorry.

  8. Claudia Sperlich schreibt:

    Dank auch Dir für diese klaren und ehrlichen Worte.

  9. Miriam schreibt:

    Vielen Dank für Ihre ausführlichen Gedanken zu diesem schwierigen Thema. Wie ich selber geschrieben habe, komme ich hier noch auf keinen grünen Zweig. http://dashoerendeherz.blogspot.de/2012/03/auf-leben-und-tod.html Ich kann nur sagen, dass bei mir immer noch ein diffuses Angstgefühl und Verwirrtheit bleibt, auch weil das Thema emotional so aufgeladen ist. Vor einigen Monaten z.B. lag mein Vater im (künstlichen) Koma und da kamen natürlich auch so Fragen hoch, was wir denn getan hätten, wenn die Situation noch kritischer geworden wäre. Ich weiß es echt nicht.

  10. pseudea schreibt:

    Liebe Claudia, ist es wirklich so? Dass der Tod nicht abgewartet wird? Nach gängiger Vorstellung ist es ja so, dass eben bei den an Unfällen Sterbenden irgendwann der Hirntod eintritt, dann würde man normalerweise die Beatmung ausstellen. Und erst ab diesem Punkt würde das Procedere von dem gegenüber Nichtspendern abweichen, was mit Sicherheit auch noch schrecklich ist.
    Ich glaube aber, man macht sich vielfach auch über das „normale“ Sterben und Abschiednehmen im Krankenhaus falsche Vorstellungen: Meine Mutter starb nach einer Woche Koma auf einer Intensivstation: Bett an Bett, nur Vorhänge dazwischen, nicht mal einen Hocker gabs da, um sich neben das Bett zu setzen. Also Abschiednehmen stellt man sich irgendwie anders vor…

  11. Claudia Sperlich schreibt:

    Willkommen, pseudea.
    Um nach dem Hirntod sofort das Spenderorgan entnehmen zu können, muß man den noch nicht hirntoten Menschen – den lebenden Menschen! – in einen hierzu vorgesehenen, an den OP grenzenden Raum bringen, außer Reichweite der Angehörigen und Freunde. Das ist überhaupt nicht zu ändern, weil eine auch nur geringe Verzögerung bedeutet, daß die Organe nicht mehr zur Spende taugen.
    Mir ist klar, daß es auch andere Mißstände in Krankenhäusern gibt. Aber das rechtfertigt nicht diesen. Und immerhin: man kann einem Sterbenden, der nicht Organspender ist, durchaus die Hand halten, bei ihm sein – auch wenn das Umfeld so ungemütlich wie möglich ist.

    • Chris Lex schreibt:

      Liebe Frau Sperlich,

      bedanke mich herzlich für Ihren Beitrag. Hoffentlich bleiben Sie bei Ihrer
      Einstellung dazu.
      FRAGE:
      Was sagt die
      KIRCHE
      dazu ?
      „Wir sollten uns darüber freuen, dass die Medizin … mit der Organverpflanzung eine neue Art und Weise gefunden hat, … der Menschheitsfamilie dienlich zu sein.“ (Papst Johannes Paul II. im Jahr 1991; zit. nach Würzburger Katholisches Sonntagsblatt vom 5.3.2006) Organspenden ist „eine besondere Form, Nächstenliebe zu zeigen“ (Papst Benedikt XVI.; zit. nach Radio Vatikan, 7.11.2008).
      (Welch Hohn und Spott)

      http://www.theologe.de/theologe17.htm#Organspender

      Was sprach JESUS von Nazareth zur Organspende?

      „Denn welchen Nutzen hätte der Mensch, wenn er die ganze Welt gewönne und verlöre sich selbst oder nähme Schaden an seiner Seele.“ (Jesus von Nazareth, Lukasevangelium 9, 25; Matthäusevangelium 16, 26)

      „Ich lehne konsequent eine Organentnahme ab“.

      ZITAT aus den nachfolgenden BERICHTEN:

      „Auch gläubige Menschen ziehen unterschiedliche Grenzen . Bei Gentechnik und Organverpflanzung ist bei mir die Grenze erreicht. Bei Gentechnik pfuscht man im Baukasten Gottes herum und bei Organverpflanzung will man Leben um jeden Preis verlängern, selbst wenn Gott einen Menschen abberufen möchte.“

      https://kalliopevorleserin.wordpress.com/2012/03/27/warum-ich-keine-organe-spende/

      http://www.gutefrage.net/frage/ich-moechte-kein-organspender-sein-bin-ich-egoistisch

      Meinungen zur Organspende.

      Diskussionsbeiträge von Schülerinnen und Schülern

      http://www.dober.de/ethik-organspende/organdisk.html
      „AUSZÜGE“
      Ich persönlich möchte meine Organe nicht spenden, da ich an ein Leben nach dem Tod glaube und ich das neue Leben mit meinen eigenen Organen bestreiten will.“
      (Tina)
      „Ich bin der Meinung, dass man Menschen zwar helfen soll, sogar mit allen Mitteln, die einem zur Verfügung stehen, doch wenn es um den eigenen Körper geht, hört der „Spaß“ auf. GOTT hat uns geschaffen und GOTT darf uns auch das leben nehmen.“(Adnan)

  12. Wolfram schreibt:

    Organtransplantation – es ist vielleicht ein Geschenk für den, der ein Organ bekommt. Aber für viele andere ist es ein lukratives Geschäft. Und das Recht des Einzelnen, über die Ware Körper, die ihm gehört, aber für andere ein lukratives Geschäft darstellt, zu verfügen, wird immer weiter eingeschränkt. Schon gibt es Länder, in denen man kein Widerspruchsrecht hat, daß die eigenen Organe nach dem Ableben an andere weitergereicht werden. Das ist keine Spende mehr, das ist Raubrittertum. In den USA kommt man vom – ohnehin zweifelhaften, weil willkürlich gewählten – Kriterium des Hirntodes inzwischen wieder ab und läßt den Herztod als Todeskriterium für bestimmte Organentnahmen zu. Das heißt, der Patient auf dem Tisch ist nicht toter als jeder, der gerade am Herzen operiert wird – aber die Ärzte entscheiden willentlich, ihn sterben zu lassen, damit er für andere ausgeweidet wird. Ein großes ethisches Problem drängt sich also auf: wonach wird entschieden, ob die Organe bei dem bleiben dürfen, mit dem sie geboren sind, oder ob der sterben muß, damit jemand anders damit weiterleben darf?
    Nun zum Hirntodkriterium: es wird einem immer erzählt, im Hirn wäre dann Nullinie, und es wäre tatsächlich kein Leben mehr im Körper, das Herz würde ja nur noch künstlich am Schlagen gehalten, damit die Organe nicht zu verfallen beginnen. Nun möchte ich aber dann doch mal wissen, warum regelmäßig ein Anästhesist die Organentnahme begleitet, indem er den Sterbenden in Narkose versetzt? Oh, ich weiß es (ich hab es gelesen, aber wenn das in der Fachliteratur steht, ist es mir glaubwürdig): weil der Hirntote die gleichen Schmerzreaktionen auf das Operationsmesser zeigt wie du und ich, wenn man uns ohne Betäubung aufschneiden würde. So tot, wie immer behauptet wird, ist er dann ja wohl doch noch nicht…

    Ich bin vermutlich als Organlager nicht interessant. Zynisch gesprochen, bestenfalls noch um Anorexikern ein wenig Körperfett zu geben, aber da und nur da wäre ich unter Umständen sogar zu einer Lebendspende zu überreden. Die Wahrscheinlichkeit ist höher, daß ich irgendwann mal als Empfänger in Frage käme – was ich nicht will, aber dann jederzeit sagen kann. Deshalb habe ich noch nicht die nötigen Schritte unternommen, um mich in die Widerspruchsliste eintragen zu lassen, die hier in Frankreich zentral geführt wird. (Kein Einwohnermeldeamt, aber für alles ein Zentralregister… typisch Frankreich.) Natürlich soll jeder Mensch seine Entscheidung selbst treffen, aber dann doch bitte aufgrund umfassender Information – und nicht von Desinformation.
    Gregor Gysi halte ich etwas anders entgegen als du: Die mangelnde Auseinandersetzung mit der Sterblichkeit ist gerade der Grund für die massive Nachfrage nach der Ersatzteilchirurgie, vulgo Organspende genannt. Wer nämlich mit seiner Sterblichkeit zu leben gelernt hat, braucht keine Spendeorgane, um sich ein Stück Unsterblichkeit zu verschaffen. Die Kulturen, in denen Tod und Sterben und auch die Sorge um den Leichnam noch zum Leben gehören und nicht an Unternehmer abgegeben werden (den Bestattungsunternehmern will ich dabei nichts vorwerfen!), brauchen keine Organspende…

  13. Claudia Sperlich schreibt:

    Dank für diese Ausführung, Wolfram! Offengestanden, wird mir Organspende immer gruseliger, je mehr ich darüber weiß.
    Fettspende – darüber habe ich mit meiner Mutter gewitzelt, als sie immer dünner und ich immer dicker wurde.

  14. erinnye schreibt:

    Ich wusste nicht, das das Sterben als Organspender so problematisch ist. Wirklich gruselig, dachte nämlich in letzter Zeit über einen Organspendeausweis nach, auch weil ich wegen der Niereninsuffizienz meines Vaters (der ja für eine Transplantation nicht mehr in Frage kommt) viel mit dem Thema Niereninsuffizienz bei jungen Menschen in Berührung gekommen bin. Wo hast Du das denn gelesen? Also die genaue Vorgehensweise?

  15. Claudia Sperlich schreibt:

    Zum einen gab es neulich mal eine recht informative Sendung im ARD, die das Für und Wider darstellte und auch die Vorgehensweise. Zum anderen habe ich zu dem Thema in ziemlich vielen verschiedenen Quellen gestöbert (auch medizinische Literatur, soweit ich sie verstehen kann).

  16. erinnye schreibt:

    Das ändert jetzt schon ein wenig meine Einstellung zu der Angelegenheit. werde mal in der ARD-Mediathek schauen, ob ich was dazu finde.

  17. haushundhirschblog schreibt:

    Liebe Claudia,
    auch wenn ich mich persönlich gänzlich anders entschieden habe, gefällt mir, wie Du Dich, auch in diesem Artikel, mit dem Thema auseinandersetzt. Viele und sehr unterschiedliche Erfahrungen haben Angehörige von Sperndern vermutlich gemacht, einige, auch sehr unterschiedliche, wurden hier auch auf Deinem Blog erwähnt. Allein dafür lohnt es sich, sich diesem Thema zu nähern. Meinen Organspendeausweis besitze ich schon sehr lange, und das sehr überzeugt. Ich habe zuvor lange darüber nachgedacht; mit Ärzten, die ich privat kenne, mit Angehörigen, auch mit Eltern von „verstorbenen“ Kindern lange gesprochen. Ich fühle mich mit dieser Entscheidung sehr wohl. Eine Patientenverfügung habe ich auch.
    mb

  18. Claudia Sperlich schreibt:

    Das Thema wird immer schwierig bleiben, und niemals kann man es abschließend klären – eben weil es so verschiedene Auffassungen und persönliche Erfahrungen gibt. Ich bin froh, daß auf diesem Blog eine angeregte und offene Diskussion möglich ist.
    Eine Patientenverfügung habe ich übrigens gemacht, als ich in der Altenpflege gearbeitet habe – weil ich dort erlebt habe, wie ich ganz bestimmt nicht enden möchte. Ich bin sehr froh, daß hier inzwischen größere Klarheit und Verbindlichkeit möglich ist – wenn auch noch viel zu klären bleibt.

    • Chris Lex schreibt:

      Liebe Frau Sperlich hier kopiere ich Ihnen einen Tatsachenbericht rein, der mich
      erschütterte.
      Habe auch eine schlimme Erfahrung mit einer Patientin gemacht. Ihr Schmerzensschrei
      tönt mir heute noch in den Ohren……Trauma
      *****************

      ORGANSPENDERIN
      FÜR HIRNTOT ERKLÄRT – 29.08.2012 –

      In der Klinik wachte Carina plötzlich wieder auf!
      *Von INGRID RAAGAARD* – Kopenhagen –

      Eigentlich sollte Carina (19) heute tot sein. Eigentlich sollten alle ihre Organe das Leben anderer Menschen gerettet haben. Aber die Dänin ist quicklebendig und geht auf
      Partys – wie jede andere junge Frau auch! Die dänische Zeitung „Ekstra Bladet“ hat am Dienstag von der erschütternden Geschichte, wie Carina als angeblich hirntote Patientin wieder zurück ins Leben fand, berichtet. Am 16. Oktober 2011 war die junge Frau bei einem Autounfall auf Djursland (Dänemark) schwer verletzt worden. Sie wurde in der Uni-Klinik von Aarhus operiert, kam anschließend in ein künstliches Koma. Oberärztin Dr. Benedicte Dahlerup musste
      einige Tage später den Eltern klar machen, wie die Zukunft von Carina aussehen wird. „Sie hat eine sehr schwere Hirnverletzung. Falls sie überlebt, dann mit so schweren Behinderungen, dass sie für immer ein schwerer Pflegefall sein wird.“Die Ärztin erklärte, dass es zwei Möglichkeiten gibt. Man könne Carina an der Herz-Lungen Maschine behalten, damit ihr Hirn ganz stirbt, aber ihre Organe weiterleben. Dann könnten ihre Organe gespendet werden. Oder man könnte auch die Herz-Lungen-Maschine ausschalten – dann wäre sie sofort ganz tot. Die Mutter fragte verzweifelt: „Gibt es wirklich überhaupt keine Hirnaktivität?“ Die Ärztin antwortete mit einem überzeugenden Nein. Aber der Vater wollte so schnell die Hoffnung nicht aufgeben und bohrte weiter:
      „Aber vielleicht gibt es ja ein kleines Wunder?“ Die Ärztin wiegelte ab: „Nein, das kann es nicht geben. Es schaut schlimm aus, und für ihre Tochter kann ich nur hoffen, dass sie nicht überlebt.“
      Carinas Eltern wollten, dass ihre Tochter Organspenderin wird. Sie blieb deshalb an der Maschine hängen.
      Zu diesem Zeitpunkt vermuteten die Ärzte plötzlich, dass mit Carinas Hirn doch noch etwas anderes los sein könnte.
      Sie machten deshalb – gegen den Wunsch der Eltern – die Maschine aus. Eigentlich hätte sie nun sterben müssen, eine
      Organspende wäre dann auch nicht mehr in Frage gekommen. Aber Carina atmete selbstständig weiter. Und es passierte
      noch mehr! Nach einigen Stunden begann sie vor Schmerzen zu jammern, da sie als „Hirntote“ keine Behandlung mehr bekam.
      Ein Arzt schritt ein, machte eine neue Untersuchung und stellte fest, dass ein ungewöhnlicher Bruch im Schädelboden dafür gesorgt hatte, dass der Druck im Hirn ausgeglichen wurde und kein Hirntod eintreten konnte. Carina wurde sofort wieder operiert. Wenig später konnte sie das Krankenhaus verlassen!
      Ein Blick in den Kalender zeigt den dramatischen Verlauf:
      ► Am 16. Oktober hatte Carina den Unfall.
      ► Am 20. Oktober bitten die Ärzte darum,
      Carina als Organspenderin freizugeben
      ► Am 25. Oktober machte man die Maschinen aus.
      ► Am 26. Oktober wurde erneut operiert.
      ► Am 7. November konnte Carina das Krankenhaus verlassen.

      Der ganze Fall ist ungewöhnlich gut dokumentiert, da die Eltern eingewilligt hatten, an einer Dokumentarsendung des dänischen Fernsehens DR über Organspende teilzunehmen. Jedes Gespräch mit den Ärzten wurde deshalb gefilmt.
      Trotzdem wurde der Film bisher noch nicht ausgestrahlt, da eine Sendung über mehrere Organspender geplant war.
      Nun soll der zukünftige Film ausschließlich von Carina und ihrem Weg zurück ins Leben handeln.
      Wenn es so weit ist, wird man dramatische Sätze hören. So erklärt die Mutter vor den Kameras:
      „Die Ärzte wollten nur ihre Organe, und zwar so schnell wie möglich.“ Oberärztin Dahlerup will bisher nichts zu
      Carinas Fall sagen, allerdings äußerte sich ihr Chef, Chefarzt Dr. Carsten Kock-Jensen. Gegenüber „Ekstra Bladet“ meinte er:
      „Die Eltern haben nicht richtig zugehört, sonst hätten sie verstanden, dass sie noch nicht ganz hirntot war.
      Wir gingen davon aus, dass sie es bald sein wird. Ich möchte jetzt nichts entschuldigen, aber im Frühjahr haben wir aufgrund dieses Falls die Richtlinien geändert. In Zukunft dürfen die Angehörigen erst zu einem späteren Zeitpunkt befragt werden.
      Ich habe noch nie von einem solchen Fall gehört. Es braucht deshalb niemand Angst zu haben, dass das gleiche auch in seiner Familie passieren könnte.“ Die Eltern haben eine Klage gegen das Krankenhaus eingereicht.
      Carina hat sich nach dem Unfall fast vollständig erholt. Zwar muss sie immer noch regelmäßig eine Reha-Klinik besuchen, aber inzwischen geht sie wieder auf Partys und genießt das Leben.

      (http://www.bild.de/news/ausland/organspende/hirntote-patientin-wacht-in-klinik-wieder-auf-25914394.bild.html )

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Willkommen, Chris Lex.
        Dank für diesen bewegenden Bericht. Allerdings bin ich angesichts der Quelle grundsätzlich skeptisch – ganz unabhängig vom Thema.

  19. OneBBO schreibt:

    Dieses Rauben der letzten Minuten habe ich auch erst indirekt über diese ARD-Sendung erfahren. Das ist einfach grauenhaft und unmenschlich. Was ein angeblich Hirntoter wirklich empfindet, weiß niemand. Und vor allem weiß auch niemand, welche Ärzte – wenn Geld winkt – wirklich lange genug warten.
    Ein schöner Beitrag, der das Thema ohne political correctness aus menschlicher Sicht betracht, danke dir.

  20. Claudia Sperlich schreibt:

    Zudem: Es ist gesetzlich vorgeschrieben, daß der Arzt, der über die Transplantation entscheidet, ein anderer ist als der, der sie ausführt. Und ich weiß von einem Berliner Arztehepaar, daß sie entscheidet und er operiert. Ganz unbeeinflußt voneinander, natürlich.

  21. Chris Lex schreibt:

    Liebe Frau Sperlich,

    erst einmal herzlichen Dank für Ihren Willkommensgruß.
    Zum Artikel:
    Anfangs war ich auch skeptisch …! Die Bild-Zeitung oder der Spiegel können sowohl die Wahrheit als auch Blödsinn schreiben – auf die Gewichtung kommt es an. Das Fernziel besteht aber darin, ein künstliches negatives Weltbild zu erzeugen, in dem Weiß Schwarz und Schwarz Weiß sind, genau so, wie es George Orwell schon vor 60 Jahren in seinem Buch 1984 beschrieben hat.
    Die Fakten jedoch sprechen für das Unfallereignis, zumal ich persönlich auch ähnlichem Fall
    beiwohnen mußte (komme ja aus dem medizinischen Beruf).

    Ich wünsche Ihnen noch eine erfolgreiche Woche mit positiven Augenblicken.

    Liebe Grüße

    Christin

  22. Claudia Sperlich schreibt:

    Dank auch für die neueren Kommentare zu diesem alten, aus gegebenem Anlaß kürzlich verlinkten Artikel. Mich freut es, daß dies wichtige Thema Interesse findet.

  23. we all live in america schreibt:

    Wir leben in einem kapitalistischen System in dem es um Profit geht, jedes Krankenhaus ist ein Unternehmen. Wieso sollte ich die Motivation der Ärzte mir zu helfen weg nehmen?
    warum sollte ich den Ärzten Motivation geben mich auszuschlachten und sterben zu lassen,
    und Möglichkeiten gibt es immer! Ganz rafinierte sogar, einen gesunden Menschen, welcher wegen einer Kleinigkeit da hin muss, daß dieser am Ende ein rießen Problem hat. Ich greif niemanden an, aber ich mißtraue dem System, da ich überall sehe, sobald Geld im Spiel ist, ist meinschlichkeit nichts wert, Kapitalismus halt. Man reizt den gesetzlichen Rahmen aus soweit es geht, oder der Markt es zu lässt. Ferner halten sich die meißten nur an Gesetze insofern ein Potenzial vermutet wird erwischt zu werden, „Intern“ kann man ja so viel drehen und wenden wie es am bessten passt. Ebenso wie unserer Behörden. Meine Erfahrungen sind, egal was man tut wenn man auf den jeweiligen Gebiet selbst keine Experte ist, wird das Unwissen, mit dem Ziel Geld zu verdienen oder Geld zu sparen zu Ungunsten des „Kundens“ um nicht Mensch zu sagen gnadenlos ausgenutzt. Bei Behörden, ebenso in jeder Branche.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ich gehe davon aus – auch aus eigener Erfahrung -, daß die meisten Ärzte, gute und weniger gute, grundsätzlich helfen wollen. Daß viele (nicht alle!) von ihnen außerdem ein großes Interesse an Geld haben, schließt das nicht aus.
      Auch möchte ich keinem Arzt, der Organtransplantationen vornimmt, gleich unbesehen Gier unterstellen. Viele, vielleicht die meisten von ihnen, nehmen sicher selbst an, daß Organspende grundsätzlich gut ist. Ich gehen hier nicht von bösem Willen aus, sondern von Irrtum.

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