Tenebrae – eine sehenswerte Ausstellung

In der Lehrter Straße nahe dem Hauptbahnhof Berlin zeigt die Galerie Lehrter Siebzehn die Ausstellung Tenebrae. Sie ist eine Hommage an Don Carlo Gesualdo, dessen Tod sich in diesem Monat zum 400. Mal jährt.

Die Künstler Hans Scheib, Robert Weber, Stefanie Gutheil und McLovla interpretieren auf ganz verschiedene Art seelische Abgründe und Ängste; Weber zeigt zudem Facetten der für Gesualdo so wichtigen, ebenso fordernden wie tröstlichen Religion.

Bei der Eröffnung sang die Berliner Choralschola – schön, aber leider von vielen Ausstellungsbesuchern gestört. Immerhin waren durchaus auch Interessierte da, die sich an den auch für Gesualdo bedeutenden gregorianischen Gesängen der Karwoche erfreuten – sogar einer mit Priesterkragen.

Besonders eindrucksvoll finde ich Hans Scheibs Holzskulpturen. Sie wirken auf mich wie Menschen, die schwer schuldig geworden sind und darüber außer sich vor Entsetzen sind. Jede der Skulpturen steht auf einem Podest aus Babyköpfen, nicht niedlich, sondern voll Angst und Schmerz – die Kleinen, Wehrlosen, Unschuldigen tragen bereits an der Last der Großen.
Hans Scheib - SkulpturHans Scheib - Skulptur
Hans Scheib - SkulpturHans Scheib - Skulptur
Hans Scheib - Skulptur
Hans Scheib - SkulpturHans Scheib - Skulptur
Hans Scheib - SkulpturHans Scheib - Skulptur
Meine Photos sind wie immer unprofessionell, und von Robert Webers eindrucksvollen Bildern ist mir gar kein Abbild gelungen; wer die Möglichkeit hat, sollte die Originale ansehen.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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4 Antworten zu Tenebrae – eine sehenswerte Ausstellung

  1. hohesundtiefes schreibt:

    Der gefallene Engel ist besonders beeindruckend.

  2. isa schreibt:

    sie wirken auch wie Missbrauchsopfer, die sich schuldig „fühlen“. Vor allem sind sie für Trauma-Überlebende triggerintensiv. Mein Besuch hier scheint etwas geschockt beim Anblick der Fotos.

  3. Eugenie Roth schreibt:

    Treffend kommentiert! – :“Menschen, die schwer schuldig geworden sind und darüber außer sich vor Entsetzen sind.“ Furchtbare Bilder. Vergelt’s Gott für die immer wieder nötige Aufklärung – sonst bekomme ich solche Scheußlichkeiten nicht mit und leben gewissermaßen in einer „heilen Welt“ – und wenn es zu spät ist, „wache ich auf“ und sehe, dass die Welt ganz anders ist. Daher habe ich auch das Blog der Kopten ohne Grenzen verlinkt …

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