Fasten und Festessen – ein Rückblick

Heuer habe ich zum ersten Mal die adventliche Fastenzeit wirklich ernstgenommen.
Es gab bei mir vom ersten Adventssonntag an nur Obst und Gemüse. Kein Getreide, weder Reis noch Hülsenfrüchte, keine Kartoffeln, keine tierischen Produkte, kein Zucker, kein Fett.
Abgesehen davon, daß das ein sehr gutes Mittel gegen Übergewicht ist, tut es gut, wenigstens einen kleinen Eindruck von dem zu bekommen, was für so viele Menschen Alltag ist – nämlich Hunger. Nicht Appetit, nicht Eß- oder gar Naschlust, sondern die unüberhörbare Meldung: Magen leer! Und darauf mal gar keine andere Antwort haben als „Ich weiß, vergiß es“ – das kann durchaus auch die Solidarität mit den unfreiwillig und ständig Hungernden beflügeln.

Der Vergleich des Himmelreiches mit einem Festmahl ist auch besser verständlich, wenn Festmähler eben gar nicht alltäglich sind. Und schließlich tut es Hirn und Herz gut, sich nicht vorwiegend mit der Nahrungsaufnahme zu beschäftigen.

In unserer Gemeinde gibt es die Tradition, nach der Christmette im Gemeindesaal zu einem kleinen Imbiß zusammenzukommen. Für mich war dies das Fastenbrechen. Es gab weihnachtliche Leckereien und Wein, und ich habe von beidem in Maßen, nicht in Massen genossen. Wirklich genossen, gerade weil es nicht banal war, Leckereien zu bekommen. An den Feiertagen habe ich festlich gekocht, danach einige Tage wieder sehr sparsam, um die üppigen Mahlzeiten auszugleichen.

Der Freitag ist ein Fastentag, an ihm gibt es bei mir auch weiterhin nur Obst und Gemüse. (Es läßt sich übrigens auch ohne Fett allerhand sehr Leckeres daraus zubereiten!) An gewöhnlichen Wochentagen esse ich vorwiegend vegan; tierische Produkte gibt es an Sonn- und Feiertagen. Das ist nicht nur aus gesundheitlichen, sondern auch aus ökologischen und ökonomischen Gründen sinnvoll. Menschen sind auf Fleischkonsum zwar eingerichtet (wie man am menschlichen Gebiß, am Darm und an der Enzymproduktion erkennen kann). Der massenhafte Konsum tierischer Produkte ist jedoch schlecht für die Umwelt und schlecht für die Menschen, die auf Atemluft und Trinkwasser, gerechte Verteilung der Güter und wenigstens halbwegs funktionierende Körper angewiesen sind.

Muß ich auf irgendetwas verzichten?
Nein. Zunächst mal „muß“ ich ja nicht fasten, sondern darf. Ich darf mich auf Größeres als die Befriedigung körperlicher Bedürfnisse konzentrieren. Mir ist Herrlicheres verheißen als bloß einfach gut essen.
Sodann „verzichte“ ich gerne auf ständige Belastung meiner Knie durch überflüssige Pfunde.
Außerdem kann ein zeitweiser freiwilliger Verzicht auf gute und wichtige Dinge den Wert dieser Dinge vor Augen führen. Ständige Verfügbarkeit macht auch das Beste trivial.
Und schließlich konnte ich auf diese Weise etwas abzweigen für eine kleine Hilfeleistung.

Das Projekt Kleines Schwarzes passend machen läuft seit Anfang August 2012 und wird voraussichtlich im Mai 2013 von Erfolg gekrönt sein. Dann wird es darum gehen, das erreichte Gewicht zu halten – und vermutlich werde ich immer wieder Schwierigkeiten mit dem Maßhalten haben, aber das bedeutet noch lange nicht, daß ich es nicht kann.

Die vorösterliche Fastenzeit ist etwa doppelt so lang wie der Advent. Ich sehe ihr mit Freude entgegen.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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