Wie man Youcef Nadarkhani bestimmt nicht hilft

Ein gewisser Terry Jones betreibt eine Seite mit dem Titel Stand Up America, auf der er eine höchst kontraproduktive Aktion vorschlägt, um Pastor Nadarkhani freizubekommen.
Er plant eine weltweite Verbrennung von Koranen und Bildern Mohammeds am 28. April, wenn Nadarkhani nicht vorher freigelassen wird. Das ist nur leider kein Mittel, um den iranischen Machthabern irgendwelchen Eindruck zu machen, hingegen ein ziemlich sicheres Mittel, um Gewalt gegen Christen zu provozieren. Bisher hat jede demonstrative Koranzerstörung Gewaltexzesse zur Folge gehabt, und Nadarkhani selbst würde durch eine derartige Aktion gefährdet.
Ich habe über das Kontaktformular auf Terry Jones‘ Seite folgende Mail geschickt:

Please do not burn Korans or images of Mohammed.
This won’t help anybody, on the contrary it will probably even more infuriate those who are already prone to violence. Up to now, every time Korans were destroyed deliberately and with ostentation, Christians were menaced or killed afterwards. Your planned action endangers Youcef Nadarkhani far more than helping him.
Pray for him, inform yourself and others about his situation, demonstrate in a peaceful and decent way, write letters and petitions and pray again. But please don’t burn books.

Vielleicht kommt Jones rechtzeitig zur Raison, wenn ihm zahlreiche solche Mails zufliegen. Ich bin sicher, wir helfen Nadarkhani weit eher, wenn wir diese dumme Aktion verhindern, als wenn wir uns daran beteiligen.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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6 Antworten zu Wie man Youcef Nadarkhani bestimmt nicht hilft

  1. liisa schreibt:

    Terry Jones droht schon seit Jahren mit solchen Koranverbrennungen. Er ist ein radikaler Einzelgänger mit einer (bisher) kleinen Anhängerschar aber könnte mit einer solchen Aktion massivst Schaden anrichten. Von solchen E-Mails lässt er sich sicher nicht aufhalten, denn er glaubt ja im Namen Gottes zu agieren. Man kann nur hoffen, dass er nicht noch mehr Anhänger findet und die Medien ihn nicht bedeutsamer schreiben als er ist.

  2. Claudia Sperlich schreibt:

    Dank für den Hinweis. Mir war dieser Zeitgenosse noch völlig unbekannt.
    Ich habe selbst nicht viel Hoffnung bei derartigen Mails, gewiß bringen sie ihn nicht schlagartig zur Vernunft. Aber zeigen, daß man für Nadarkhanis Freiheit und gegen Bücherverbrennungen ist, könnte vielleicht doch derartige Aktionen wenigstens eindämmen – zumindest schadet es nicht.

  3. Frau Momo schreibt:

    Mit einer solche Respektlosigkeit ist keinem geholfen und davon abgesehen finde ich solche Aktionen verachtend und geschmacklos.
    Er ist auf seine Art genauso fanatisch, wie er es anderen vorwirft und damit keinen Deut besser. Und was passieren kann, haben wir schon erlebt, als die Amerikaner in Afghanistan etliche Korane in den Müll geschmissen haben.

  4. Claudia Sperlich schreibt:

    Ich habe in der Tat Angst, daß eine solche Aktion Youcef Nadarkhani und anderen iranischen Christen ganz unmittelbar schadet.

  5. Frau Momo schreibt:

    Das Schlimme bei solchen Fanatikern ist ja, das es ihnen überhaupt nicht wirklich darum geht, z.B. wie hier Herrn Nadarkhani zu helfen, sondern das es ihnen nur darum geht, ihre eigenen Ansichten zur Not eben auch mit Gewalt zur Kenntnis zu bringen. Und deshalb lassen sie sich ja auch selten davon überzeugen, das solche Aktionen kontraproduktiv sind, weil sie genau so verachtend sind, wie das iranische Regime Youcef Nadarkhani gegenüber ist.
    Und es ist eine Perversion auch noch behaupten im Sinne einer Religion zu handeln. Denn so einen Hass gibt wohl keine Religion her.

  6. Claudia Sperlich schreibt:

    Nun hat diese dämliche Aktion tatsächlich stattgefunden und Terry Jones hat sich nicht geniert, das Video davon zu veröffentlichen. Ich habe es nicht fertiggebracht, alle sechs Reden vollständig anzuhören, aber ich kann bezeugen: Die Aktion hatte etwa zwanzig Zuschauer, es gab nach einigen Reden verhaltenen, nach einer geradezu stürmischen Applaus (was bei dieser kleinen Zuschauerzahl noch nicht viel Eindruck macht), und das Grillfeuerchen (eine doofe Mohammedkarikatur und ein Koran) war gerade durch die offensichtliche Besorgtheit um Sicherheitsvorschriften einfach nur albern. Daß übrigens die Vereinigten Staaten als „last beacon of hope“ apostrophiert wurden, fand ich die Krönung der Albernheit.
    Ich hoffe sehr, daß sich genügend Muslime finden, die die Aktion als das sehen, was sie ist – ein kleinspießiges Trallala kulturferner Banausen und weiter nichts.

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