Das Doofe an Disziplin

… ist, daß sie keinen Spaß macht. Sie kann mit Stolz erfüllen, mit Genugtuung, sie kann einen Bewunderung ernten lassen. Ihre Folgen können hervorragend sein – ein schönerer und gesünderer Körper, eine sorgfältig vollbrachte Arbeit, künstlerischer Erfolg und vieles mehr.
Aber Spaß macht sie nicht.
Und wenn es, wie bei mir, sehr wesentlich um die Disziplin in Sachen Ernährung geht, liegt sie im Streit mit einem schlechtgelaunten Magen.

Der bekommt dann höchstens Tee, damit er Ruhe gibt. Daß er nicht der Chef ist, kann ich ihm nicht erklären, das versteht er nicht. Aber nach einem Essen in sinnvollen Maßen noch jede Menge Fett und Kohlehydrate verlangen und damit vier Monate Disziplin sabotieren geht gar nicht. Magen, halt die Klappe!

Das Erstaunliche ist: Wenn ich abends schaffe, dem Magen nicht nachzugeben, auch wenn er sich gebärdet wie kurz vor dem Hungertod, dann bin ich morgens nicht halbverhungert, sondern ausgeruht und froh über ein kleines Frühstück und Kaffee. Und darüber, daß mir aus dem Spiegel immer mehr Form entgegenblickt und immer weniger Doppelkinn.

Ich arbeite weiter daran, wieder in mein kleines Schwarzes zu passen. Treppensteigen wird immer leichter – das zeigt, daß ich es richtig mache. Zudem ist Essen etwas zu Gutes, um es gedankenlos zu tun. Abstinenz vom Überessen kann durchaus die Genußfähigkeit fördern.

Und doch, wie das schon klingt: Disziplin. Iiih. Und das deutsche Wort Zucht ist auch nicht das klangvollste von allen, zudem muß ich dabei an Herdbücher denken (und darüber dann, wegen Herd, schon wieder ans Essen).

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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10 Antworten zu Das Doofe an Disziplin

  1. cassandra_mmviii schreibt:

    Das schöne an Disziplin ist: man sieht Ergebnisse 🙂

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ja! Und die machen dann auch direkt Lust auf mehr Disziplin.
      Mit der leider die Lust auf mehr kalorienreiches Essen im steten Widerstreit liegt.

      • piri ulbrich schreibt:

        Es muss ja nicht unbedingt kalorienreiches Essen sein um den Magen zu besänftigen. Was kleines feines, liebevoll zubereitet, schön angerichtet und in Ruhe gegessen, macht Spaß und ist obendrein sehr diszipliniert! Komm heute zu mir; es gibt mit Schafskäse gefüllte Zwiebeln und dazu Ackersalat…

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Würde ich gern, liebe Piri, wenn es so weit nicht wäre.
        Kleine feine Dinge mache ich übrigens auch gerne – nur ist mein Magen eben leider phasenweise unersättlich und muß dann trotz gehabtem leckeren Essen motzen.

  2. Gerd schreibt:

    Die Fähigkeit zur Disziplin hängt auch oder hauptsächlich von äußeren Faktoren ab. Wenn man heute durch die Kathedralen des Konsums geht, werden schon im Ansatz disziplinarische Vorgehensweisen gegen eigene Organe ad absurdum geführt. Da stappeln sich Schokoladeberge neben Fruchtsäfte, es gibt tausend Brotsorten und eine ebenso reichhaltige Auswahl an Kuchen. Und dann die Einkaufswagen, die schon die Größe eines Kleintransporters aufweisen, damit ja alle eiserne Disziplin am Eingang draußen bleibt. Wenn man dann am Ende seines Einkaufes von der Kassiererin zu hören bekommt: „War alles zu ihrer Zufriedenheit?“, jubelt dann nur der Magen, wenn er nicht gerade knurrt.

  3. theomix schreibt:

    Wie wäre es mit:
    Überlebensstrategie?
    Lebensqualitätssteiergungslangzeitmaßnahme?
    Planmäßige Inversvöllerei?

    Statt Disziplin.. 🙂

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Lebensqualitätssteigergungslangzeitmaßnahme ist ein sehr schönes Wort, aber ein bißchen Zeit brauche ich, um das auswendig zu lernen.
      Planmäßige Inversvöllerei, das ist es, das nehm ich!
      Vielen Dank für diese herrliche Wortschöpfung!

  4. S(tef)unny schreibt:

    MEin erstes Blog hieß „Disziplinlos“ – sowviel dazu 😉 Viel Erfolg

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