Erfrischtes Grün

Morgens hat es stundenlang in Strömen gegossen, was nach der Ofenhitze der vergangenen Tage überfällig war. Nun ist es zwar schon wieder saunaschwül, aber man sieht, wie gut der Regen den Pflanzen getan hat.
Gartenteich bei Regen
Jungfernrebe
Eberesche

Hier ein Blick vom Hof auf Ahorn und Eberesche…
Eberesche und Ahorn

und auf meine Südfenster.
Küchenfenster
Schlafzimmerfenster

Joachim Winterfeld von Damerow
Regenspaziergang

An blinden Fenstern jagen sich die Tropfen,
in engen Stuben dunkelts dumpf und bang,
da trag ich länger nicht den Wetterzwang.
Die Luft ist Labsal, niemand stört den Gang,
nur weit und breit das leise, weiche Klopfen. —
Der Wald steigt regenschwer den Hügel an,
mühsam und unwirsch, wie mir deucht,
die schwarzen Fichtenstämme glänzen feucht,
und dunkelbläulich dämmerte tief im Tann.
Doch sieh, wie sich im matten Winde
die Wipfel regen, stiehlt ein Sonngeleucht
sich plötzlich ein, und wie Platanenrinde
buntscheckig malts die grauen Alten an.

Da streichen grämlich sie die nassen Bärte;
in Fell und Flaum sichs plustert, schüttelt, bläht;
kleinlautes Piepsen in das Wetter späht
mißtrauisch forschend in das ungeklärte.
Bis der von Ungeduld verzehrte
sein Jagdsignal, der kecke Häher, kräht.
Da horcht der Wald. Die neidische Elster schmäht,
laut regt sich Beifall in das Zweifelflüstern.
Eidechschen schlüpft und äugelt mückenlüstern,
doch Bein für Bein nur, sehr bedenklich noch,
entkriecht die Kröte ihrem Wurzelloch
und glotzt, da dicht sie flatternd überfliegt
ein bunter Falter, der am Sonnenscheine
und seiner Schönheit eitel sich vergnügt,
die Flügel breitend auf bemoostem Steine. —

Wie ich ein Weilchen blinzelnd zugeschaut,
vom schrägen, golddurchwirkten Strahl geblendet,
durch den wohl noch ein Tröpfchen niedertaut,
das funkelnden Demantenglanz verschwendet,
und mich des zarten Farbenwunders
wie eines Märchenbildes freue:
auf leuchtend grünem Moos, wie aus Smaragden,
der Vogelbeere Rot und des Holunders
fruchtschwere Dolden in gedämpfter Bläue, —
da scheint im Schattenspiel des vielgezackten
Geblätters mir ein bunter Ringelreihn
von Kobolden, von winzigkleinen Kerlchen,
die stäubend mit den güldnen Wasserperlchen
die Eidechs necken und nach Lichtern haschen. —

Allein – Frau Sonne will nicht gnädig sein,
und launisch in die schweren Wolkentaschen,
am Rand verbrämt mit breitem Silbergleißen,
sammelt sie geizig ihre Perlen ein;
ja selbst Eidechschens kecke Äugelein
hätt fast sie in der Eile mitgehn heißen. —
Und wieder schattets grämlich grau und kalt.
Das Spiel ist aus, es fallen schwere Tropfen;
mißmutiges Schweigen ist im feuchten Wald,
nur weit und breit das leise, weiche Klopfen.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.