Hörnchenfilm

Im 18. und 19. Jh. hat man Eichhörnchen gezähmt – die Menschheit war wohl etwas geduldiger damals. Die Freundin des Romantikers Novalis erlaubte ihrem Eichhörnchen eindeutig mehr als dem Dichter, der klagte:

An Laurens Eichhörnchen

O, Tierchen, das mit Munterkeit
Vor meines Mädchens Fenster springet
Und dem sie selbst voll Sorgsamkeit
Im weißen Händchen Futter bringet,

Das Sprünge macht wie Pantalon
Durch seine Späße sie vergnüget
Und seiner Drolligkeit zum Lohn
Von ihr geliebt im Schoße lieget,

Das an ihr hängt, dem Busen nah,
Und ihre Rosenwangen lecket
Und das oft viele Reize sah,
Die meinem Späherblick verstecket.

Sonst bin ich wohl vom Neide frei,
Doch hier da muß ich dich beneiden,
Sie koset dich und liebt dich treu,
Bei mir verhöhnt sie meine Leiden.

O lächelte mir doch das Glück,
Ließ einen Tag mich in dich fahren,
Denn mich begnügte nicht ein Blick,
Sie würde Ledas Los erfahren.

Die Eichhörnchen vor meinem Fenster sind alles andere als zahm. Aber immerhin darf ich sie knipsen und filmen. Und Goethe hat auch etwas dazu zu sagen.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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2 Antworten zu Hörnchenfilm

  1. pixelspielerei schreibt:

    Das ist ZU schön! Wie sie so nebeneinander, untereinander, übereinander, voneinander, füreinander, gegeneinander und überhaupt einander herum futtern … Hach, herrlich! Dankeschön fürs Zeigen, das ist wirklich sehens_wert_ und total süß! ♥

  2. Einfach zu süüüß die kleinen Viecherls, die doch gar nicht so kamerascheu sind, so dicht wie Du innen an der Fensterscheibe agiert hast. Lieben Dank für dieses schöne Filmchen zur GN8.
    GLGr. vom ollen grauen Wolf aus der walpurgisnächtlichen Stadt am Meer. (ganz ohne Hagetissen, Hecken- und Waldfrauen, Hexen)

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