Zwei Tage bis Pfingsten

Geistfeuer
Sonettenkranz

XIII

Spannt sich vom Himmel her ein Regenbogen,
Und blüht das Land, wo Regen es begossen,
Und grünt ein Baumstumpf neu mit jungen Sprossen,
Und kommen Storch und Schwalbe angeflogen,

Wird Brot geteilt und freundschaftlich genossen
Und hartes Wort nicht allzu schwer gewogen
Und Saat der Liebe sorgsam aufgezogen,
Dann seh ich alle Welt vom Geist umflossen.

Wo aber Menschen sich und andre trogen,
Wo Niedertracht und Unterdrückung hausen,
Wo Satte angesichts des Hungers schmausen,

Auch dort ist Raum für Gottes Taubenflügel,
Auch dort kann Er befrein von Stock und Zügel –
Geist Gottes, jener Geist, der nie verflogen.

© Claudia Sperlich

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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