Dumme Parolen

Die Krakeeler neulich beim Marsch für das Leben hatten mehrere wesentliche Probleme.
Das erste, das mir als Rezitatorin und Chorsängerin auffiel, waren ihre Stimmen. So gequetscht, so überhaupt nicht „zusammen“, einige waren am Ende ganz heiser. Da ist viel Bedarf an kompetenter Stimmbildung. Ich biete mich da gerne an, wir können auch über eine Kostenpauschale reden. Einstweilen ein kleiner Hinweis: Bauchatmung! Das könnt Ihr Euch ganz leicht klarmachen. Euer Bauch gehört Euch, wie ihr nicht müde werdet zu betonen. Euer Atem gehört Euch selbstverständlich auch. Vereint die beiden!
(Dabei fällt mir ein: Wieso hat eigentlich noch nie jemand aus diesen Reihen betont, daß sein Kopf ihm gehört?)

Gegrölt wurde laut und kenntnisarm:
Newton, Einstein, Marx, Foucault – schmeißt die Bibel jetzt ins Klo!

Newton, der als Fellow des Trinity College sich zur Treue zur anglikanischen Kirche verpflichtete?

… Gott währt stets fort und ist überall gegenwärtig, er existiert stets und überall, er macht den Raum und die Dauer aus.
Isaac Newton, Principia

Einstein, der zwar der jüdischen Religion nicht folgte, dessen Glauben an einen allmächtigen Gott davon aber unberührt blieb?

Ich glaube an Spinozas Gott, der sich in der gesetzlichen Harmonie des Seienden offenbart, nicht an einen Gott, der sich mit Schicksalen und Handlungen der Menschen abgibt.
Albert Einstein

Bleiben noch Karl Marx und Michel Foucault (ich vermute, der war gemeint). Interessanterweise sieht Foucault Marx äußerst kritisch.

Also, liebe GegendemonstrantInnen (nur für Euch benutze ich heute ausnahmsweise das Binnen-I), zum nächsten Mal informiert Euch bitte über die Leute, die Ihr zitiert. Außerdem lernt Atmen, Sprechen, Chorsprechen und Singen (Ihr habt eindrucksvoll bewiesen, daß Ihr es nicht könnt). Ein bißchen Logik könnte auch nicht schaden, aber ich fürchte, das ist zu viel Stoff bis zum nächsten September.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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4 Antworten zu Dumme Parolen

  1. Cinderella01 schreibt:

    Dass sie zwar einen Kopf haben, dem aber der Inhalt fehlt haben sie auch mit dem Spruch „Kein Gott, Kein Staat, kein Patriarchat“ bewiesen. Denn wenn junge Männer so etwas schreien… dann sind sie entweder totale Opfer des Feminismus oder einfach nur hirnlos. Dass sie sich keinen Staat wünschen lässt darauf schließen, dass sie auch nicht wissen, woher ihre monatliche Unterstützung kommt.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Wir sollten uns hüten, auch „nur“ implizit zu behaupten, daß 1. Hirnlosigkeit und der Bezug von Sozialleistungen notwendig zusammengehören, 2. jeder, der höchst dämliche Sprüche macht, auf Stütze angewiesen ist.
      Im übrigen sind wir uns vermutlich einig darüber, daß die Entwicklung von Sozialunterstützung sehr wesentlich im 12. bis 14. Jh. von der Kirche ausgehend ihren Anfang nahm. Kirche und Mittelalter halt.

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