Stromlos

Eine Nachbarwohnung wird vollständig renoviert, und wegen Umspannarbeiten war heute der Strom von morgens bis zum Spätnachmittag abgeschaltet. Das ist rechtzeitig angekündigt worden, und nach einer Schreckminute (ich bin alt, Sekunde langt nicht mehr) habe ich mich über den Dauerfrost und meinen Balkon gefreut und mich daran erinnert, daß eine große Masse Eis nicht so schnell schmilzt, auch wenn vielleicht der Frost nicht ganz so beständig sein sollte. Also habe ich rechtzeitig Kühlelemente sowie ein paar kleine Plastikkästchen und Gefrierbeutel mit Wasser ins Gefrierfach gelegt. Gestern abend kam der Inhalt des Kühlfaches auf den Balkon, von den selbstgemachten Eisklötzen vor plötzlicher leichter Erwärmung (man weiß ja nie) geschützt.
Ich nahm die Gelegenheit wahr, den abgetauten Kühlschrank zu putzen und auch den Fußboden darunter (ein peinlicher Schock) – und da ich schon mal dabei war, auch den Boden unter dem Herd (noch peinlicher). Das Wischwasser mußte ich auf dem Herd wärmen.

Kerzenlicht ist sehr schön. Außerdem wärmen Kerzen ein wenig. Eine Gasheizung hingegen wärmt bei Stromausfall nicht mehr – denn auch sie ist auf Strom angewiesen. Zum Glück gibt es auch Decken und Pullover im Hause Sperlich – und der Gasherd funktioniert. Trotzdem hatte ich um die Mittagszeit genug von der ausgekühlten Wohnung im Schummerlicht – die Stadtbibliothek ist hell und warm.

Am späteren Nachmittag war ich wieder zu Hause – leider immer noch ohne Strom. Eine Weile las ich noch bei Kerzenlicht. Um 16.40 gab es endlich wieder Strom! Licht brennt, Computer läuft, Heizung heizt. Herrliches Leben.

Nur den Kühlschrank habe ich nicht wieder angeschlossen. Der Wetterbericht zeigt Dauerfrost – und der Balkon kostet keinen Strom. Die Sachen, die kühl, aber nicht tiefgekühlt stehen sollen, haben Platz in dem Einbauschränkchen unter dem Küchenfenster. Auch das ist eine Möglichkeit zum Stromsparen.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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6 Antworten zu Stromlos

  1. derbaum schreibt:

    gut das du den tag so gut über die runden gebracht hast! und das mit dem kühlen auf balkonien proktiziere ich schon lange 😉

  2. piri ulbrich schreibt:

    …auch wenn es eine Schreckminute war – immerhin 60 Sekunden – so hast du doch sehr umsichtig reagiert. Ob der Kühlschrank nun auf dem Balkon ist, oder in der Küche, macht keinen großen Unterschied. Hier taut es allerdings schon wieder – zum Glück – ich brauche meinen Kühlschrank, schon für die Puddings der Junioren.

    Wahrscheinlich hätte ich mich mit zwei Decken ins Bett verkrochen, aber nicht ohne vorher meinen mp3-Player aufgeladen zu haben. Bibliothek ist aber bestimmt die schönere Variante.

  3. Wolfram schreibt:

    Als es noch keine Kühlschränke gab, wurden diese Einbauschränke (oft mit Außenbelüftung) genau zu diesem Zweck gebaut. Sogar noch in den Fünfzigern, im Haus meiner Großeltern. Die hatten die Küche auf der Straßenseite, weil die Straßenseite Nordseite war.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Genau so ist es hier (Baujahr 1909, Einbauschrank unterm Küchenfenster und im Flur aus dem Baujahr) auch. Meist finde ich den Kühlschrank trotzdem praktisch, schon wegen des Gefrierfachs – aber zur Zeit ist er schlicht überflüssig.

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