Wie sollten wir des HERRN Lied singen auf fremdem Boden?

Der 137. Psalm fängt wunderschön und traurig an und endet in einem Zornesausbruch gegen die Zwingherren. Die Kinder der Feinde ermorden – nein, das kann ich nicht wollen und nicht gutheißen. Mit diesem Psalm kann ich mich nur anfreunden, wenn ich den letzten Vers als Metapher lese: Die „Kinder“ des Unterdrückers sind Unrecht und Zwang; wo die zerschlagen werden, gedeihen Recht und Freiheit.
Für diesen Psalm habe ich versucht, mich hineinzuversetzen in den Unglücklichen, dessen Heimat zerstört wurde, der im Exil für fremde Herren schuften muß und auch noch von ihnen verhöhnt wird. Auch diesem billige ich nicht zu, daß er zum Kindermörder wird. Aber vielleicht kann ich seine wütende Aufwallung begreifen.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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