Fasten und Feiern

Kreuz

Vor Aschermittwoch hatte ich mir vorgenommen, zu fasten, sieben Wochen lang keine tierische Nahrung, kein Fett und keinen Zucker zu mir nehmen, nur Obst und Gemüse, am Aschermittwoch und an den Freitagen nur Gemüsebrühe. Nun ja, und Kaffee mit Hafermilch sowie Schwarztee.
Zugleich hatte ich fest beschlossen, mich im Fall des Scheiterns nicht zu ärgern, sondern das Fasten ein wenig zu lockern. (Die Freitagsregel „nur Gemüsebrühe“ hielt ich nicht durch; fettfreie Fastensuppen kamen auch freitags zum Einsatz.)

Frühstück in der Fastenzeit

Mein Geburtstag fällt immer in die Fastenzeit. Heuer entschied ich mich, da es kein runder Geburtstag ist, zu einem fastengeeigneten Geburtstagsfrühstück – vegan und sehr köstlich. Die Reste wurden im Gefrierfach verwahrt.

Tatsächlich stellte ich fest, daß es (und ich!) immer leichter wurde. Seit längerer Zeit habe ich meinen Hang zur Völlerei gut im Griff (nachdem jahrelang er mich im Griff hatte, mit sicht- und spürbaren Folgen). Das Fasten hatte nun nicht neue Anfälle von Gier zur Folge, sondern ganz im Gegenteil – es minderte die Gier erheblich. Zwar kommt der Heißhunger gelegentlich zu Besuch, geht aber immer (zwar manchmal nicht ohne Gemecker), wenn er sich ignoriert sieht. Allerdings gab es in den letzten zwei Wochen der Fastenzeit größere Portionen – aber weiterhin nur Obst und Gemüse. Ich gewöhnte mir auch an, viel weniger Salz zu mir zu nehmen. Viele würzige Gemüsesuppen lassen sich sogar ganz ohne Salz sehr lecker zubereiten. Zwar macht Salz, im Gegensatz zu einem verbreiteten Vorurteil, keineswegs fett – es hat ja keine Kalorien -, aber es bindet das Wasser im Körper, und aus Erfahrung weiß ich, wie verschwollen ich morgens aussehen kann, wenn ich am Vortag zu viel Salz gegessen habe. Das wirkt enttäuschend, wenn man brav und diszipliniert gegessen hat und trotzdem scheinbar dicker geworden ist.

Fastensuppe
Rote Beete

Fasten und Gebet gehören zusammen. Ich habe in der Fastenzeit Formen des meditativen Gebetes, das mir abhanden gekommen war, wieder geübt. Daß ich mich auch als Dichterin in dieser Zeit mit dem Glauben auseinandersetzen konnte, ist für mich ein weiteres Argument für das Fasten.

Rosenkranz

Zuweilen werde ich gefragt, ob ich aus religiösen Gründen faste oder ein Heilfasten mache. Ich frage zurück: Schließt das eine das andere denn aus?

Allerdings ist das Wort Heilfasten irreführend. Auch wenn die Wortwurzel die gleiche ist, muß man zwischen Heilung und Heil – zwischen Überwindung von Gebrechen und Rettung aus Sünde und Unfreiheit – unterscheiden. Das Wort Heilfasten steht immer für eine Maßnahme zur Heilung, zum Wohlbefinden; es müßte also richtiger Heilungsfasten heißen.
Mein Heil kommt nicht durch das Fasten, sondern durch Jesus. Allerdings kann ich Fasten und Gebet nutzen als Weg zu Ihm, und zugleich als Weg der Solidarität mit den Armen (zum guten Teil sind diese Wege deckungsgleich). Heilung von Eßsucht und ihren Symptomen wie Kurzatmigkeit, schmerzenden Gelenken und Herzbeschwerden ist durchaus auch Heilung von einer Todsünde (einer Sünde, die, wie jeder Mediziner bestätigen wird, zu einem sehr unangenehmen Tod führen kann) und hat damit einen Berührungspunkt mit dem Heil. Aber wenn man Heil und Heilung, so nah sie beieinander liegen können, ständig verwechselt, muß man ja am Heil für unheilbar Kranke zweifeln!

Fasten macht aufmerksam und dankbar. Es ist ein guter Weg, echten Bedürfnissen nachzuspüren und falsche Bedürfnisse zu entlarven. Es läßt den Weg auf Ostern zu als Zeit der Gnade empfinden. Und nebenbei wird ein österliches Festmahl nach sieben Fastenwochen noch einmal so lecker.

Osterfrühstück
Hackbraten und Spiegelei

Die Osternacht ist das herrlichste, größte aller Feste, die „Nacht der Nächte“ – und das Festmahl am Ostertag deute ich für mich so: Christus ist erstanden – und nun kann man aus dem Vollen leben. Sonst gäbe es nur Kargheit.
Daß auf die Ostertage wieder Tage des sehr leichten (und nichtsdestoweniger leckeren) Essens folgen, versteht sich von selbst.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Fasten und Feiern

  1. Wolfram schreibt:

    Es ist Heilfasten von heilen, nicht von Heilung – von Heil, salus, abgeleitet wäre es ja auch Heilsfasten, analog zur Heilsgewißheit und zur Heilsgeschichte.
    Übrigens, ich wollte schon lang mal gesagt haben, daß dein neues Profilfoto mir sehr gut gefällt!

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Stimmt, aber es werden meiner Meinung nach zu oft und zu leicht die Begriffe vermischt. Irgendwie ist es ein unglückliches Wort, nach meinem Empfinden.
      Ich freu mich selbst über das Profilbild – besonders wenn ich zum Vergleich ältere Photos angucke!

      • Wolfram schreibt:

        Das gleiche Phänomen beim Heilpraktiker und bei den Heilkräutern. 😉 Wo es der Heilbutt herhat, weiß ich allerdings nicht.
        Kann man nix machen, ist nicht zu ändern.

  2. Eugenie Roth schreibt:

    Schüchterne Anfrage aus dem Untergrund: Darf man die Rezepte erfahren? Dieses Jahr war „meine“ Fastenzeit eine Katastrophe … Vergelt’s Gott – auch für den Erfahrungsbericht!

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Mein „Rezept“ für die vielen Fastensuppen ist:
      Reichlich Gemüse der Saison kleinschnippeln, dazu Gewürze und Kräuter, gern auch Balsamico-Essig – und Wasser. Oft habe ich kräftig und scharf gewürzt, aber nicht gesalzen. Andererseits nehme ich zum Würzen auch gerne Instant-Gemüsebrühe, die natürlich Salz enthält. Sehr lecker ist zum Würzen auch frischer Ingwer, fein gehackt oder gerieben.
      Die Rote-Bete-Suppe ist einfach kleingeschnittene, mit reichlich Pfeffer und Essig und etwas Wasser gekochte und pürierte Bete.

Kommentare sind geschlossen.