Ein unerwarteter Grabstein

Ich wollte auf dem Friedhof Stubenrauchstraße nur ein wenig spazierengehen; Friedhöfe strahlen so viel Ruhe aus.
Ich fand das Grab einer Frau, sieben Jahre jünger als ich, die ich in unserer Kindheit kannte, mit der ich gespielt habe, sicher auch gestritten, und deren Eltern, ein Künstlerehepaar, Freunde meiner Eltern waren. Wir hatten uns als Erwachsene aus den Augen verloren.
Gott tröste die Eltern und nehme die Tochter auf in Sein Reich.

Ich habe ihr schönes Grabmal nicht photographiert, weil ich nicht weiß, ob das ihren Eltern recht wäre. Aber Bilder habe ich doch gemacht. Ich habe die Hoffnung, daß die Gräber einmal leer sein werden.

Kreuz
Grabsteine
Grabmal

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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5 Antworten zu Ein unerwarteter Grabstein

  1. Juergen schreibt:

    Ich persönlich finde es irgendwie erschreckend, wie in Deutschland mit den Toten, d.h. genau mit den Gräbern umgegangen wird. In anderen Ländern sind Gräber etwas für die Ewigkeit und bei uns weht nach 25 oder 30 Jahren der Wind des Vergessenwordenseins darüber, weil sie neu belegt werden.
    Freilich, wer als Angehöriger Gräber Verstorbener zu pflegen hat, mag froh sein, wenn die Zeit vorbei ist.
    Ich weiß auch noch nicht, wie ich es handhabe, wenn jemand stirbt, dessen Grab ich unmöglich aufgrund von Entfernungen pflegen kann:
    – Steinplatte (oder „Prunk und Protz Marmorplatte“) drauf und 1x im Jahr drüber fegen?
    – oder Gras drüber wachsen lassen?
    Hm…

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ich finde es in Ordnung, daß Gräber nicht für die Ewigkeit sind, obwohl ich die Sitte, Grabsteine zu setzen, schön finde.
      Ich weiß ja nicht, aus was für Gründen ein Grab vernachlässigt wird. So wird das jetzt sehr gepflegte und noch ziemlich neue Grab, das ich heute so unvermittelt fand, in einigen Jahrzehnten vielleicht auch überwuchert sein – aber es läßt doch jeder irgendwelche Spuren, die wichtiger sind als ein Grab.

  2. piri ulbrich schreibt:

    Ich finde Gräber werden überbewertet. Die Sitte, wie es sie in der Schweiz gibt, die Asche auf den Almen zu zerstreuen oder eine Seebestattung – mag ich. Warum ich dennoch ein Urnengrab für meinen Mann genommen habe, mit einer einfachen Schieferplatte mit Namen drauf, hat den Grund, weil das Meer weit weg ist und die Asche nicht in den Wind gestreut werden darf.

    Meine Toten liegen nicht auf dem Friedhof, sie sind bei mir – im Herzen und in der Seele.

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