Priesterinnen

Daß die katholische Kirche keine Priesterinnen zuläßt, wird ihr gern übelgenommen. Frauenverachtend, patriarchalisch, „mittelalterlich“ soll das sein. Zuweilen werde ich gefragt, wie ich zu dieser ewiggestrigen Haltung stehe.

Einige große und kluge Kirchenväter haben kleinliche und dumme Dinge über Frauen gesagt. Das ändert nichts an der grundsätzlichen Bedeutung ihrer Werke; wenn jemand viel Gescheites sagt, wird er auch irgendwo etwas minder Gescheites von sich geben. So wie ich einen Menschen lieben kann, ohne jede einzelne seiner Äußerungen und Handlungen zu billigen (sonst könnte ich ja niemanden lieben!), so kann ich das Lebenswerk eines Menschen achten, auch wenn dazu ein paar wirklich ärgerliche Sätze gehören. Deshalb gehe ich auf dumme Zitate kluger Leute zu diesem Thema nicht weiter ein; es bringt nichts, Augustinus und Ambrosius dafür zu beschimpfen, daß sie nicht ausschließlich gut waren. (Sie wußten das selber.)

Ich sehe die von der Kirche vorgebrachten Argumente gegen die Priesterweihe bei Frauen nicht ein. Daß Jesus ein Mann war, ist weder gegen noch für irgendetwas ein Argument; Er hat alle Menschen, nicht nur die Hälfte, zur Nachfolge gerufen. Mit der Würde von Priestern und Königen (generisches Maskulinum!) begabt sind alle Getauften; der Aufruf, die Gute Nachricht weiterzusagen, richtet sich an alle Christen. Was hieraus für den Unterschied zwischen dem „privaten“ Christentum und dem geweihter Diener folgt, darf man ruhig oft überlegen. Dabei vermisse ich auf Seiten vieler Befürworter eine ruhige und respektvolle Sachlichkeit.

Seelsorge ist zwar nicht die einzige priesterliche Aufgabe, aber eine sehr wesentliche – und hier sind Frauen wohl recht oft besonders befähigt. Auch ist die Hemmschwelle, eigene Unzulänglichkeiten zu bekennen, bei vielen Menschen gegenüber Frauen niedriger als gegenüber Männern. Das mag ein Argument für den priesterlichen Dienst als Beichtmutter sein. Es ist mir ferner bekannt, daß es fähige evangelische Pfarrerinnen gibt, und trotz des verschiedenen Amtsverständnisses sehe ich darin ein weiteres Argument für die Frauenordination.

Die Frage der Frauenordination ist mir wichtig genug, darüber nachzudenken und mich damit auseinanderzusetzen, auch im Gespräch mit Priestern und Theologen. Mir ist dabei klar, daß „Es überzeugt mich nicht“ kein logisches Argument für oder gegen irgendetwas ist, und daß meine Vernunftgründe richtig oder falsch sein können – weil meine Vernunft, wie jede menschliche Vernunft, irrtumsanfällig ist. Die Frage ist mir wichtig, aber nicht wichtig genug, um von ihrer Beantwortung meine Liebe zur Kirche abhängig zu machen. (Zumal ich wahrlich keinen Beichtvater um seinen Job beneide.) Mit Befremden sehe ich, daß häufig dort, wo Frauen in einer Form ordiniert werden, die katholisch sein möchte und wegen der ausdrücklichen Abspaltung von der katholischen Lehre eben nicht mehr ist, zusätzlich eine sonderbar unernste Art liturgischen Firlefanzes gepflegt wird. Das finde ich nicht überzeugend, und es ist der Diskussion um die Rechtmäßigkeit der Frauenordination nicht dienlich.

Ich liebe die Kirche, die als Organisation von Menschen für Menschen Fehler hat und begeht, wie es bei Menschen eben ist – und die als Braut Christi genau die Richtige ist und dem Richtigen folgt. Aus dieser Haltung kann ich mich bei verschiedenen kirchenrechtlichen Fragen in Geduld fassen. Wenn die Frage nach Sinn oder Unsinn der Frauenordination vor der Wiederkunft Jesu nicht zu klären ist, klären wir das halt später. Wenn uns bei der Wiederkunft des Herrn die Augen geöffnet werden über unsere Unzulänglichkeiten und Sünden, wird zudem gerade diese Frage nicht rot markiert unter Top 1 stehen. Eher auf Seite 500, in der Fußnote.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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20 Antworten zu Priesterinnen

  1. stefanolix schreibt:

    Mit ruhiger und respektvoller Sachlichkeit: Einige Gedanken zum Thema 😉

    In jeder Kirche geht es auf der einen Seite um den Glauben und auf der anderen Seite um die Macht. Die Katholische Kirche gesteht den Frauen (fast) keine Ämter in der Kirchenhierarchie zu. Also haben Frauen auch (fast) keine Macht und (fast) keinen Einfluss auf die Geschicke der Kirche. Die Einschränkung um der Vollständigkeit willen: Frauen dürfen ein Kloster leiten.

    Woher kommt denn Deine Gewissheit, dass die Situation der Frauen in der Katholischen Kirche von Gott gewollt ist und von Gott so bestimmt wurde? Woher kommt denn Deine Gewissheit, dass die Kirchen, in denen Frauen ein Amt übernehmen dürfen, mit ihrem Deiner Meinung nach »unechtem Firlefanz« weniger wert seien als die Katholische Kirche? Ich kenne sehr ernsthaft gläubige Altkatholiken und würde mir niemals einfallen lassen, ihre Glaubensausübung als »unechten Firlefanz« zu bezeichnen.

    Ich kann keinem Kirchenvater auch nur den leisesten Vorwurf machen, dass er vor vielen Jahrhunderten nichts von der Gleichwertigkeit der Menschen gewusst hat. Das wäre überheblich und dumm. Sie waren Menschen ihrer Zeit. Die Menschen hatten damals einen anderen Wissensstand, sie konnten sich viele Dinge gar nicht erklären. Es fehlte ihnen an Aufklärung.

    Nun hat uns Gott aber ein Gehirn gegeben, damit wir nach Wissen und Aufklärung streben. Also hat sich die Menschheit über die Jahrhunderte weiterentwickelt. Heute kann kein Zweifel mehr darüber bestehen, dass Mann und Frau gleiche Menschenrechte besitzen. Wenn das damals schon durchgesetzt gewesen wäre, hätten wir heute selbstverständlich auch in der Katholischen Kirche Priesterinnen und Bischöfinnen.

    Darf ich davon ausgehen, dass die Entwicklung der Menschenrechte und die gesellschaftliche Gleichberechtigung der Frau von Gott gewollt waren? Dann könnte es doch auch von Gott gewollt sein, dass die Katholische Kirche Frauen als gleichberechtigt ansieht?

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ich habe durchaus keine Gewißheit, daß diese Situation gottgewollt ist. Ich stelle mir diese Frage immer wieder und tendiere eher dahin, daß Frauenordination so schlecht nicht wäre. Nur finde ich es falsch, über dieser Frage die Kirche zu entzweien.
      Meine Bemerkung über „unechten Firlefanz“ bezieht sich ausschließlich auf meine Konfession. Meine Wahrnehmung ist, daß hier der Versuch der Frauenordination – den es ja immer mal wieder gibt, obwohl er als Verstoß gegen das Kirchenrecht automatisch zur Trennung von der Kirche führt – in der Regel solche Folgen hat. Dort, wo das Amt der Pfarrerin der konfessionellen Satzung entspricht, sind meiner (in anderen Konfessionen allerdings geringen) Erfahrung nach liturgische Ausrutscher weniger wahrscheinlich.
      Mir liegt die katholische Konfession aus verschiedenen Gründen besonders am Herzen. Sollte es möglich werden, daß in ihr Priesterinnen geweiht werden, würde ich das vermutlich sehr begrüßen. Aber ich finde es falsch, die katholische Kirche einerseits behalten zu wollen und andererseits gleichzeitig gegen ihre Satzungen so zu verstoßen, daß man sich von ihr entfernt. Es ist wie in einem Verein: Wenn mir ein Punkt der Satzung nicht passt, kann ich entweder den Verein verlassen oder dahin wirken, daß die Satzung geändert wird – nicht aber bleiben und gegen die Satzung verstoßen.

      • stefanolix schreibt:

        Da stellt sich nun die Frage, ob die Satzung von Gott oder von den Menschen kommt 😉

        Ich bin ja als Kind und Jugendlicher massiv dazu gezwungen worden, eine Glaubensgemeinschaft zu besuchen, zu der ich nicht gehören wollte [sie ist vermutlich den meisten hier unbekannt]. Sobald ich auch nur ein wenig unabhängig wurde und mein erstes Geld verdiente, habe ich mich davon befreit. Später gab es eine kurze Phase, in der ich Aussteigern geholfen habe. Für mich war beim Ausstieg entscheidend, dass ich zu der Überzeugung gelangt bin: »Gott kann die Zustände in dieser Glaubensgemeinschaft nicht gut heißen.« Wenn ich das zwanzig Jahre später reflektiere, muss ich mir eingestehen: Es ist meine subjektive Ansicht, mein subjektiver Glaube. Es sagt mehr über mich aus, als über diese Glaubensgemeinschaft.

        Und jetzt zurück zu den Ämtern für Frauen in einer christlichen Kirche: Wir glauben und wissen heute, dass Gott beide Geschlechter mit gleichem Denkvermögen geschaffen hat. Daran hat die Wissenschaft einen Anteil, weil sie alte Vorurteile ausräumen konnte und weil das Gehirn (wie die gesamte Biologie des Menschen) nun besser erforscht ist.

        Es gibt in Gottes Schöpfung keine geistig »höherwertigen« Männer. Es gibt auch keinen Beweis mehr dafür, dass Männer durch ihr Geschlecht für ein Amt besser geeignet seien als Frauen. Also kann es nicht von Gott gewollt sein, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechtes kein Amt einnehmen dürfen. Also ist diese Unterscheidung nur von Menschen gemacht. Also muss nicht Gott diese Unterscheidung abschaffen, sondern Menschen 😉

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Seit langem zählt die angebliche, von Männern konstruierte geistige Unterlegenheit der Frau nicht mehr zu den Argumenten gegen die Ordination von Frauen. Im Gegenteil: Frauen wurden als Kirchenlehrerinnen anerkannt.
        Mir geht es zudem darum, daß ich die Kirche nicht neu spalten will. Ich finde nicht das Anliegen, sondern das Vorgehen der „Womenpriests“ falsch.

      • stefanolix schreibt:

        Zu dem Vorgehen der Aktivistinnen kann ich im Einzelnen nichts sagen. Sicher wird es dabei auch ungeeignete Methoden geben. Es ist in meinen Augen aber kein Anliegen (an wen denn auch?), sondern eine Selbstverständlichkeit.

        Für mich gehört es zu den ganz große Rätseln der Menschheit, warum sich so viele kluge und selbständige Frauen in Sachen Religion immer noch in die dritte Reihe zurücksetzen lassen. Ich lasse Dir jetzt das letzte Wort 😉

  2. Dann machen wir mal ein bißchen Gespräch unter Theologen 🙂

    Das Argument der Kirche ist nicht „Jesus war Mann, also können nur Männer geweiht werden“ (das ist eines der Angemessenheitsargumente, aber für sich sicherlich kein hinreichendes), sondern:

    – Jesus hat die Weihe als Sakrament eingesetzt.
    – Bei Sakramenten sind wir an die Vorgaben des Einsetzenden gebunden.
    – Wir haben zwar kein ausdrückliches Wort „wehe, ihr weiht Frauen zu Priestern“, aber vor allem keinerlei Anzeichen dafür, daß Jesus Frauen zu Priestern geweiht sehen wollte.
    – Daher sagt die Kirche, sie habe schlicht und ergreifend keine Vollmacht, hier eine von der Tradition, die nun einmal keine Priesterinnen kennt, abweichende Entscheidung zu fällen.

    Mit anderen Worten: An der Gültigkeit der Priesterweihe hängt die Gültigkeit der vom Geweihten gespendeten Sakramente. Eine Weihe ist aber keine magische Kraftübertragung, sondern ein Handeln Gottes, in dem Menschen als seine Werkzeuge dienen. Wenn Gott keine Frauen als Priester will, kann die Kirche den Ritus einer Weihe vollziehen, aber es kommt dabei keine Priesterin raus. Wie ja auch keine Ehe rauskommt, obwohl der entsprechende Ritus vollzogen wurde, wenn einer der Partner eigentlich gar nicht die Ehe im Sinne Gottes eingehen wollte.

    Und dann wäre da noch der wesentliche Unterschied zwischen allgemeinem und speziellem Priestertum. Es sind ja auch alle Getauften zum Prophetem begabt, trotzdem hat das prophetische Amt der Kirche (i.e. das Lehramt) nochmal was ganz anderes.

    • stefanolix schreibt:

      Wir können deshalb keinerlei Beweise für oder gegen eine Weihe von Frauen haben, weil die Geschichte immer von den Siegern bzw. von den jeweils Mächtigen gemacht wird. Das ist in allen menschlichen Organisationen so.

      In der Zeit vor etwas mehr als 2.000 Jahren wäre es gesellschaftlich völlig undenkbar gewesen, den Frauen eine Führungsposition in einer Religion zuzugestehen. Einige Gründe habe ich oben aufgeführt: Mangelnde naturwissenschaftliche Kenntnisse, Mangel an Aufklärung, archaische Wertvorstellungen.

      Deshalb kann man selbstverständlich unter neuen Gesichtspunkten auch Frauen in ein Amt einer christlichen Kirche berufen. Oder wollen Sie ernsthaft behaupten, die Pastorinnen in der Evangelischen Kirche seien allesamt weniger wert als ihre männlichen Kollegen?

      • Ich möchte allen Ernstes behaupten, daß evangelische Pastoren keine Priester sind.

        Der Rest des Kommentars geht am Argument völlig vorbei. Nochmal: Sakramente sind Einsetzungen Christi. Die Kirche kann die Zulassung zu diesen nicht eingemächtig ausdehnen.

    • Wolfram schreibt:

      – Jesus hat die Weihe als Sakrament eingesetzt.
      – Bei Sakramenten sind wir an die Vorgaben des Einsetzenden gebunden.
      – Wir haben zwar kein ausdrückliches Wort “wehe, ihr weiht Frauen zu Priestern”, aber vor allem keinerlei Anzeichen dafür, daß Jesus Frauen zu Priestern geweiht sehen wollte.

      Das Problem bei dieser Argumentation ist allerdings, daß das Neue Testament zwar eine Diakonenwahl kennt und auch ein Leitungsamt, das episkopè genannt wird – aber keine Priesterweihe, und schon gar nicht von Jesus eingesetzt. Da kommt man also ganz schnell auf ganz glatte Bahnen.
      Über den Begriff des Sakraments brauchen wir nicht zu diskutieren, der ist nicht notwendig – aber wir haben eben auch „keinerlei Anzeichen dafür, daß Jesus“ Männer „zu Priestern geweiht sehen wollte“.

  3. Braut des Lammes schreibt:

    Also, mich hat letztlich die „ikonographische“ Sichtweise überzeugt: der Priester handelt am Altar in persona Christi, dieser war ein Mann. Ebenso kann umgekehrt nur eine Frau Sinnbild der Braut Christi, der Kirche sein, weshalb die Kirche keine Männer als Braut Christi konsekriert.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Mir ist diese Sichtweise über den Verstand nicht zugänglich – wohl aber, ohne daß ich sie mir automatisch zu eigen mache, über ihren poetischen Charakter.

      • stefanolix schreibt:

        Interessante Frage: Welche Probleme darf man mit dem Verstand lösen? Welche Probleme sind Glaubenssache? Ich denke, dass die Frage der Priesterweihe von Frauen eine rein menschliche Frage der Kirchenhierarchie und keine Glaubensfrage ist. Es steht doch nicht im Glaubensbekenntnis: »Und ich glaube daran, dass Gott nur Männer für ein Amt in der Kirche bestimmt hat.«

        Wir wissen definitiv nicht, warum es keine Überlieferung über Frauen in Ämtern innerhalb der Urkirche gibt. Wir können nur annehmen, dass es mit der Rolle der Frau, dem Entwicklungsstand der Gesellschaft und dem Stand der Wissenschaft zu tun hat. Das wäre zumindest logisch. Jesus ist in der Frage des Respekts vor den Menschenrechten einer Frau schon ziemlich weit gegangen, indem er etwa die Sünderin vor der Steinigung bewahrt hat. Aber selbst Jesus konnte in dieser Zeit keine Priesterinnen einsetzen oder Jüngerinnen um sich scharen. Die Zeit war einfach nicht reif dafür.

        Das Christentum hat seine Wurzeln im Judentum auf dem Stand von vor mehr als 2.000 Jahren. Die Rolle der Frau in jener Zeit ist relativ gut erforscht. Die gläubigen Juden und die ersten Judenchristen waren noch durch die Erkenntnis geprägt, dass eine Frau durch Menstruation und Geburten spirituell »unrein« sei. Sie haben es eben nicht besser gewusst. Aber heute wäre es völlig absurd, eine solche Meinung zu vertreten. Wer so etwas in die Welt setzen würde, den würde man wohl auf seine Zurechnungsfähigkeit testen.

        Es ist also ziemlich unwahrscheinlich, dass unter den sogenannten Judenchristen dieser Zeit eine Priesterin oder Apostelin gewirkt hat. Man vermutet: Es könnte Diakoninnen gegeben haben. Das entspricht den gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Limits jener Zeit.

        Es gibt aber in unserer aufgeklärten Zeit keine grundsätzlichen Argumente mehr, der Frau das Amt zu verweigern, weil die Frau in jeder Beziehung als gleichwertig gilt und in jeder Beziehung die selben Menschenrechte hat. Das war damals definitiv nicht der Fall.

      • Wolfram schreibt:

        Diese Argumentation, Stefanolix, ist allerdings auch nicht stichhaltig. Nur weil etwas in ferner Vorzeit nicht üblich war, muß es nicht zwingend heute innerhalb der christlichen Kirchen für gut geheißen werden.
        Da ist deine Ausführung eher ein fußaufstampfendes „ich will das aber!“ mit nachfolgendem „waruhum?“-Gefrage, bis dem Antwortenden die Luft ausgeht.
        „ich darf nicht töten“ steht übrigens auch nicht im Glaubensbekenntnis. Und doch… ist es eine Glaubenssache, ganz abseits weltlicher Gesetze.

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  5. Chrysostomus schreibt:

    Ich kann den Argumenten gegen die Frauenordination nicht viel an Plausibilität abgewinnen. Das Priestertum bildet das Hohepriestertum Christi ab. Nur ER ist im Vollsinn Priester, weil er in seiner Person die 2 Naturen Gott und Mensch in sich vereinigt. Das macht IHN zum vollkommenen Mittler zw. uns und dem Vater. In der Tatsache, daß Gott Mensch wurde, ist auch unsere Erlösung begründet. Christus wurde als Mensch ein Mann und ein Jude. Niemand kommt auf die Idee, daraus abzuleiten, daß nur Männer oder nur Juden oder nur männliche Juden erlöst sind.
    Wenn also die Menschwerdung Gottes im Mann Jesus Christus sowohl das Priestertum als auch unsere Erlösung begründet, warum gelten dann Frauen als ebenso erlöst wie Männer, können aber nicht geweiht werden?
    Weiterhin kann ich auch dem Vorbildargument nicht viel abgewinnen: Man sagt, Christus habe eben nur Männer zu Aposteln berufen und an dieses Vorbild müsse man sich halten. (Leider hat uns Christus nicht gesagt, ob er das so als Vorbild gedacht hatte .Christus hat viel gemacht, was wir heute ohne Probleme nicht mehr machen, ohne daß wir darin einen Vorbildkonflikt sehen.)
    Diese Apostel waren Juden. Warum empfindet man diese „Vorbildlichkeit“ nicht als ebenso verbindlich? Man weiht ohne Probleme Afrikaner, Inder, Europäer, sogar rothaarige Iren. Christus hat das nicht getan. Woher nehmen wir also hier die Vollmacht, es zu tun?
    Mir persönlich fehlt die Frauenordination nicht. Die kulturgeschichtliche Tradition ist mir plausibel: Leitungsfunktionen für Frauen war früher nur in Ausnahmefällen denkbar. Aber das muß heute nicht so bleiben. Früher waren gebildete Frauen rar, heute sind sie selbstverständlich.
    Da ist mir die orthodoxe Argumentation plausibler. Auch dort weiht man keine Frauen. Man begründet dies aber weniger dogmatisch mit dem Mannsein Christi, wohl wissend, daß man dann ein Problem im Fach Erlösungslehre bekommt, sondern ganz pragmatisch: Eine solche Handlung würde derzeit viele Gläubige derart irritieren, daß es zu Kirchenspaltungen käme. Und die Einheit der Kirche darf man nicht verspielen. Das halte ich für eine ehrliche Haltung, mit der man gut leben kann. Außerdem bleibt damit offen, was man tut, falls sich der kulturelle Wandel nachhaltig beschleunigt,
    Daß außerhalb der Regeln ordinierte Frauen zu karnevalesken liturgischen Kleidern neigen, beobachte ich vor allem in den Kreisen um die vor einigen Jahren auf dem Donauschiff geweihten Damen, von denen sich inzwischen ja auch welche zu Bischöfinnen weiter weihen ließen. Ob diese Weihen allerdings gültig sind, ist ein anderes Fass, das ich hier nicht aufmachen möchte

    • Wolfram schreibt:

      Das ist gar kein Faß, höchstens ein Wasserglas mit ein bißchen Wind darin. Nach römischem Kirchenrecht sind diese Weihen ungültig. Ob irgend eine andere Kirche sie für gültig erachten will, steht ihr frei, allerdings scheinen die Donauwellendamen darauf gar keinen gesteigerten Wert zu legen.
      Was mich wiederum zu der Frage anregt, warum einer unbedingt Fußball spielen will, und dabei den Ball in der Hand tragen und die Gegenspieler tacklen. Warum geht der dann nicht zum Rugby?

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Vielen Dank für diese Ausführungen, Chrysostomus! Auch ich argumentiere in dieser Hinsicht wohl am ehesten „orthodox“.
      Dank auch Dir, Wolfram – der Vergleich mit Fußball und Rugby gefällt mir sehr.

  6. Chrysostomus schreibt:

    Lieber Wolfram,
    Es ist nicht das Kirchenrecht, welches die Gültigkeit einer Weihe bestimmt. Die Weihe ist ein in sich selbst gültiges Sakrament, welches eintritt, wenn der Spender wiederum gültig geweiht ist. Das Kirchenrecht ordnet nur die erwünschten Rahmenbedingungen einer Weihe. Doch man kann auch gegen diese Rahmenbedingungen des Kirchenrechtes verstoßen und dennoch eine gültige, wenngleich unerlaubte, Weihe vollziehen. Das ist ein bißchen wie ein lediges Kind: Nicht ganz ordnungsgemäß zustande gekommen, aber real existent. Die Weihen von Erzbischof Lefebvre und seiner Nachfolger bei Piussens sind alle samt und sonders kirchenrechtlich unerlaubt. Doch keiner in Rom zweifelt an der Gültigkeit dieser Weihen.
    Solange man an der Ausschließlichkeit einer Weihe von Männern anhängt, kann man diese durchaus obskuren Weihen dieser Damen rundherum für ungültig erklären. Das ist der römische Standpunkt, den ich nicht zu 100% teile. Interessanterweise haben die Altkatholiken damals auch ins Ungültigkeitshorn geblasen – allerdings nicht aus Gründen des Geschlechtes, sie haben selber Priesterinnen, sondern mit der Begründung, daß eine Weihe in eine Gemeinde hinein erfolgen muß. Ohne Gemeinde kein Priester oder Bischof. Dazu findet man in der alten Kirche durchaus Argumente. Folgt man dieser Argumentation müßte man dann die gesamten regulären kath. Weihbischöfe als ungültig geweiht erachten: Sie sind nicht auf eine bestehende Diözese, deren Kathedra sie erklimmen könnten, geweiht, sondern auf untergegangene, nur juristisch existente, jedoch praktisch inexistente Diözesen ohne Diözesanen.
    Wenn man also das Männlichkeitsargument nicht teilt, kommt man bei der Ungültigkeitserklärung dieser Weihen auf dünnes Eis. Und das Männlichkeitsargument halte ich auch für dünnes Eis. Nichtsdestotz halte ich diese Weihen für Ungültig und zwar einfach weil diese Handlung grober Unfug war. Allerdings ist das kein besonders sauberes dogmatisches Argument.
    Doch, ich glaube, den Damen ist die Gültigkeit ihrer Weihe gerade aus römischer Sicht schon ein Anliegen. Nur so können sie relevant sein. Warum sonst haben sie sich einen richtigen, wenngleich durchgeknallten Bischof organisiert? Ich bin aber überzeugt, daß sie dennoch bereits in der Irrelevanz ertrunken sind. Die Weihen schwimmen längst quasi im Wasser der schönen blauen Donau….
    So, jetzt ist das Fässlein doch aufgegangen 😉

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