Dumm gelaufen

Vor 116 Jahren wurde ein aufsehenerregendes Medikament von einer deutschen Lackfabrik patentiert. Der englische Chemiker Charles R.A. Wright hatte es bereits 1873 synthetisiert aus einem bis dahin gebräuchlichen, mit starken Nebenwirkungen behafteten pflanzlichen Schmerzmittel. Wright war davon ausgegangen, daß die Nebenwirkungen nichts mit dem erwünschten Wirkstoff zu tun hatten, sondern von den zahlreichen Nebenstoffen abhingen. Er raffinierte aus dem Mittel ein kristallines Pulver, das in der Tat noch besser als der ursprüngliche Stoff gegen Husten und Schmerzen half.
Die besonders in Städten häufige Tuberculose konnte noch lange nicht geheilt werden, aber der quälende Husten der Moribunden wurde durch dies Mittel gestillt.
Auch harmlosere Formen von Husten, Kopf-, Magen- und Regelschmerzen sowie Herzprobleme wurden damit behandelt, zudem wurde es zur Einleitung von Geburten genutzt. Wie eine wohltätige mythische Heldin sollte es den Schmerz ein für allemal besiegen – man fand einen passenden Produktnamen.

Advertisements

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.