Ein Sonett für die Berliner U-Bahn

Nachdem ich mir nun angewöhnt habe, in fünfhebigen Jamben zu denken, ist mir das einfach so passiert.

U-Bahn in Berlin

Per U-Bahn quer durch diese große Stadt.
Bin zwischen zwei Paar Männerjeans gezwängt.
Ein Dutzend Schuhe, das den Gang verengt.
Die Scheiben sind von Dreck und Werbung matt.

Es riecht teils parfümiert und teils versengt.
Ein Mann ißt sich an einer Schrippe satt.
Ein Bettler bettelt. Keiner, der was hat.
Die meisten fühlen peinlich sich bedrängt.

Die meisten wirken trotzdem fast zufrieden.
Ein junger Punk mit Cello freut sich gar.
Und einen Apfel teilt ein junges Paar.

Ein Dink (ich weiß nicht recht, ob Mann, ob Frau)
Erklärt die Welt am Telephon genau.
Die Menschen gleich. Die Leute so verschieden.

© Claudia Sperlich

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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7 Antworten zu Ein Sonett für die Berliner U-Bahn

  1. meckiheidi schreibt:

    Ist das wieder so schön geworden! Wunderbare Momentaufnahme.

  2. Gerd schreibt:

    Schließe mich meckiheidi an. Sehr kurz und sehr treffend beobachtet.

  3. wolkenbeobachterin schreibt:

    Was bedeutet: Dink?

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Double Income, No Kids. Kurzform für ein Lebensmodell, bei dem zwei Egoisten sich zusammentun, um gemeinsam egoistisch zu sein.

      • wolkenbeobachterin schreibt:

        Ah, danke für die Erklärung. Kannte ich noch nicht. Aber das mit dem Egoismus – ich weiß nicht. Ist ja jedermann selbst überlassen, wie er sein Leben verbringen möchte. Und manchmal klappt es ja mit einem Kind auch nicht. Da kann man doch niemandem einen Vorwurf machen, finde ich. Liebe Grüße

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Nun, „klappt nicht“ ist kategorisch etwas anderes als „will nicht“. „Klappt nicht“ ist Unglück, „will nicht“ ist Entscheidung.

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