Das Recht, im Mutterleib zu sein

Vor einem knappen Jahr habe ich hier ein Video vorgestellt, in dem Atheisten sich eindeutig und differenziert gegen Abtreibung, gleich in welchem Stadium, aussprechen.
Ich habe es eben noch einmal angeschaut, und besonders beeindruckt bin ich von den Worten des Historikers und Schriftstellers Nat Hentoff:

Once the sperm and the egg meet and they find a sort of nesting place in the uterus, you now have a developing human being. It’s not a kangaroo, it’s not a giraffe, it’s a human being. And that developement in the womb until the person comes out is a continuing process. Therefor, if you kill it, at any stage, first three weeks, first three months, you’re killing a developing human being.

In meiner Übersetzung:

Sobald Sperma und Ei aufeinandertreffen und eine Art Nistplatz im Uterus finden, haben wir dort einen sich entwickelnden Menschen. Das ist kein Känguru, keine Giraffe, das ist ein Mensch. Und diese Entwicklung im Unterleib ist ein fortwährender Prozess, bis die Person herauskommt. Wenn man sie in irgendeinem Stadium tötet, in den ersten drei Wochen, den ersten drei Monaten, tötet man daher einen sich entwickelnden Menschen.

Auf der Homepage der Libertarians for Life – einer ausdrücklich atheistischen Bewegung – findet man sechs Argumente gegen Abtreibung (hier in meiner Übersetzung):

1. Menschliche Nachkommen sind Menschen, sind Personen von der Empfängnis an, gleich ob diese durch natürliche oder künstliche Befruchtung stattfindet, durch Klonen oder durch irgendwelche anderen Mittel.
2. Abtreibung ist ein Tötungsdelikt — die Tötung einer Person durch eine andere.
3. Das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper erlaubt nicht, das Angriffsverbot zu verletzen. Niemals gibt es ein Recht darauf, eine unschuldige Person zu töten. Vor der Geburt sind wir alle unschuldige Personen.
4. Vor der Geburt hat ein Kind das Recht, im Mutterleib zu sein. Eltern haben kein Recht, das Kind aus dem Kinderbett oder aus dem Mutterleib hinauszuwerfen und sterben zu lassen. Vielmehr schulden beide Eltern, der Vater ebenso wie die Mutter, ihnen Unterstützung und Schutz vor Schaden.
5. Keine Regierung und auch kein Individuum hat ein rechtmäßige Machtbefugnis, irgendeinen von uns, ob nach oder vor der Geburt, legal zu „entpersonalisieren“.
6. Der eigentliche Zweck des Gesetzes ist, für die Unschuldigen Partei zu ergreifen, nicht gegen sie.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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26 Antworten zu Das Recht, im Mutterleib zu sein

  1. haushundhirschblog schreibt:

    Ein schwieriges Thema, liebe Claudia.
    Eines, bei dem man häufig nur pro oder contra gerichtete Meinungen und Urteile liest oder hört oder empfindet.
    Ich denke, dass das Thema eine behutsame und jeweils individuelle Betrachtung verdient.
    LG mb

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Es muß natürlich auch hier immer zwischen Tat und Täter unterschieden werden. Ich kann es absolut nicht gutheißen, niemals – aber das darf nicht zu Gehässigkeit führen gegenüber Frauen, die abtreiben lassen. Mir tun die Mütter ebenso leid wie die Kinder.
      Was mich wirklich verstört, ist die zur Zeit sehr verbreitete Auffassung, es gebe ein Recht auf Abtreibung.

  2. Muriel schreibt:

    Das sind doch aber keine Argumente, sondern nackte Behauptungen, und teilweise in meinen Augen sogar ganz fürchterlich unsinnige (5 und 6 insbesondere). Warum hat denn jemand ein Recht, im Körper einer anderen Person von dieser versorgt zu werden? Warum sollten wir eine einzelne Zelle wie eine Person behandeln?

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Je mehr wir über Biologie wissen, desto deutlicher wird, daß es sich um einen Menschen im Entwicklungsstadium handelt – vom ersten Moment an mit vollem Chromosomensatz. Das ist keine Behauptung, sondern eine Tatsache, übrigens nicht erst seit gestern bekannt.
      „Warum hat denn jemand ein Recht, im Körper einer anderen Person von dieser versorgt zu werden?“
      Das Recht auf Leben ist nicht beweisbar. Warum hat überhaupt irgendein Mensch ein Recht, von anderen Menschen versorgt zu werden? Warum darf man sein Baby nach der Geburt nicht einfach in den Müll schmeißen? (Es wäre sonst noch viele Jahre auf ständige Hilfe und Versorgung angewiesen.)
      Fürchterlich unsinnig nennst Du die Aussage, daß niemand die Machtbefugnis habe, irgendeinem Menschen die Personenrechte zu entziehen, und daß die Entziehung der Personenrechte (im äußersten Fall des Rechtes auf Leben) nicht legal sein darf.
      Was daran unsinnig sein soll, erschließt sich mir nicht. Gäbe es das Recht, andere Menschen zur Unperson zu erklären – gleich in welchem Stadium -, so wäre das Recht auf Leben mindestens im Einzelfall, wenn nicht generell, ausgehebelt.
      Fürchterlich unsinnig ist Dir auch die Aussage, daß Gesetze zuallererst dem Schutz Unschuldiger dienen müssen. Natürlich ist bei der Vielfalt an Gesetzen das nicht immer sofort einsichtig, und natürlich gibt es auch unsinnige und schlechte Gesetze. Aber der Autor schreibt ja nicht, was ist, sondern was sein soll. Und im Großen und Ganzen sind in einem leidlich funktionierenden Rechtsstaat Gesetze genau dazu da: Unschuldige zu schützen. Gewaltanwendung ist grundsätzlich verboten, außer bei Notwehr oder Nothilfe – und da trifft sie eben keine Unschuldigen. Freiheitsberaubung ist grundsätzlich verboten, außer Leute sind so schuldig geworden, daß das Gefängnis der geeignete Ort für sie ist. Wegnahme des Eigentums ist grundsätzlich verboten, außer wenn Menschen es nutzen, um anderen zu schaden – was ebenfalls schuldhaft ist.

      • Muriel schreibt:

        Wir haben anscheinend weitgehend inkompatible Vorstellungen von Sinn und Unsinn.
        Danke trotzdem für den Versuch!

  3. Michael Künnemann schreibt:

    Muriel, Du argumentierst gegen die Position des Schutzes von ungeborenem Leben und ärgerst Dich über angebliche Behauptungen. Allerdings tust Du – fällt Dir das auf? – genau das was Dich ärgert: Du behauptest etwas – dass nämlich bestimmte Positionen „unsinnig“ seien – und doch begründest Du Deine Position nicht und degradierst sie damit zu eben der Art von Behauptung, die Dich so ärgert. Claudia dagegen behauptet nicht nur, sie begründet auch. Warum nicht auch Du?

    • Muriel schreibt:

      Du hast natürlich recht damit, dass ich meine These, 5 und 6 seien Unsinn, nicht begründet habe. Ich habe aber auch nicht behauptet, mein Kommentar enthalte Argumente.
      Warum ich nicht weiter begründe, habe ich ja bereits geschrieben: Claudias Antwort hat mich davon überzeugt, dass eine Verständigung nicht mit vertretbarem Aufwand erreichbar wäre.
      Falls dich meine Position zu dem Thema interessiert, dürfte sie in meinem Blog problemlos auffindbar sein, und natürlich beantworte ich dort bei Bedarf auch gerne Fragen.

  4. erzaehlmirnix schreibt:

    Da nun aber etwa 3/4 der befruchteten Eizellen in den ersten 3 Monaten auf natürliche Art abgehen, sei es wegen Chromosomenschäden, Stress, äußeren Einflüssen…. müssten wir dann konsequenterweise mit jeder verzögerten Menstruation (die in Wirklichkeit vielleicht ein Abort war) jedes Mal tote Kinder beweinen? Ist es nicht etwas von der Natur vorgesehenes dass grade am Anfang einer Schwangerschaft noch „aussortiert“ wird, solange es eben noch kein fühlendes Wesen ist sondern nur eine Anlage dazu? Und ist es nicht ein besserer Grund, dass die Mutter kein Kind will, sich nicht bereit dazu fühlt, nicht die lebenslange Verantwortung übernehmen kann als wenn einfach zufällig nach 5 Wochen der Körper die befruchtete Eizelle abstößt? Im ersten Fall wurde ein potentielles Kind vor einem Leben bewahrt in dem es unerwünscht gewesen wäre. Im zweiten Fall wäre das Kind vielleicht ein Wunschkind gewesen. Ich sehe da nicht das moralisch Verachtenswerte…

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Gibt es für Dich keinen Unterschied zwischen unvermeidlichem Tod durch Krankheit oder Unfall und Tod durch Gewalt?

      • erzaehlmirnix schreibt:

        Bei einem Menschen schon, wobei ich bezweifle dass es für den Toten einen Unterschied macht. Allerdings reden wir hier ja von Anlagen, nicht von einem Menschen. Dass es lediglich Anlagen sind merkt man m.E. eben an der hohen „Aussortierungsquote“ die mehr als die Hälfte beträgt.
        Wenn ohnehin in dieser Zeit mehr als die Hälfte der potentiellen Embryonen stirbt, warum ist es dir so wichtig dass die wenigen, die explizit unerwünscht sind dennoch zur Welt kommen?

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Wenn Menschen getötet werden (gleich ob vor oder nach der Geburt), geschieht das deshalb, weil jemand sie nicht erwünscht. Warum ist es wichtig – wenn es überhaupt wichtig ist -, generell die Tötung von Menschen zu verbieten? Also auch von solchen Menschen, die richtig fiese Ekelpakete sind oder behindert oder sonst lästig?
        Meiner Meinung nach ist das generelle Tötungsverbot auch gegenüber wirklich unbeliebten und wirklich unangenehmen Zeitgenossen berechtigt.
        Ein sich entwickelnder Mensch ist ein Mensch. Wäre es anders, wäre ein Mensch Mensch frühestens mit vierzig Jahren, eher später.

      • erzaehlmirnix schreibt:

        Der Grundlegende Unterschied ist bei uns ja lediglich, wo wir anfangen menschsein zu definieren. so wie ich dich verstehe definierst du menschsein ab dem zeitpunkt wo alle anlagen vorhanden sind um ein mensch werden zu können, unabhängig ob da schon ein nervensystem oder gar ein bewusstsein ist(?)

        Für mich ist es so, dass ich die Grenze weiter hinten ziehe, nämlich ab da wo auch die Natur aufhört „auszusortieren“, also ungefähr zweites Trimester. Davor ist es lediglich ein „könnte“, also eine Möglichkeit (ich hoffe das ist nicht emotional verletzend das so zu lesen wenn du es als tatsächliches baby wahrnimmst). Für mich unterscheidet sich diese Möglichkeit nicht wesentlich davon ob jemand ernsthaft überlegt ein Kind zu zeugen, nur dass die Möglichkeit bereits weiter vorangeschritten ist. Zu einem menschlichen Wesen wird es aus meiner Sicht dann wenn es anfängt etwas zu empfinden, also eine Art Bewusstsein erlangt.

        Das davor, also diese Zellen, die möglicherweise, mit einer Chance von etwa 1:3 ein Baby werden (wenn Natur oder Mutter sich nicht dagegen entscheiden) stehen für mich in der Bedeutung nicht höher als ein tatsächlich lebendes und fühlendes menschliches Wesen.

        Empfindest du tatsächlich ähnliche Trauer über die ganzen befruchteten Eizellen die das erste Trimester aus irgendwelchen Gründen nicht schaffen als wenn bei einem Unglück eine ähnlich große Gruppe Kinder getötet wird? Ich schätze, es sind mehrere hundert befruchtete Eizellen die jeden Tag abgehen…. wäre es für dich dasselbe wenn mehrere hundert Kinder umkämen?

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Jeder Biologe wird bestätigen, daß die befruchtete Eizelle lebt, und daß sich aus ihr in keinem Fall eine andere Art als die der Eltern entwickelt.
        Natürliche Auslese ist kein Argument gegen das Menschsein. Wäre es das, so wären in Zeiten vor der Erfindung der Antibiotika zahlreiche Kranke in geringerem Maße Mensch gewesen als Menschen mit der gleichen Krankheit heute.
        Wenn man das Menschsein durch ein vorhandenes Bewußtsein und Schmerzempfinden definiert, so ist ein im Koma liegender Tetraplegiker kein Mensch. Zudem hören dann die meisten alten Menschen kurz vor ihrem Tod auf, Menschen zu sein. Wird ein Kind mit dem Gendefekt HSAN IV geboren, so ist es nach dieser Auffassung zumindest kein vollwertiger Mensch.
        Ich trauere in der Tat im Allgemeinen nicht um die befruchteten Eizellen, die nicht lebensfähig sind und deshalb abgestoßen werden. Im Besonderen, im Fall der einen befruchteten Eizelle, die mir vor vielen Jahren im ersten Trimester verlorenging, trauere ich sehr wohl, auch wenn ich mir zugleich bewußt bin, daß dies Kind schlichtweg keine Chance hatte, zu überleben.
        Um die bei Unfällen getöteten bereits geborenen Kinder trauere ich auf eine andere Weise; Unfälle sehe ich nicht als natürliche Auslese. Es sind Kinder, die hätten leben können. Das gilt selbstverständlich in genau dem gleichen Maße für Ungeborene, die durch Unfälle sterben.
        Zudem wird menschliche Trauer immer auch mit Gefühlen der Rührung, ja Sentimentalität verbunden sein, ob man das will oder nicht. Es ist aber fast ausgeschlossen, Rührung zu empfinden gegenüber der noch fast kristallin anmutenden Morula in einer Frau, die man nicht kennt. Ein bereits geborenes Kind, oder auch ein schon menschlich aussehendes Kind im dritten Trimester, das durch einen Unfall umkommt, kann man sich auf andere Weise vorstellen, kann eher Rührung empfinden und daher auch eher um es trauern, selbst wenn man es nicht kannte.
        Abgesehen hiervon ist die Frage, ob etwas menschliches Leben ist oder nicht, von der Frage, ob man im Falle seines Todes um es trauert, völlig unabhängig.

      • erzaehlmirnix schreibt:

        Ich habe jetzt ein paar mal angesetzt eine Antwort zu schreiben aber im Geiste sehe ich immer schon was du darauf vermutlich erwidern wirst 🙂
        So wirklich dahinter steige ich bei dir ehrlich gesagt nicht. Ich kann zwar deinen Argumenten folgen aber nicht wirklich verstehen was da in dir vorgeht (normal ist es eher umgekehrt 🙂 ) Du argumentierst so sachlich wenn du über „natürliche Auslese“ sprichst und gleichzeitig scheinst du bei diesem potentiellen Leben wieder sehr emotional und es hat eine Wichtigkeit, die deinen ansonsten eher „kühlen“ Betrachtungen entgegensteht.

  5. Harald Stollmeier schreibt:

    Differenzen gibt es anscheinend einerseits beim Rechtsstatus des Embryonen im ersten Trimester, andererseits bei der Bewertung von Todesfällen. Wer bei letzterer den Unterschied zwischen Unfall (ggf. sogar „Auslese“) und aktiver Tötung verwischt bzw. aktive Tötungen mit Unfällen rechtfertigt, begibt sich meines Erachtens auf sehr dünnes Eis.
    Beim Rechtsstatus innerhalb der ersten Wochen oder gar vor der Einnistung habe ich Verständnis für Menschen, die eine Gleichsetzung mit geborenen KIndern nicht geboten sehen, obwohl ich selbst sie zumindest bei „Abwehrrechten“ für geboten halte, denn jeder „sich entwickelnde Mensch“ ist nicht nur ein Angehöriger der Art sondern ein bestimmtes Individuum. Mir scheint aber, dass solche Zweifel an der Gleichberechtigung in den meisten Fällen zu so etwas wie der These führen, der Embryo/die Zygote habe überhaupt keine Rechte. Das geht auf jeden Fall zu weit: Meines Erachtens sind alle, die eine völlige Gleichberechtigung des frühen Embryonen bezweifeln, dazu verpflichtet, dessen nach ihrer Ansicht minderen Rechtsstatus irgendwie zu bestimmen. Über dessen Richtigkeit könnte man dann immer noch diskutieren und müsste das wohl auch (Singers Lösung überzeugt mich zum Beispiel noch nicht), aber das wäre einen Versuch wert.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      In diesem Zusammenhang ist § 1923 BGB interessant:
      (1) Erbe kann nur werden, wer zur Zeit des Erbfalls lebt.
      (2) Wer zur Zeit des Erbfalls noch nicht lebte, aber bereits gezeugt war, gilt als vor dem Erbfall geboren.

      Wäre es anders, wäre ein Kind, dessen Vater vor seiner Geburt stirbt, nicht erbberechtigt und damit älteren Geschwistern gegenüber benachteiligt.
      Der Sinn dieses Paragraphen, der Menschen ab Zeugung einen gleichrangigen Rechtsstatus mit Menschen ab Geburt zugesteht, ist einleuchtend. Wenn nun ein sinnvolles und leicht nachvollziehbares Gesetz Menschen ab Zeugung als Träger von Rechten ansieht, wird es schon aus Gründen der Logik unmöglich, ihnen übergeordnete Rechte abzuerkennen. „Das Kind hat ein Recht auf sein Erbe, aber kein unbedingtes Recht auf sein Leben“ ist offensichtlich ein unsinniger Satz.

    • erzaehlmirnix schreibt:

      Ich finde es nicht fair wenn hier suggeriert wird dass Menschen bzw in diesem Fall ich, die eine befruchtete Eizelle, die mal ein Mensch werden könnte (es jedoch mit größerer Wahrscheinlichkeit nicht wird) an der weiteren Entwicklung hindern würden, aufgrund dessen keinen moralischen Unterschied zwischen Mord und Unfall machen und sich auf „dünnes Eis“ begeben. Bisher hatte ich das Gefühl es war eine sachliche Diskussion, die für mich zumindest recht interessant war, aber wenn auf die Art argumentiert wird ist es kein Wunder wenn sich am Ende Leute anbrüllen und keiner mehr dem anderen zuhört. Niemand will sich als morallos oder gar Mörder(freundlich) bezeichnen lassen weil die Beurteilung sich auf das richtet was da ist („ein Haufen Zellen mit den Anlagen zu einem Menschen, die aber im biologischen Sinne nicht „leben“, kein ZNS und kein Bewusstsein haben) als auf das was daraus werden könnte.

      • Harald Stollmeier schreibt:

        Das finde ich jetzt ein wenig überempfindlich. Ich habe Sie weder als morallos noch als Mörder bezeichnet; über Ihr persönliches Verhalten weiß ich zudem nicht das Geringste. Ich finde nur Ihre Argumentation unzureichend: Ich verstehe Sie so, dass Sie das Vorkommen von Unfällen zur Milderung der Beurteilung aktiver Tötungen heranziehen. Das ist für sich genommen problematisch. Sie kombinieren es darüber hinaus mit einer Einschätzung des Embryonen, die naturwissenschaftlichen Fakten nicht gerecht wird, nämlich der Behauptung, es handle sich hier um keinen Menschen, ja nicht einmal um Leben. Vielleicht finden Sie ja Gelegenheit, diese Einordnung zu präzisieren: Mir scheint, dass es Ihnen im Kern um die (geringere) Leidensfähigkeit des frühen Embryonen geht, womit Sie nahe an Peter Singer argumentieren würden. Diesem stimme ich zwar in wichtigen Punkten nicht zu, aber ich meine, dass es bei einer konsequenten Anwendung des Singerschen Präferenzutilitarismus deutlich weniger Schwangerschaftsabbrüche gäbe.

      • erzaehlmirnix schreibt:

        Eines der Missverständnisse ist wohl, dass ich nicht von „Unfällen“ spreche wenn ich von der 3/4 Abbruchquote im ersten Trimester spreche. Ein Unfall ist etwas, das nicht geplant ist, das dem zuwider läuft was eigentlich vorgesehen ist und ein unbeabsichtigtes Ergebnis nach sich zieht.
        Bei einer 3/4 Abbruchquote kann man jedoch nicht mehr von Unfällen sprechen, eher ist es ein Zufall wenn die Schwangerschaft klappt. Das spricht klar dafür dass das erste Trimester so konzipiert ist, nämlich als „Auswahlverfahren“ in dem die Bedingungen hergestellt und bei Nichtpassen wieder beendet werden. Nun haben wir in unserer Zeit die Möglichkeit an dieser Auswahl aktiv teilzunehmen und sowohl Bedingungen z.b. durch Hormoneinnahme zu verbessern oder abzubrechen.
        Sind sie denn gegen jegliche Einmischung in „die Natur“ oder „Gottes Plan“ oder was auch immer sie als Auslöser definieren?

  6. Harald Stollmeier schreibt:

    Wenn man sich ansieht, was alles funktionieren muss, damit eine Schwangerschaft überhaupt eintritt, dann bekommt man schon Respekt. Insofern finde ich Ihren Gedanken, dass am Anfang so etwas wie Auslese (ein vielmissbrauchter Ausdruck, aber eugenisch meinen wir das ja hier beide nicht) stattfindet, keineswegs abwegig. Soviel ich weiß, finden die weitaus meisten der von Ihnen angesprochenen spontanen/natürlichen Abgänge aber sehr, sehr früh statt, so früh, dass die betroffenen Eltern meist kaum von der Schwangerschaft wussten. Und die weitaus meisten Schwangerschaftsabbrüche von Menschenhand finden so spät statt, dass sie einen Embryonen betreffen, der die „Auslese“ bereits überstanden hatte. Mir scheint es sogar logisch zwingend, dass jeder Schwangerschaftsabbruch, inklusive Pille danach, die natürliche Auslese gezielt umgeht.
    Ich bin übrigens keineswegs gegen Einmischung in die Natur. Ich bekenne mich freudig zu Antibiotika, Blinddarmoperationen und Organtransplantationen (unter bestimmten Bedingungen), und ich bin auch ggf. für medizinische Eingriffe im Mutterleib. Immer wenn man heilen kann, spricht sehr viel dafür, das auch zu tun. Begünstigung einer Schwangerschaft z. B. durch Hormongaben finde ich unproblematisch. Verhütung einer Schwangerschaft zum Beispiel durch Hormongaben finde ich vertretbar, obwohl es da Aspekte gibt, die man bedenken sollte. Die gezielte Tötung eines Embryonen dagegen, auch in frühem Stadium, halte ich auch in den Fällen für Unrecht, bedrückend und traurig, in denen ich verstehen kann, dass die betroffene Mutter keine anderen Weg weiß.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Dank für diesen Kommentar, dem ich im wesentlichen zustimme (außer in Sachen Organtransplantationen).

      • erzaehlmirnix schreibt:

        Ich habe grade den Artikel zur Organspende gelesen und selbstverständlich muss sich keiner dafür rechtfertigen zu spenden aber ich finde es interessant, da ich bereits seit Jahren einen Ausweis mit mir herumtrage und das auch wichtig finde, da ich damit evtl. einem oder mehreren Menschen damit ein Weiterleben ermöglichen kann. Dagegen scheint mir eine verpasste Umarmung der Angehörigen am Ende als ein wirklich kleiner Preis. Das sind 5 Minuten Abschied im Gegenzug für ein ganzes Leben.
        Umgekehrt bedeutet die Entscheidung dazu, ein Kind das man nicht haben möchte dass man sein ganzes Leben Verantwortung trägt und etwa 20 Jahre sein eigenes Leben zurückstellen muss. Oder mit der Gewissheit leben, dass irgendwo auf der Welt ein Kind von einem selbst lebt, das man nicht selbst aufzieht.
        Sprich, der Preis ist um ein Vielfaches höher. Wie rechtfertigen Sie, dass Sie von jemandem erwarten sein Leben aufzugeben damit ein anderer Mensch leben kann, während Sie nicht bereit sind Ihre Organe einem Sterbenden zu überlassen damit er leben kann? Ich finde die Verhältnismäßigkeit grade etwas schwierig.

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Meine Gründe, warum ich keine Organe spende und auch keine Organspenden empfangen will, habe ich gründlich dargelegt. Der Punkt des Verabschiedens ist nur einer von vielen.
        Ich bin nicht der Meinung, daß Mutter sein bedeutet, sein Leben aufzugeben – auch dann nicht, wenn es sehr belastend ist. Die Mütter, die ich kenne – meine eigene und zahlreiche andere, davon mehrere mit schwerbehinderten Kindern – sind nicht der Ansicht, daß sie nicht leben.
        Freigabe zur Adoption halte ich für eine andere Kategorie als Tötung. Freigabe kann ein Akt der Liebe sein.
        Ich kenne mehrere Frauen, die abgetrieben haben; für sie alle war es noch Jahrzehnte später ein tiefsitzendes Schrecknis. Aber selbst wenn es das nicht wäre, rechtfertigt das nicht die Tötung eines Menschen. Man darf auch dann keinen Menschen töten, wenn es einem selbst nichts ausmacht und das Opfer nichts merkt.
        Und schließlich ist es ein Unterschied, ob ich einen Menschen, der durch mich und in mir lebt, beseitige, oder ob ich auf meinen eigenen halbwegs friedlichen Abschied von der Welt verzichte und mich mit noch schlagendem Herzen ausweiden lasse, um einen anderen Tod vielleicht aufzuschieben.
        Wie wichtig und gut es ist, von einem geliebten Sterbenden Abschied nehmen zu können, und welche seelischen Verwüstungen möglich sind, wenn man das nicht kann, weiß ich beides sowohl aus eigener Erfahrung als auch aus Berichten anderer.

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