Der Fischer-Ring

Ich könnte die Waffe benutzen, die mir Leo Fischer so bereitwillig präsentiert. Aber ich bin gegen den Einsatz biologischer Waffen.

Leo Fischer, Chefredakteur eines Satiremagazins, das vor dreißig Jahren noch regelmäßig ziemlich gute Beiträge hatte, und Vorstandsmitglied einer Spaßpartei mit einem Konzept, das nicht viel schlechter ist als das mancher tierisch ernster Partei, findet komisch, wenn alten Männern unangenehme Peinlichkeiten passieren. Er findet es zum Brüllen. So komisch, daß man damit eine Titelseite schmücken kann.

Der eigentliche Witz ist, daß er wirklich gar nichts gegen den so verspotteten alten Herrn vorbringen kann (nicht einmal das auf so schenkelklopfende Weise behauptete Leiden). Aufgabe der Satire ist es, bestehende Mißstände durch Überzeichnung und – gern auch tiefschwarzen – Humor zu entlarven. Es ist nicht Satire, einem Menschen aus Verlegenheit, weil man sonst keinen Anlass findet, ihn bloßzustellen, mangelnde Kontrolle über seine Körperfunktionen anzudichten.

Nun weiß man längst (wenn man bereit ist, es nachzulesen), was bei der von jenem Magazin angesprochenen Veröffentlichung geheimer Akten herauskam: daß ein kluger und gütiger alter Herr in Rom seine Autorenhonorare sowie Geld- und Sachgeschenke von Privatleuten benutzt hat, um Studenten und Obdachlose zu unterstützen. Das ist natürlich ganz, ganz übel aus der Sicht des Berufssatirikers, denn es gibt für Satire nichts her. Da bleibt nur noch die Möglichkeit, etwas vom Niveau eines Sprechchores auf dem Grundschulhof in den Rang der Satire zu erheben.

Jetzt ist der, den besagtes Blatt angegriffen hat, einen nachvollziehbaren juristischen Weg gegangen. Ich kann das gut verstehen und hätte es vermutlich auch so gemacht, wenn mir so pubertär mitgespielt worden wäre. Natürlich schlachtet der Schädiger das vorerst als Reklame aus. Warum die Klage trotzdem richtig ist, erklärt der Journalist Lucas Wiegelmann.

Ich hoffe, daß das Gericht eine nachvollziehbare und gerechte Entscheidung trifft, die für den Schuldigen so richtig teuer wird. Erstens um der Gerechtigkeit willen. Zweitens wird das Opfer der Straftat eine finanzielle Entschädigung vermutlich für einen guten Zweck verwenden. Und drittens wegen des am Horizont aufscheinenden Wortspiels. Ich möchte gerne sagen, hören, schreiben und lesen:

Vatikan zerschlägt Fischer-Ring!

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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3 Antworten zu Der Fischer-Ring

  1. Frau Momo schreibt:

    Das Magazin hat jetzt mal wieder ordentlich publicity und der in meinem Augen wenig gütige alte Mann hätte da vielleicht einfach drüber stehen müssen. So ist das inzwischen ja verbotene, aber dennoch zu habende (weil die bereits im Verkauf gelandeteten Exemplare nicht zurückgeholt werden mußten, auch Teil des Urteils) Blatt jedenfalls eine begehrte Trophäe.
    Sehr geschmackvoll fand ich das Titelbild auch nicht, auch wenn es ja angeblich die vom alten Mann so geliebte Fanta sein sollte und nicht das, woran man zuerst denkt, aber die Aufregung um das Bild finde ich auch übertrieben.
    Und wenn der Papst was spenden will… die katholische hat ja wohl mehr als genug Reichtümer angehäuft, da braucht es keine Geldstrafe eines Satiremagazins.

  2. Claudia Sperlich schreibt:

    Amt und Geld des Papstes sind für ein gerechtes Urteil in dieser Sache völlig egal.
    Man darf so nicht mit Menschen umgehen.

  3. stefanolix schreibt:

    So sieht das auch für mich aus: Der Papst in seiner Funktion als Oberhaupt der Katholischen Kirche darf (und muss) kritisiert werden. Aber der Papst als Mensch darf nicht so herabgewürdigt werden.

    Wer dieses Titelbild bejubelt, stellt sich auf eine Stufe mit Leuten, die jede andere Herabwürdigung eines Menschen auch bejubeln würden. Wenn ich es grundsätzlich ablehne, dass Menschen in dieser Weise behandelt werden, dann kann ich das Heft nicht kaufen und natürlich auch das Titelbild nicht bejubeln.

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