Mein Wahlergebnis: eine Krönungshymne

Zum ersten Mal in meinem Demokratenleben habe ich auf das Wahlrecht verzichtet. Ich habe lange darüber nachgedacht und bin zum Schluß gekommen, daß es zwei Arten von Parteien gibt:
– Jene, von denen ich mit Sicherheit weiß, daß sie mehr schaden als nützen, sowie
– jene, von denen ich mit gutem Grund annehme, daß sie mehr schaden als nützen.

Statt der Pest die Cholera zu wählen, weil sie vielleicht heilbar ist, scheint mir keine gute Wahl.

Ganz privat und vermutlich – leider! – ohne politische Konsequenz habe ich den mir auch in der analogen Welt bekannten Blogger Monsignore Corpasini zum König von Deutschland gewählt. Als Krone schlage ich einen Kranz von Weinlaub, Efeu und Lorbeer vor. Angemessener Ort für die Inthronisation dürfte eine Kreuzberger Kneipe sein. Die Krönungshymne und damit die künftige Nationalhymne des Königreiches Deutschland wird auf die Melodie eines alten Trinkliedes gesungen.

Du König unsres schönen Landes,
das freundlich du und friedvoll lenkst!
Bedienst dich gerne des Verstandes,
und Früchte trägt, was du bedenkst.
Im Glauben stark, im Handeln treu,
belebe unser Ländchen neu!

© Claudia Sperlich

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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11 Antworten zu Mein Wahlergebnis: eine Krönungshymne

  1. hohesundtiefes schreibt:

    Ich werde wählen gehen. Ich weiss immer noch nicht, wen. Denn du hast Recht, es hat keine Partei meine Stimme verdient. Dann wiederum erinnere ich mich an Zeiten, in jenem fernen Land, als es nur eine Partei zu wählen gab…
    Ich werde wählen gehen. Und vorher spreche ich mit meiner Gemeinde im Gottesdienst ein Gebet für die Menschen, die politische Verantwortung tragen und in diesem Land etwas gestalten wollen.
    Wo ich mein Kreuzchen mache, weiss ich noch nicht. Aber Nicht-Wählen ist für mich keine Alternative.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ich selbst bin auch unsicher geworden – der Tag ist noch lang, vielleicht gehe ich doch. Im übrigen geht es mir wie Dir.

      • Admiral schreibt:

        Manmannmann, wir haben’s echt nicht leicht. Letztes Mal ab ich ’nen unangekreuzten Wahlzettel abgegeben (fand ich besser als gar nicht hinzugehen).
        Und was ich gleich im Wahlokal machen werde weiß ich auch noch nicht. So richtig überzeugt hat mich keiner der Banditen…..

        Ansonsten: King Bear ist doch schon König. 🙂

  2. meerschreibfrau schreibt:

    Da es den Menschen auch schadet, wenn niemand diesen verdammt harten Job macht, wäre diese Logik wäre für mich nur in einem Fall nachvollziehbar. Wenn man den Mut, die Weisheit, die Kraft, die Kompromiss- und sonstige Bereitschaft hätte, selbst eine Partei zu gründen und zu führen, die es besser machen würde, ein entsprechendes – realistisch machbares – Programm zu entwerfen und dafür zu sorgen, dass die eigenen Leute es auch umsetzen.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ich konnte heute nur zwischen irgendeinem Kandidaten (Folge: Magengeschwür) und nicht (Folge: leichte Bauchschmerzen) wählen und habe mich mit einer ungültigen Wahl für das kleiner Übel entschieden – hoffe ich. Irgendwie ist alles verkehrt.

      • hohesundtiefes schreibt:

        Ich war wählen. Habe zwei saubere Kreuze gesetzt. Bei denen, von denen ich denke, dass sie sich ernsthaft bemühen, auch wenn sie regelmäßig Mist bauen und scheitern und Dinge nicht so anpacken, wie ich es gern hätte. Aber immerhin treten sie an und versuchen, einen guten Job zu machen, anstatt nur darüber herumzunölen, dass die politische Landschaft ach-so-schrecklich und ja-gar-nicht-mehr-wählbar wäre.
        Und davor habe ich bei aller berechtigten Kritik immer noch Respekt. Wer keine politische Alternative im gegenwärtigen Spektrum findet, dem bleibt wohl nichts anderes übrig, als sich selber zu engagieren oder zuzugeben, dass er zu den ewig-unzufriedenen gehört, die eigentlich nur darauf aus sind, lieber alles schlecht zu finden, als den Hintern hochzukrigen und etwas zu verändern.
        Nicht wählen halte ich immer noch für einen Schlag ins Gesicht von allen, die schwer dafür gekämpft haben, dass es eine Demokratie gibt und alle ein Wahlrecht haben.

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Ganz ehrlich, ich bin es ein wenig leid, mich für eine viele Wochen lang erwogene Entscheidung auch noch als Feindin der Demokratie bezeichnen zu lassen.
        Wählen ist nicht die einzige Möglichkeit, in einer Demokratie und für sie tätig zu sein; ich weiß zwar, daß dies Land ohne mich nicht wesentlich anders wäre als mit mir, aber ich tu das Meine.
        Gegen mein Gewissen handeln ist nicht das Meine, und wenn es sich so ergibt, daß jede mögliche Wahl gegen mein Gewissen wäre, wähle ich nicht.

  3. Gertie schreibt:

    KingBear for King! Das passt. Die Krone auf den König(bären), dann könnten bald auch wieder Vernunft und Gottesfurcht regieren. 😉

  4. Pingback: Berliner Geschichten | Mein Leben als Rezitatorin und Verlegerin

  5. cassandra_mmviii schreibt:

    Ich habe mit ganz großen Bauchschmerzen dieses Jahr gewählt. Ich erwog, ungültig zu wählen, gar nicht hingehen signalisiert Desinteresse, da ist das Durchstreichen die bessere Alternative. Ich habe dann doch gültig gewählt und einer völlig irrelevanten Kleinstpartei meine Stimem gegeben. damit habe ich sie verschenkt, ich weiß. Aber es war das kleinste Übel.

    Ich mag den Vorwurf, ich könne mich doch selbst engagieren oder eine Partei gründe, nicht mehr hören. Mir fehlt schlicht die zeit, alle 2 Wochen auf der örtlichen Parteiversammlung Cola zu trinken und ein paar Selbstdarstellern zuzugucken. Und ich bilde mir nicht ein, dadurch die Familienpolitik zu ändern. Das ist außerhalb meiner Möglichkeiten.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Das mit der konsequenzenlosen Kleinstpartei hatte ich auch erwogen, aber die waren mir doch alle zu obskur. Der bloße Gedanke, meine Stimme hätte dazu beigetragen, daß die irgendwann mal mächtiger werden, war gruselig.
      Noch nie war Wählen so schwierig! Naja, nun isses vorbei – schaun wir, was sich jetzt auf der politischen Bühne entwickelt.

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