Benedikt XVI. wird wieder Joseph Ratzinger

Mir tut es sehr leid, daß der Papst sich sein Amt nicht länger zutraut – ich höre auch eine große Trauer in seiner Rede, und es bewegt mich, daß dieser Hochgebildete von nachlassender Geisteskraft spricht – das muß er besonders schrecklich empfinden, auch wenn es möglicherweise außer ihm selbst noch niemand merkt. Ich wünsche ihm von Herzen, daß er Trost und Ruhe und Freude findet.

Ich lese zur Zeit den ersten Band seiner Jesus-Trilogie – häppchenweise, weil das Buch hohe Konzentration fordert, zugleich mit großer Freude wegen der eleganten und klaren Sprache und der verständlichen Theologie. Das brachte mich auch auf eine weitere Lektüre, nämlich das vom Papst zitierte Buch von Jacob Neusner, Ein Rabbi spricht mit Jesus (ebenfalls sehr empfehlenswert).

Wer immer im März zum Papst gewählt wird, von Benedikt XVI. habe ich mindestens bis dahin noch einiges zu lesen. Eher noch erheblich länger.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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5 Antworten zu Benedikt XVI. wird wieder Joseph Ratzinger

  1. Xeniana schreibt:

    Reblogged this on Familienbande.

  2. liisa schreibt:

    Ich finde seine Entscheidung aus diversen Gründen höchst bemerkenswert:

    1. ich glaube, dass nur sehr wenige Menschen gibt, die einmal in eine solche Machtposition gekommen sind, und die es dann schaffen,das wieder loszulassen (davon sind auch geistlich gesinnte Menschen nicht völlig frei) Sei es, dass man glaubt/empfindet wenn man nicht „die Kontrolle“ behält, nimmt alles einen falschen Weg, sei es weil der Mensch nun mal auch Privilegien durchaus schätzt (sich daran gewöhnen kann) und diese dann zumindest zum Teil ja auch wegfallen, sei es aus anderen Gründen, die mit solcher Machtposition verbunden sind.

    2. der Druck weiterzumachen, ist glaube ich immens. Die paar Menschen aus seiner Umgebung, die von seinen Überlegungen gewusst haben mögen, werden vermutlich auch nicht so ohne weiteres ein „Ja“ dazu gefunden haben (vielleicht hat er von seinem noch älteren Bruder da am ehesten Verständnis und Unterstützung erfahren).
    Dann hatte er einen unmittelbaren Vorgänger, der ja nun radikal gerade den gegenteiligen Weg gegangen ist und sein Altern und die damit verbundene körperliche Schwäche der Welt beispielhaft vor Augen gehalten hat. Aus genau solchen Gründen (zunehmende körperliche Gebrechlichkeit und vielleicht auch geistig nachlassende Kräfte) zurückzutreten, wirkt vor diesem Hintergrund auf manche vermutlich unverständlich.
    Sich überhaupt von der Erwartungshaltung der Menschen allgemein frei zu machen ist sicher ein Kraftakt für sich. Hinzu kommt, dass ihm ja auch klar war, dass seine Entscheidung zugleich unmittelbare Auswirkungen auf den Lebensweg vieler anderer haben wird (z.B. andere Würdenträger, die dadurch ihr Amt bzw. ihre Positionen auch (erstmal) aufgeben müssen. Machtkämpfe gibt es ganz sicher auch im Vatikan und man darf gespannt sein, wie sich die Machtverhältnisse innerhalb der Kurie und des Vatikan verschieben werden. Da Joseph Ratzinger ja noch lebt, wird er die Auswirkungen seiner Entscheidung noch selbst beobachten und vielleicht auch „ertragen“ müssen. Das ist – je nachdem wie sich die Dinge entwickeln – auch eine besondere Form der Belastung.
    Und natürlich auch das Wissen, dass er mit diesem Schritt bzw. dieser Entscheidung eine Ausnahme in einer jahrtausendealten Tradition darstellt, ist ihm, der ja in vielem gerade auch den Traditionen so verbunden ist, sicher auch nicht ganz leicht gefallen.

    Wie gesagt, seine Entscheidung verdient Respekt und Achtung und ich wünsche ihm auch, dass ihm vergönnt ist, den Rest seines Lebens so zu verbringen, wie er sich das erhofft.

    • stefanolix schreibt:

      Dem langen Kommentar kann ich mich nur anschließen. Ich empfinde Respekt und ich wünsche dem (Noch)-Papst alles Gute für die letzte Zeit seines Lebens.

      Ich bin andererseits entsetzt, was Medien wie SPON aus der Nachricht machen. Das Papstamt und die Person, die es ausfüllt, sind selbstverständlich nicht immun gegen Kritik. Aber die Wortwahl, die Überschriften, die »Anreißer« – einfach erbärmlich.

  3. Braut des Lammes schreibt:

    Zwischendurch hab ich gehört, er würde damit nicht wieder Joseph Ratzinger.

  4. Claudia Sperlich schreibt:

    Dank für Eure Kommentare.
    Ich bin sehr gespannt, wer sein Nachfolger wird, und hoffe auf einen intellektuell ebenbürtigen Menschen. Wobei Benedikt da ein sehr hoher Maßstab ist.

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