Communio

Pastor Hillermann von der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Gemeinde in Berlin-Mitte hatte mich im vergangenen Jahr gefragt, ob mein Lied zur Verklärung des Herrn dort gesungen werden dürfe. Selbstverständlich darf es. Die Verklärung des Herrn wird in der lutherischen Kirche am Sonntag nach Epiphanias gefeiert, und so war ich heute eingeladen, am Gottesdienst in der Lutherischen Kirche teilzunehmen.

Ich bin noch ganz erfüllt von diesem schönen, festlichen, frohen und musikalischen Gottesdienst! Nicht nur wurde viel gesungen – mehr Strophen als in den meisten katholischen Gemeinden üblich -, und mein Lied kam sehr gut an. Ein siebenköpfiges Blasorchester, mehrere Geigen und ein Klavier sorgten für die musikalische Fülle ebenso wie der kleine Kinderchor der Gemeinde.

Die Liturgie unterscheidet sich kaum von der katholischen Messfeier. Auch das Eucharistieverständnis ist nicht verschieden. Was mich besonders begeistert hat, war die Form der Kommunion. Während in katholischen Gemeinden die Kommunion oft ein wenig nach Abfütterung aussieht, fand sie hier in einer Feierlichkeit und Ruhe statt, die ich beispielhaft finde. Die liturgischen Texte sind mir zugleich vertraut und fremd, weil sie nicht in der katholischerseits üblichen Übersetzung, sondern in dem Deutsch Martin Luthers gesprochen werden – das ich ja durchaus liebe.

Herzlichen Dank für die Einladung, liebe Geschwister im Herrn!

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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12 Antworten zu Communio

  1. piri ulbrich schreibt:

    Du meinst das Abendmahl, oder? Ich liebe es. Es zeigt immer ein Stück Gemeinschaft auf und diese große Zugehörigkeitsgefühl in kleineren ( bei uns in der Gemeinde oft größeren Runden) genießen auch die Junioren sehr. …und doch finde ich manchmal die katholischen Gottesdienste fröhlicher, als die steifen protestantischen!

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ja, das meine ich.
      Und die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche unterscheidet sich hier eben wieder – zumindest nach diesem ersten Eindruck – von der hier bekannteren evangelischen Kirche, ist der katholischen liturgisch näher. Gerade diese von Dir angesprochene Fröhlichkeit habe ich auch hier wiedergefunden.

  2. Gabriele schreibt:

    Wieso ist das Eucharistieverständnis nicht verschieden? Und wie war die Form der Kommunion?

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Zum Eucharistieverständnis sagt die SELK selbst: „Zur Teilnahme am Heiligen Abendmahl sind lutherische Christen eingeladen, die sich zur leiblichen Gegenwart von Christi Leib und Blut im Brot und Wein des Sakraments bekennen, so wie Er es in den Einsetzungsworten sagt und unsere Kirche es bekennt.“
      Zur Eucharistie versammeln sich alle vor dem Altar, die meisten knien dabei nieder. Der Liturg teilt zuerst die Hostien und dann den Kelch aus; wer noch nicht am Abendmahl teilnimmt, empfängt den Segen. Das ist im Prinzip nicht anders als in der katholischen Kirche, auch wenn gerade in den größeren Gemeinden leider meist auf die Kelchkommunion verzichtet wird. Jedoch findet dies alles mit größerer Ruhe statt. Jede einzelne Gruppe von Gläubigen, die vor dem Altar zusammenkommt, wird nach dem Empfang der Eucharistie mit einem Segensspruch verabschiedet, dann kommt die nächste Gruppe, immer so viele, wie Platz haben. Das finde ich viel schöner als das Anstehen in einer Reihe, die sich durch den Mittelgang zieht – wie es in katholischen Gemeinden häufig ist.

      • Gabriele schreibt:

        ja, das mit dem Anstehen ist ziemlich gruselig. Hatte man natürlich früher mit den Kommunionschranken und Empfangen der Kommunion im Knien bei uns auch nicht. In vielen Kirchen wird ja jetzt mit Aufstellen an einer „gedachten“ Kommunionschranke experimentiert. Was dann manchmal zu einem ziemlichen Gewühle führt …

      • Wolfram schreibt:

        Die Frage von Transsubstantation (Rom) oder Consubstantation (Wittenberg) ist (nach vatikanischer Lehre!) nicht kirchentrennend, nicht mal die zwinglianische Ansicht der Non-Substantation (wenn ich mal so sagen darf) wäre prinzipiell kirchentrennend. Das Problem ist das Kirchenverständnis, das hinter der gemeindlichen Feier steht – evangelischerseits konstituiert das Sakrament (mit der Verkündigung) die Kirche (CA VII), katholischerseits ist die Kirche Vorbedingung für die Sakramentsfeier.
        Bei uns bildet die gesamte kommunizierende Gemeinde einen Kreis um den Kommuniontisch, und oft reicht einer dem anderen das Brot mit einem Segenswort, und nachher den Kelch mit einem Segenswort.
        Meines Wissens untersagt spätestens das Trienter Konzil formell den Laienkelch, der aber schon vorher längst nicht mehr gereicht wurde (sonst würden die Reformatoren nicht so oft darüber schreiben). Wenn er in römisch-katholischen Meßfeiern gereicht wird, ist das also prinzipiell gegen die Praxis der Kirche… (aber schriftkonform: „trinket alle davon!“)

        Ich häng hier mal noch an, um nicht zwei Kommentare zu schreiben: Die deutschsprachigen evangelischen Kirchen begehen das Verklärungsfest am Letzten Sonntag nach Epiphanias – deren gibt es zwischen einem und sechs: je nachdem wann Ostern ist. Denn 70 Tage vor Ostern ist immer Septuagesimae. Das Verklärungsfest (dessen AT-Lesung der brennende Dornbusch ist) schließt gewissermaßen den Lichtbogen ab, der sich von Epiphanias, von Weihnachten und sogar von den adventlichen Verheißungen her zieht.

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Dank für diese Erklärungen, Wolfram.
        Ich frage mich nicht zum ersten Mal, warum sich die Kirchen so grundsätzlich beharken – geht doch ganz offensichtlich auch anders. Wie oben beschrieben, und wie auf diesem Weblog. 😉

      • Wolfram schreibt:

        „Die Kirchen“ an sich beharken sich, Gott sei gedankt, ja nun nicht mehr so. Wozu nicht zuletzt Johannes‘ XXIII. Konzil beigetragen hat. Zu meinem Bedauern hat es aber auch zu einer Liturgiereform geführt, nicht nur zur Volkssprache. Die alte, lateinische, Liturgie, die im Schott von Schwiegeroma steht, hat als Proprium der Sonntage meist den gleichen Text wie das Lektionar der deutschsprachigen evangelischen Kirchen. Da ist Rom leider einseitig aus einem seit Jahrhunderten bestehenden ökumenischen Kontext ausgeschieden.
        In der Praxis steht zwischen Lutheranern (und ich bin im Herzen Lutheraner, nicht Reformierter) und Katholiken nicht viel mehr als das Amtsverständnis und besonders das Papstamt. Luther wollte keine Trennung. Das macht immer noch einiges einfacher im Miteinander, und im Katholizismus nördlich der Alpen bin ich bestimmt nicht in der Fremde. Die mediterrane Variante ist wesentlich larmoyanter und, wertfrei ausgedrückt, sinnlicher-emotionaler, das ist nicht so mein Ding. Aber vielleicht deins auch nicht, wer weiß.
        Und die Kirche Jesu Christi besteht in meinen Augen aus vielen Gemeinden und Gruppen, die sich untereinander verbunden wissen, weil sie IHM verbunden sind, auch wenn sie verschiedene Strukturen und Riten pflegen. Das alles ist nicht heilswirksam, sondern der lebendige Glaube.

  3. Monika schreibt:

    Hallo Claudia

    Vor über 20 Jahren haben wir uns persönlich gekannt. Du bist mit meiner älteren Tochter ins Pergamonmuseum gegangen.

    Es freut mich, daß ich Deinen Blog gefunden habe. Deine Gedichte begeistern mich.

    Liebe Grüße
    Monika
    PS:
    Auf welche Melodie wurde das Lied gesungen?

  4. Bettina Klix schreibt:

    Da ich neu hier bin, beschränke ich mich erst einmal aufs Gratulieren! Toll. Eine große Ehre.
    Und feine ökumenische Bande knüpfen sich da!
    Bis bald in Heilig Kreuz!

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