Nebelkrähenspaziergang

Eine Nebelkrähe macht einen kleinen Sonntagsspaziergang.
Nebelkrähe 1
Nebelkrähe 2

Kann man das essen?
Nebelkrähe 3
Nebelkrähe 4

Wohl doch nicht.
Nebelkrähe 5

Dann geh ich halt.
Nebelkrähe 6
Nebelkrähe 7

Christian Morgenstern
Krähen bei Sonnenaufgang

Noch flieht der Blick des jungen Tags
der Berge nebelgraue Gipfel,
und schon entschwebt, gemessnen Schlags,
die erste Krähe ihrem Wipfel.

Der schwankt, befreit von schwerer Last,
daß rings die Zweige sich bewegen:
Fahlsilbern sprüht von Ast zu Ast
des Frühthaus feiner Flüsterregen.

Doch eh‘ sein Flüstern noch erstickt,
enttönt ein „Krah“ dem stillen Raume:
Der Vogel hat am Wolkensaume
das erste blasse Rot erblickt.

Auf allen Wipfeln wacht es auf
und schüttelt sich und ruft nach Thaten …
In lautem Streiten und Beraten
erhebt sich endlich Hauf um Hauf.

Nur zwei Gewitzte warten schlau,
bis alles nach und nach verstoben,
sie wissen einen nahen Bau,
den gestern Jäger ausgehoben.

Ein Käuzleinflügel harrt hier noch,
die Kecken lecker zu belohnen -:
Das Paar umkreist erregt das Loch …
Braungolden glänzt das Meer der Kronen …

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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2 Antworten zu Nebelkrähenspaziergang

  1. Hildesvin schreibt:

    Kolkraben (Heldenzehrer) sind jedoch ein besseres Omen, vor allem, wenn einem zwei vorausfliegen.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Auch wenn ich in Vögeln überhaupt kein Omen sehe, habe ich die mächtigen blauschwarz schimmernden Kolkraben sehr gern – aber in dieser Gegend fühlen sie sich nicht wohl. In Berlin sieht man sie nur mit einigem Glück in den Außenbezirken, etwa in Wannsee, im Düppeler Forst.

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