Wie soll man sich da konzentrieren?

Wenn man nur über den Monitor hinwegblicken muß, um dies hier zu sehen?
Statt etwas Sinnvolles zu schreiben, glotze ich nur aus dem Fenster. Seit ich es mal wieder geputzt habe, ist das noch schlimmer geworden.
Oktober, Sie lenken ab!

Oktober

Die blaurotgoldnen Tage füllen wieder
Das Land, die Stadt, das Herz und das Gemüt.
Der Ahorn leuchtet und die Aster blüht,
Und besser als im Frühling keimen Lieder.

Die Lust am Schreiben ist noch nicht verglüht.
Die Flamme sank nur kurz ein wenig nieder.
Von neuem ordne ich mein Schreibgefieder
Und hoffe, daß es frische Funken sprüht.

Von Himmelsfreude und von Erdentrauer
Brau ich auf einer blauen Flamme mir
Ein tintenschwarzes Schreiber-Elixir,

Und bald schon wird es täglich aufgetischt,
Daß es mich wild berauscht, zugleich erfrischt,
Für eines langen dunklen Winters Dauer.

© Claudia Sperlich

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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14 Antworten zu Wie soll man sich da konzentrieren?

  1. ichwesen schreibt:

    Tja, Fensterputzen hat eben nicht nur Vorteile… Aber ein schönes Gedicht.

  2. piri ulbrich schreibt:

    Ein wundervolles Gedicht zum herrlichen Oktober. Geh raus und vergiss die Fenster Natur ist ist in Echt nicht zu toppen.

  3. Monika schreibt:

    Guten Morgen,

    ja es ist ein schönes Gedicht. Somit hat der Blick durch das Fenster doch zur Inspiration verholfen. Natur draußen ist nicht zu toppen, da schließe ich mich piri ulbrich an.

    Viele Grüße

    Monika

  4. Brettenbacher schreibt:

    Daß Sie mir blos nicht Ihr Genie wegdiätieren !!!
    Lieber ein großes dickes Mädchen bleiben, und des Geistes voll –
    als ein tonlos unbesetztes Lerchengestänge.erklettern..

    Gurnemanzisches Mahnraunzen aus Emmendingen
    und Gruß
    Brettenbacher

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Willkommen, Brettenbacher, und Dank für dies freundliche Kompliment!
      Keine Sorge, ich esse viel zu gern, um jemals so etwas Gruseliges wie Magersucht zu erwerben. Aber ich bin zur Zeit um jedes Kilo froh, das meine Knie nicht mehr belastet.

  5. Lakritze schreibt:

    Schreibgefieder! Das ist auch so ein schönes, glänzendes Wort.

    • Brettenbacher schreibt:

      „von neuem ordne ich mein Schreibgefieder..“ , wie schön, wenn anderen das Schöne
      auch auffällt !
      Was die Wiederanordnung gezauster Federkleider angeht, möchte an die Bücher
      und Aufsätze der prächtigen Barbara von Wulffen erinnern. Unzählige winzigste
      Häkchen, funktions(s)innig gekrümmt und gebogen, müssen da wieder ineinander finden. Und tun das auch.
      Danke übrigens noch, Kalliope, für freundliche Aufnahme obigen, – etwas riskanten-,
      Zurufs.!

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Dank für den Hinweis auf eine mir leider noch ganz unbekannte Autorin – damit wächst der virtuelle Bücherstapel (also der, den ich nicht habe, aber gerne noch lesen möchte) wieder beträchtlich an.
        Ich fand den Zuruf übrigens nett!

  6. Hab nu endlich auch meine Fenster geputzt – aber sooo schön ist mein Ausblick trotzdem nicht. Um den zu kriegen, brauche ich auch nur hundert Meter aus’m Haus raus und stehe auf dem greifswäldischen Stadtwall. Ich grinse auch grad ob Deiner WortErfindung „SchreibGefieder“ und ich denke, daß Du Dich beim Schreiben wirklich eines edlen Geräts mit Tinte und Feder bedienst. Daß Du dieses perfekt beherrschst, zeigen Deine wunderschönen Gedichte*inehrfurchtdenhutzieh*, auf die ich mich schon jetzt freue, wenn Du sie in die langen WinterNächte und auch hier ins PommerLand sendest.
    GLGr. vom ollen Wolf aus der schönsten Hansestadt am Ryck.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Oh, so viel Lob!
      Ich freue mich, wenn meine Werke so gut ankommen. Übrigens schreibe ich tatsächlich gern mit Tinte und Stahlfeder. Aber noch mehr mit Tastatur.

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